Welthungerhilfe, Myanmar

Welthungerhilfe zu Myanmar: «Sandalenretter machen Arbeit»

01.04.2025 - 04:00:49 | dpa.de

Hilfsorganisationen erreichen die vom Erdbeben betroffenen Gebiete in Myanmar nur schwer. Deshalb machten die Menschen vor Ort die meiste Arbeit, berichtet der Landesdirektor der Welthungerhilfe.

  • Ein buddhistischer Mönch geht in der NĂ€he einer eingestĂŒrzten Pagode nach einem Erdbeben in Mandalay.  - Foto: Thein Zaw/AP/dpa
    Ein buddhistischer Mönch geht in der NĂ€he einer eingestĂŒrzten Pagode nach einem Erdbeben in Mandalay. - Foto: Thein Zaw/AP/dpa
  • Menschen, die bei dem Erdbeben verletzt wurden, werden in einem Zelt in einem Krankenhaus medizinisch behandelt. - Foto: Wang Shen/XinHua/dpa
    Menschen, die bei dem Erdbeben verletzt wurden, werden in einem Zelt in einem Krankenhaus medizinisch behandelt. - Foto: Wang Shen/XinHua/dpa
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Familien graben in TrĂŒmmern nach ihren Angehörigen, Menschen schlafen teils ohne Überdachung auf Matten, Behörden arbeiten von ParkplĂ€tzen aus - der Landesdirektor der Welthungerhilfe in Myanmar berichtet von katastrophalen ZustĂ€nden in dem Land. «Wir haben keine genauen Zahlen, aber wir gehen davon aus, dass neun Millionen Menschen stark betroffen sind», sagte Henry Braun der Deutschen Presse-Agentur. 

Drei Tage nach dem verheerenden Erdbeben der StĂ€rke 7,7 mit Epizentrum in Myanmar lĂ€gen noch viele Leichen unter den TrĂŒmmern. «Es ist Sommer bei uns, die Temperaturen liegen bei knapp 42 Grad. Krankheiten und Seuchen werden sich langsam ausbreiten, das ist ein großes Sicherheitsrisiko fĂŒr die Menschen und Helfer.» Weil die professionellen Rettungstrupps zum Teil bisher nicht angekommen seien oder keinen Zugang hĂ€tten, machten vor allem «Sandalenretter die Arbeit». «In Myanmar tragen die Menschen normalerweise Flipflops. Es sind die einfachen Menschen, die mit Schaufeln graben und am meisten tun.»

Zuflucht auf Fußballfeldern

Die Menschen hĂ€tten etwa in Klöstern Zuflucht gesucht. «Das hat Tradition in Myanmar: Im Kloster werden Menschen und Tiere in Not grundsĂ€tzlich aufgenommen. Deshalb sind Klöster fĂŒr viele die erste Anlaufstelle.» Zum Teil wĂŒrden sich Menschen auch auf Fußball- und andere Felder begeben: «Sie wollen weg von GebĂ€uden sein, die einstĂŒrzen könnten.» Dort gebe es zwar schon einige ZeltstĂ€dte, etwa vom Roten Kreuz. «Aber viele Menschen legen sich schlicht ohne ein Dach ĂŒber dem Kopf auf Matten, um sich herum die GegenstĂ€nde, die sie retten konnten», sagte Braun. 

So lebt die 16 Jahre alte SchĂŒlerin Yoon May, deren Name zum Schutz geĂ€ndert wurde, nun in Mandalay mit ihrer Familie auf einem Feld, wie die Hilfsorganisation Save the Children mitteilte. Es gebe weder Wasser noch Strom, der einzige Schutz sei ein Moskitonetz. Sie habe gerade ihre PrĂŒfungen beendet und sich darauf gefreut, mit Freunden das Neujahrsfest «Thingyan» Mitte April zu feiern, sagte Yoon May demnach. «Aber jetzt möchte ich nur noch weinen.»

Hunderte Millionen von Euro nötig

Braun von der Welthungerhilfe berichtete zudem von Regierungsbehörden in der Hauptstadt Naypyitaw, deren GebĂ€ude zerstört seien: «Die Mitarbeiter arbeiten teils auf ParkplĂ€tzen weiter - und schlafen dort auch.» Hilfsorganisationen hĂ€tten es unter anderem wegen zerstörter Straßen und BrĂŒcken schwer, in die betroffenen Regionen zu gelangen. «Von uns in Yangon braucht man nach Mandalay normalerweise acht, neun Stunden. Jetzt sind es bis zu 27 Stunden. Es gibt viel Verkehr, viel Stau, dazu kommen MilitĂ€rkontrollen. Und es gibt Gebiete, in denen gekĂ€mpft wird, wo wir gar nicht hinkönnen oder dĂŒrfen.»

Myanmar ist BĂŒrgerkriegsland. Die GenerĂ€le regieren das frĂŒhere Birma mit brutaler HĂ€rte. Seine Hoffnung sei, dass die MilitĂ€rregierung nun Einsatzgruppen und HilfskrĂ€fte, die in Bangkok in Thailand warteten, auch in das Land einreisen ließen. Zudem sei finanzielle UnterstĂŒtzung der internationalen Gemeinschaft und aus dem Globalen Norden wie etwa Deutschland nötig. «In den kommenden Monaten werden Hunderte von Millionen Euro gebraucht», schĂ€tzte Braun.

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