Kriegsfolgen, Berlin

Zwei BombenentschÀrfungen in Berlin geplant - Evakuierungen

19.09.2025 - 05:15:45

Immer wieder findet sich in der Hauptstadt noch Munition aus dem Zweiten Weltkrieg. Nun sind Menschen in zwei Gebieten von Evakuierungen betroffen - auch in dem bei Touristen beliebten Bezirk Mitte.

In Berlin sollen heute gleich zwei Weltkriegsbomben entschĂ€rft werden. Am Morgen wollen Spezialisten zunĂ€chst einen BlindgĂ€nger im Bezirk Mitte unschĂ€dlich machen. Er war in der Spree nahe der auch bei Touristen beliebten Fischerinsel entdeckt worden. Rund 10.000 Menschen mussten nach Angaben der Polizei ihre Wohnungen verlassen. Wegen einer zweiten anstehenden BombenentschĂ€rfung mĂŒssen zudem rund 12.400 Menschen in Spandau raus aus den HĂ€usern. 

In Mitte richtete die Polizei am spĂ€ten Donnerstagabend einen Sperrkreis von rund 500 Metern rund um den Fundort ein, weil der BildgĂ€nger vor Ort entschĂ€rft werden soll. «Die Evakuierung ist seit 5.00 Uhr abgeschlossen», sagte ein Polizeisprecher am Morgen. Es wĂŒrden noch letzte Lautsprecher-Durchsagen gemacht, dann wĂŒrden die Taucher ins Wasser gehen. Die Experten, die die Bombe unter Wasser begutachten, entscheiden, ob der BlindgĂ€nger zunĂ€chst hochgeholt und dann entschĂ€rft wird.

Gegen Mitternacht hatte das Bundesamt fĂŒr Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe eine öffentliche Warnmeldung herausgegeben und alle Menschen aufgefordert, den Sperrbereich zu verlassen. 

U-Bahnlinie durch die Innenstadt unterbrochen

FĂŒr Menschen, die nicht bei Angehörigen oder Freunden unterkommen können, sollte eine Notunterkunft eingerichtet werden. Medizinische Einrichtungen sind nach Angaben der Polizei nicht von der Evakuierung betroffen. DafĂŒr liegen Botschaften sowie GebĂ€ude der Senatsverwaltung im Sperrkreis. Wegen des Einsatzes wurden auch Straßen gesperrt, die U-Bahnlinie 2 (Pankow-Ruhleben) ist ebenfalls unterbrochen.

Der BlindgĂ€nger war bei Bauarbeiten an der MĂŒhlendammschleuse an der Fischerinsel entdeckt worden. Der Schiffsverkehr auf der Spree wurde daraufhin unterbrochen. Schlick im Wasser dĂŒrfte die Bergungsarbeiten erschweren. Die Fischerinsel gehörte einst zum Ă€ltesten Teil der mittelalterlichen Stadt Cölln. Obwohl von den damaligen GebĂ€uden nur noch wenig zu sehen ist, wird das Stadtviertel im sĂŒdlichen Teil der Spreeinsel in Mitte von vielen Touristen aufgesucht.

Weitere EntschÀrfung in Spandau geplant

In Spandau soll um 8.00 Uhr rund um den Fundort einer 100-Kilo-Weltkriegsbombe ein Sperrbereich eingerichtet werden. Auch ein Teil der Havel wird gesperrt. In einer Turnhalle wurde eine Notunterkunft fĂŒr Menschen eingerichtet, die nicht bei Verwandten oder Bekannten unterkommt. 

Im Sperrkreis befinden sich unter anderem ein Krankenhaus, eine Pflegeeinrichtung, eine Grundschule und zwei Kitas, wie die Polizei mitteilte. Nach Angaben des Krankenhauskonzerns Vivantes wird das Klinikum aber nicht evakuiert. Die Patientenversorgung gehe uneingeschrÀnkt weiter, sagte ein Sprecher auf Anfrage. Allerdings könne die Rettungsstelle in der Zeit nicht angefahren werden, und Patienten könnten keine Besucher empfangen.

In der betroffenen Pflegeeinrichtung ist laut Polizei der Betrieb ebenfalls nicht eingeschrĂ€nkt, allerdings kann man dort – wie in der Klinik – nicht mehr hinein oder hinaus.

BlindgÀnger wurde bereits am Mittwoch gefunden

Der russische BlindgĂ€nger in Spandau war bei Bauarbeiten am Mittwochmorgen gefunden worden. Da von der Bombe keine unmittelbare Gefahr ausging, entschied die Polizei, die EntschĂ€rfung erst jetzt durchzufĂŒhren. Der Fundort wurde abgesperrt und laut Polizei von EinsatzkrĂ€ften rund um die Uhr bewacht.

Die Evakuierung in Spandau gehört zu den grĂ¶ĂŸten in der Hauptstadt wegen einer BombenentschĂ€rfung. Zuletzt mussten im Juli 2023 in Marzahn etwa 15.000 Menschen wegen der EntschĂ€rfung einer 500 Kilogramm schweren Weltkriegsbombe ihre Wohnungen verlassen. Im Dezember 2021 waren wegen einer 250 Kilogramm schweren Fliegerbombe ebenso viele Menschen in Gesundbrunnen von solchen Sicherheitsmaßnahmen betroffen.

@ dpa.de