Kinder betÀubt und erstickt? Mutter schweigt vor Gericht
06.12.2023 - 17:20:55Nach dem mutmaĂlichen Mord an ihren beiden Kindern steht eine 44-JĂ€hrige seit heute vor dem Mannheimer Landgericht. Die Mutter soll ihre sieben und neun Jahre alten Söhne am Karsamstag in Hockenheim bei Heidelberg zunĂ€chst mit Medikamenten betĂ€ubt und anschlieĂend erstickt haben.
Zum Prozessauftakt machte die Angeklagte keinerlei Angaben. Die zentrale Frage, ob sie zum Zeitpunkt der Tat vermindert schuldfÀhig war, steht weiterhin im Raum. Der Vater der gemeinsamen Kinder gab Einblicke in das Leben der Familie.
Staatsanwaltschaft: heimtĂŒckischer Mord
Die Staatsanwaltschaft wirft der Frau heimtĂŒckischen Mord in beiden FĂ€llen vor. Den Angaben zufolge hat die Deutsche eine Persönlichkeitsstörung in Folge einer HirnschĂ€digung entwickelt. Sie sei der Ăberzeugung gewesen, dass der Vater die beiden Kinder misshandele, und habe sie durch ihren Ex-Mann massiv gefĂ€hrdet gesehen. Als Ausweg habe sie die Tötung der beiden angesehen.
Die Kinder wohnten seit 2020 meist beim Vater, von dem die Mutter getrennt lebte. Sie sollten die Osterferien bei der Frau verbringen.
Diese soll die Jungen am Karsamstag mit diversen Medikamenten ruhiggestellt haben. Dann erstickte sie laut Staatsanwaltschaft ihre Kinder und fĂŒgte ihnen Wunden am Kopf zu. Der Anklage zufolge habe sie eine E-Mail an die Polizei verfasst, in der sie eine «schlimme» Tat gestand. Danach habe sie versucht, sich umzubringen.
Der Ex-Mann berichtete detailliert von der Ehe und der turbulenten Zeit danach. WĂ€hrend der Beziehung habe es hĂ€ufig Streitigkeiten gegeben und mehrfach sei die Frau ihm gegenĂŒber handgreiflich geworden. FĂŒr den mittlerweile 56-JĂ€hrigen, der als NebenklĂ€ger an dem Prozess beteiligt ist, habe sich die Situation zunehmend verschlimmert und sei zum Ende hin kaum mehr ertragbar gewesen.
Familiengericht eingeschaltet
2018 habe sich das Paar getrennt und die Scheidung eingereicht. Die Kinder hÀtten die Wochenenden bei ihrer Mutter verbracht, was diese nicht akzeptiert habe. Nach einem Besuch habe sie die Kinder nicht mehr herausgegeben. Acht Monate lang hatte der Mann nach eigenen Angaben keinen Kontakt zu seinen Söhnen. Er habe das Familiengericht eingeschaltet und letztlich das Aufenthaltsbestimmungsrecht bekommen.
Die VorwĂŒrfe seiner Ex-Frau, dass er eine Gefahr fĂŒr die Söhne darstelle, seien ihm bekannt gewesen. Entschieden wies der Vater sie zurĂŒck. Er sei den Kindern gegenĂŒber nie handgreiflich geworden.
Im Zeugenstand schilderten darĂŒber hinaus eine Kriminaltechnikerin und drei Polizeibeamte, die am Ostersonntag nach Eingang der E-Mail im Polizeirevier zur Adresse der Angeklagten geeilt waren, den Vorfall. Sie beschrieben, wie sie die Frau in der Wohnung mit einer Waffe antrafen, die sich spĂ€ter als Schreckschusspistole herausstellte. Die Angeklagte habe die Polizisten mehrfach bedroht und die Pistole auch gegen sich selbst gerichtet. Mehrere Polizisten hĂ€tten die Frau festgenommen. Notarzt und Polizei hĂ€tten die beiden Jungen anschlieĂend tot in ihren Kinderbetten gefunden.
Das Gericht plant fĂŒnf weitere Verhandlungstermine bis 8. Januar.


