Anschlag auf japanisches Filmstudio: Mann zum Tod verurteilt
25.01.2024 - 09:55:25 | dpa.deViereinhalb Jahre nach einem Brandanschlag auf ein Animationsstudio in Japan mit 36 Toten hat ein Gericht den TĂ€ter zum Tod verurteilt. Das Bezirksgericht Kyoto habe den 45-jĂ€hrigen Angeklagten am Donnerstag wegen Mordes und anderer Verbrechen fĂŒr schuldig befunden, berichteten der Sender NHK und japanische Zeitungen. Er sei zum Zeitpunkt der Tat im Juli 2019 weder geisteskrank noch vermindert zurechnungsfĂ€hig gewesen, wurde der Vorsitzende Richter zitiert. Der Brandanschlag hatte vor allem unter Anime-Fans in Japan und in der ganzen Welt fĂŒr Entsetzen gesorgt.
Das Gericht habe eine angemessene Entscheidung im Einklang mit dem Gesetz getroffen, erklÀrte laut der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo der Chef des betroffenen Filmstudios, Hideaki Hatta. «Doch selbst nach dem Urteil ist unsere Trauer nicht im Geringsten gewichen.» Bei dem Brand wurden zudem 32 BeschÀftigte des Studios verletzt.
Der Angeklagte hatte gestanden, das Zeichentrickstudio in der alten Kaiserstadt Kyoto in Brand gesetzt zu haben. Er hatte damals das StudiogebĂ€ude betreten und eine brennbare FlĂŒssigkeit vergossen. Dann zĂŒndete er das GebĂ€ude an und rief dabei: «Sterbt!». Den Ermittlern hatte er gesagt, das Studio habe seine Idee fĂŒr ein Werk gestohlen. Die Firma Kyoto Animation produzierte vor allem in den 2000er Jahren einige beliebte Fernseh-Zeichentrickserien wie «K-On!», «Free!» und «Suzumiya Haruhi no Yuutsu», die sich insbesondere an die jĂŒngere Generation richten.
Frage der SchuldfÀhigkeit
Weil der Angeklagte gestÀndig war, ging es den Berichten zufolge in dem Verfahren vor allem um die Frage, ob er schuldfÀhig ist. Seine AnwÀlte hatten argumentiert, dass er unter Wahnvorstellungen gelitten habe. Der Richter folgte jetzt der Staatsanwaltschaft, wonach der TÀter strafrechtlich verantwortlich sei. Sie hatte die Todesstrafe wegen Mordes, Brandstiftung und anderer Anklagepunkte gefordert.
Das Verfahren hatte erst im vergangenen September begonnen. Der TÀter hatte bei dem Brand lebensgefÀhrliche Verbrennungen erlitten und musste entsprechend lange behandelt werden.
Die drittgröĂte Wirtschaftsnation der Welt gehört zu den wenigen IndustrielĂ€ndern, die an der Todesstrafe festhalten. Es kann in dem Land Jahre oder sogar Jahrzehnte dauern, bis ein Todesurteil vollstreckt wird. Die meisten zum Tode Verurteilten sitzen in Einzelhaft. Gefangenen in den Todeszellen wird erst wenige Minuten vor der Hinrichtung am Galgen mitgeteilt, dass sie sterben werden.
Einem Bericht von Amnesty International zufolge ĂŒber Todesurteile und Hinrichtungen im Jahr 2022 wurde damals die Hinrichtung eines Verurteilten in Japan bekannt. Bis Ende desselben Jahres gab es demnach noch 116 Menschen in dem Land, die zum Tod verurteilt wurden.
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