Goldschmuggel, Geldwäsche

Goldschmuggel: Razzia bei Juwelieren – bis zu 210 Millionen Euro in die Türkei gebracht

Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 15:01 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Ermittler haben in Deutschland und den Niederlanden rund 40 Wohn- und Geschäftsräume durchsucht und drei Hauptverdächtige festgenommen. Die Bande soll Gold im Wert von bis zu 210 Millionen Euro in die Türkei geschmuggelt haben.

  • Mit Durchsuchungen ist die Polizei gegen mutmaßliche Goldschmuggler vorgegangen. - Bild: Blaulicht-Solingen/dpa
    Mit Durchsuchungen ist die Polizei gegen mutmaßliche Goldschmuggler vorgegangen. - Bild: Blaulicht-Solingen/dpa
  • Durchsucht wurde in Nordrhein-Westfalen, wie hier in Wuppertal, sowie in Berlin und den Niederlanden. - Bild: Blaulicht-Solingen/dpa
    Durchsucht wurde in Nordrhein-Westfalen, wie hier in Wuppertal, sowie in Berlin und den Niederlanden. - Bild: Blaulicht-Solingen/dpa
Mit Durchsuchungen ist die Polizei gegen mutmaßliche Goldschmuggler vorgegangen. - Bild: Blaulicht-Solingen/dpa Durchsucht wurde in Nordrhein-Westfalen, wie hier in Wuppertal, sowie in Berlin und den Niederlanden. - Bild: Blaulicht-Solingen/dpa

Bei einem länderübergreifenden Schlag gegen eine mutmaßliche Goldschmuggler-Bande haben Ermittler in Deutschland und den Niederlanden rund 40 Wohn- und Geschäftsräume durchsucht und drei Hauptverdächtige festgenommen.

Durchsuchungen bei Juwelieren

Die Maßnahmen richteten sich vor allem gegen Juweliere. Durchsucht wurde in mehreren nordrhein-westfälischen Städten, darunter Köln, Düsseldorf, Wuppertal und Gelsenkirchen, außerdem in Berlin und den Niederlanden. Die federführende Polizei und die Staatsanwaltschaft Köln ermitteln wegen des Verdachts der Geldwäsche.

Bei den Einsätzen stellten die Beamten unter anderem 800 Gramm Schmelzgold, mehrere zehntausend Euro Bargeld und zwölf Fahrzeuge sicher. In einigen Fahrzeugen fanden sich professionell eingebaute Schmuggelverstecke. Insgesamt waren 450 Kräfte von Polizei und Zoll beteiligt.

Gold im Wert von bis zu 210 Millionen Euro

Nach den bisherigen Ermittlungen soll die Bande vor allem aus Drogengeschäften stammendes Geld bei beteiligten Juwelieren in Altgold umgewandelt haben. Das Gold sei eingeschmolzen und zu Schmelzgoldbarren verarbeitet worden, die per Flugzeug oder in präparierten Fahrzeugen in die Türkei gelangt sein sollen.

In einem Zeitraum von sechs Jahren sollen so bis zu vier Tonnen Gold mit einem Wert von bis zu 210 Millionen Euro in die Türkei geschmuggelt worden sein. Dort sollen die Barren weiterverarbeitet oder zum Ankauf hochwertigen Goldschmucks genutzt worden sein.

Geldwäsche als Dienstleistung

Anschließend soll die Auszahlung der Vermögenswerte an die Auftraggeber veranlasst worden sein. Ein Teil des aufbereiteten Goldes sei auch nach Deutschland zurückgebracht und an beteiligte Juweliere übergeben worden. Die Ermittler gehen demnach von einem sogenannten Crime-as-a-Service-Modell aus, bei dem die mutmaßliche Geldwäsche als Dienstleistung für Dritte angeboten worden sei.

Ermittlungen nach Goldfund 2023

Ausgangspunkt des Verfahrens war ein Goldfund im Jahr 2023 in Niederbayern. Bei einer Kontrolle auf der Autobahn 3 entdeckten Polizisten in einem Fahrzeug mehr als 55 Kilogramm Gold und knapp eine halbe Million Euro Bargeld.

Im Zuge der weiteren Ermittlungen geriet eine Gruppe überwiegend türkischstämmiger Männer im Alter zwischen 43 und 59 Jahren in den Fokus. Insgesamt wird in dem Verfahrenskomplex gegen 24 Beschuldigte ermittelt.

Drei Haftbefehle vollstreckt

Bei den aktuellen Durchsuchungen vollstreckten die Behörden Haftbefehle gegen drei Hauptverdächtige. Es handelt sich um einen 45-Jährigen aus dem Kreis Heinsberg, einen 46-Jährigen aus dem Raum Wuppertal und einen 43-Jährigen aus dem Raum Remscheid.

Bereits im Februar hatte das Zollfahndungsamt Essen bei mutmaßlichen Mitgliedern der Gruppe rund fünf Kilogramm Goldschmuck beschlagnahmt. Im September wurde zudem ein Verdächtiger in Hamm festgenommen.

Gold als bewegliches Vermögen

Der Fall zeigt, warum Edelmetalle für organisierte Kriminalität attraktiv sein können: Gold lässt sich in vergleichsweise konzentrierter Form transportieren, einschmelzen und in neue Waren oder Barren überführen. Anders als bei einer klassischen Überweisung bleibt nach der Verarbeitung zudem weniger unmittelbar erkennbare Verbindung zur ursprünglichen Geldquelle.

Die Ermittlungen reichen nach den Angaben der Behörden über mehrere Jahre und verbinden mutmaßliche Drogenerlöse mit einem internationalen Handelsweg. Das beschriebene Vorgehen wäre damit kein isolierter Schmuggelvorgang, sondern eine arbeitsteilige Dienstleistung: Juweliere sollen Altgold angekauft haben, weitere Beteiligte hätten es verarbeitet, transportiert und den Wert anschließend für Auftraggeber verfügbar gemacht.

Bedeutung für Ermittler und Branche

Die Dimension von bis zu vier Tonnen Gold und 210 Millionen Euro macht den Komplex auch wirtschaftlich bedeutsam. Für die Ermittler dürfte es nun darauf ankommen, Geldflüsse, Lieferketten, Eigentumsverhältnisse und mögliche weitere Abnehmer zusammenzuführen. Die Sicherstellung von Fahrzeugen mit Schmuggelverstecken kann dabei Hinweise auf wiederkehrende Transportwege liefern.

Für Juweliere und Edelmetallhändler steht zugleich die Dokumentation von Herkunft, Ankauf und Weiterverkauf im Mittelpunkt. Der Verdacht gegen einzelne Beschuldigte sagt nichts über die Branche insgesamt aus, verdeutlicht aber, dass internationaler Goldhandel eine enge Zusammenarbeit von Polizei, Zoll und Finanzermittlern erfordert.

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