Tödlicher Angriff im Kurpark - Hinweise auf EinzeltÀter
28.06.2024 - 14:05:55Im Fall des tödlichen Angriffs auf einen 20-JĂ€hrigen im Kurpark von Bad Oeynhausen wird zu TĂ€terschaft, Motiv und Tathintergrund weiter intensiv ermittelt. Der 18 Jahre alte Beschuldigte, der wegen Totschlags und gefĂ€hrlicher Körperverletzung in Untersuchungshaft sitzt, habe sein mutmaĂliches Opfer nach bisherigen Erkenntnissen vorher nicht gekannt, sagte der Bielefelder Staatsanwalt Christoph Mackel der Deutschen Presse-Agentur.Â
Der Fall hatte fĂŒr bundesweite BestĂŒrzung und Trauer gesorgt. Auch Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) zeigte sich erschĂŒttert. «Das ist wirklich sehr, sehr schrecklich», sagte sie am Freitag in Berlin. Ihr Beileid gelte den Eltern des Getöteten. Der junge Mann war wenige Tage nach dem Angriff im Krankenhaus gestorben.
Bisherige Erkenntnisse zu Tathergang
Nach bisherigen Erkenntnissen saà der 20-JÀhrige in der Nacht zum vergangenen Sonntag mit Begleitern zusammen auf einer Bank im Park, der beschuldigte Syrer habe in der NÀhe mit mindestens zwei Begleitern gesessen. Er sei unvermittelt aufgestanden und habe sein Opfer attackiert. Der 20-JÀhrige habe fliehen wollen, sei zu Boden gegangen, der beschuldigte 18-JÀhrige habe auf dessen Kopf eingeschlagen und eingetreten. Das Motiv sei unklar. Mehrere Augenzeugen, die sich in TatortnÀhe befanden, hatten sich bei den Ermittlern gemeldet, wie Mackel am Freitag berichtete.
Es sei noch offen, ob man von weiteren TatverdĂ€chtige auszugehen habe - und um viele Personen es dann gehen könne. ZunĂ€chst war seitens Polizei und Staatsanwaltschaft von einer Gruppe von etwa zehn Leuten die Rede gewesen, die man als VerdĂ€chtige suche. Mehrere Begleiter des 18-jĂ€hrigen Syrers - junge Deutsche - seien inzwischen befragt worden, sie wĂŒrden nicht als Beschuldigte gefĂŒhrt, sondern als Zeugen, sagte der Staatsanwalt. Sie gaben an, dass der 18-JĂ€hrige den Angriff alleine begangen habe.Â
Insgesamt sehen die Ermittler in dem Fall auch angesichts widersprĂŒchlichen Angaben noch viele Fragen offen. Eine Mordkommission wertet derzeit weitere Zeugenaussagen aus und bittet um Hinweise aus der Bevölkerung.Â
Politische Reaktionen auf die GewalttatÂ
Der grausame Angriff sei «ein tragisches Beispiel fĂŒr das Versagen unseres Rechtsstaats im Umgang mit bekannten migrantischen StraftĂ€tern», kritisierte der innenpolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion Marc LĂŒrbke. «Es ist absolut inakzeptabel, dass ein mehrfach auffĂ€lliger StraftĂ€ter weiterhin frei herumlaufen und solch eine Tat begehen konnte.» Der Beschuldigte sei in der Vergangenheit bereits durch Gewalt-, Eigentums- und BetĂ€ubungsmitteldelikte aufgefallen, hatten die Ermittler am Donnerstag mitgeteilt. Der 18-JĂ€hrige sei aber nicht vorbestraft.
Nordrhein-Westfalens MinisterprĂ€sident Hendrik WĂŒst (CDU) hatte am Donnerstag gesagt: «Dieser TĂ€ter muss einer gerechten Strafe zugefĂŒhrt werden.» Deutschland mĂŒsse «besser werden darin, solche IntensivstraftĂ€ter, GewaltstraftĂ€ter, die keine deutschen StaatsbĂŒrger sind, auch abzuschieben».
Innenminister Herbert Reul (CDU) wies am Freitag in Neuss darauf hin, dass der Fall auch grundsĂ€tzlich einige «dicke Fragen» aufwerfe. Etwa, warum GewalttĂ€tigkeit «so arg auf dem Vormarsch» sei und wie man das bremsen könne. Und: «Was kann man tun, damit junge Leute gar nicht mehr so aufwachsen, dass sie glauben, Konflikte lösen zu können mit der Faust oder mit dem Messer», sagte Reul beim Besuch eines mit internationaler Polizei besetzten Sicherheitszentrums zur FuĂball-EM.Â
Angaben zum Beschuldigten noch unter Vorbehalt
FĂŒr die Ermittlungen und die strafrechtliche Aufarbeitung des Falles sei die Herkunft des Beschuldigten ohne Belang, betonte Christoph Mackel. Der Staatsanwaltschaft liege die AuslĂ€nderakte zu dem Beschuldigten nicht vor, daher könne er Angaben zur Person nur unter Vorbehalt machen. Der 18-JĂ€hrige schweige weiter zu den VorwĂŒrfen.Â
Der Syrer soll den Ermittlern zufolge im Oktober 2023 nach Bad Oeynhausen gekommen sein. Er sei 2016 im Rahmen einer FamilienzusammenfĂŒhrung mit Eltern und Geschwistern nach Deutschland gelangt und habe zunĂ€chst in Pforzheim gelebt, bevor er dann nach Bad Oeynhausen zog. Laut «Westfalen-Blatt» (WB) lebten der 18-JĂ€hrige und seine Familie dort als geduldete FlĂŒchtlinge in einer Wohnung - ohne staatliche Leistungen, wie das Blatt unter Berufung auf die Stadt berichtete. Ein Strafrechtler, der die Verteidigung des 18-JĂ€hrigen ĂŒbernommen habe, sagte dem WB, er halte es keineswegs fĂŒr bewiesen, dass sein Mandant der HaupttĂ€ter gewesen sein soll.Â


