DĂ€nemark, Norwegen

Drohnenalarm legt skandinavische FlughÀfen lahm

23.09.2025 - 14:30:51

In DĂ€nemark ist von «Angriff» und «Anschlag» die Rede, in Norwegen hĂ€lt man sich mit Bewertungen noch zurĂŒck: Drohnensichtungen sorgen in Kopenhagen und Oslo fĂŒr Flugchaos. Wer steckt dahinter?

  • Der Flughafen in Kopenhagen war ĂŒber Stunden lahmgelegt.  - Foto: Steven Knap/Ritzau Scanpix Foto/AP/dpa

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  • An einem Serviceschalter am Flughafen bildete sich eine lange Warteschlange. - Foto: Steffen Trumpf/dpa

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  • Spricht von einem Anschlag: DĂ€nemarks Regierungschefin Mette Frederiksen.  - Foto: Emil Nicolai Helms/Ritzau Scanpix Foto/dpa

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Der Flughafen in Kopenhagen war ĂŒber Stunden lahmgelegt.  - Foto: Steven Knap/Ritzau Scanpix Foto/AP/dpaAn einem Serviceschalter am Flughafen bildete sich eine lange Warteschlange. - Foto: Steffen Trumpf/dpaSpricht von einem Anschlag: DĂ€nemarks Regierungschefin Mette Frederiksen.  - Foto: Emil Nicolai Helms/Ritzau Scanpix Foto/dpa

Mit mehreren grĂ¶ĂŸeren Drohnen haben Unbekannte den Flugverkehr an einem der wichtigsten FlughĂ€fen Nordeuropas stundenlang lahmgelegt. Die Sichtung der Drohnen sorgte am Flughafen von Kopenhagen dafĂŒr, dass am spĂ€ten Montagabend gut vier Stunden lang keine FlĂŒge starten und landen durften. Die dĂ€nische Regierung wertet den Vorfall als Angriff. Es handle sich um den «bislang schwersten Anschlag auf dĂ€nische kritische Infrastruktur», erklĂ€rte MinisterprĂ€sidentin Mette Frederiksen. 

Ein Ă€hnlicher Vorfall wurde aus der norwegischen Hauptstadt Oslo gemeldet, wo der Flughafen in der Nacht ebenfalls aus SicherheitsgrĂŒnden gesperrt wurde. Mehrere FlĂŒge wurden umgeleitet, nachdem dort ebenfalls Drohnen beobachtet worden sein sollen - verifiziert wurden die Sichtungen nach Polizeiangaben aber bislang nicht. Man nehme die Informationen ĂŒber mögliche DrohnenaktivitĂ€ten sehr ernst, sagte Justizministerin Astri Aas-Hansen. 

MinisterprÀsident Jonas Gahr StÞre sagte dem norwegischen Sender TV 2, dass man derzeit keinen Zusammenhang zwischen den VorfÀllen in Kopenhagen und Oslo sehe. «Aber es ist auffÀllig, dass dies gleichzeitig an FlugplÀtzen in mehreren europÀischen LÀndern geschieht», wurde er von dem Sender zitiert. 

DĂ€nemark und Norwegen sind Nato-GrĂŒndungsmitglieder. Die beiden LĂ€nder gelten als wichtige UnterstĂŒtzer der Ukraine, die sich seit mehr als dreieinhalb Jahren gegen den russischen Angriffskrieg zur Wehr setzt. Vor diesem Hintergrund deutete der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj an, dass Russland bei dem Drohnenvorfall in Kopenhagen seine HĂ€nde im Spiel haben könnte - was der Kreml umgehend zurĂŒckwies.

MinisterprÀsidentin: «Anschlag auf kritische Infrastruktur»

In Kopenhagen fielen rund 100 FlĂŒge aus, darunter auch mehrere von und nach Deutschland. MinisterprĂ€sidentin Frederiksen wollte keinen konkreten Verdacht gegen Russland aussprechen, eine russische Verantwortung vor dem Hintergrund jĂŒngster Vorkommnisse in anderen Nato-LĂ€ndern aber auch nicht ausschließen. 

«Wir haben Drohnen ĂŒber Polen gesehen, die dort nicht hĂ€tten sein sollen. Wir haben AktivitĂ€ten in RumĂ€nien gesehen. Wir haben Verletzungen des estnischen Luftraums gesehen. Wir haben am Wochenende einen Hackerangriff auf europĂ€ische FlughĂ€fen gesehen und nun Drohnen in DĂ€nemark und auch in Oslo», listete Frederiksen auf. 

Auch EU-KommissionsprÀsidentin Ursula von der Leyen sieht den Drohnenalarm in Kopenhagen im Kontext mit anderen Provokationen. Auch wenn die Sachlage noch untersucht werde, sei klar, dass man es mit einem Muster hartnÀckiger Anfechtungen zu tun habe, schrieb sie nach einem Telefonat mit Frederiksen auf der Plattform X. Sie warnte: «Unsere kritische Infrastruktur ist in Gefahr.» Europa werde darauf reagieren.

Der leitende Ermittler der Kopenhagener Polizei, Jens Jespersen, sagte, dass man unter anderem mit Blick auf Anzahl und GrĂ¶ĂŸe der Drohnen sowie den Zeitpunkt des Vorfalls am spĂ€ten Montagabend davon ausgehe, dass vermutlich ein «fĂ€higer Akteur» hinter dem Vorfall stecken mĂŒsse. Das bedeute, dass es sich um einen Akteur handeln mĂŒsse, der ĂŒber die nötigen FĂ€higkeiten und Werkzeuge verfĂŒge, um so etwas zu bewerkstelligen - vielleicht auch bloß zu Übungszwecken. Experten vermuteten, dass die Drohnen möglicherweise von einem Schiff im Öresund aus gesteuert worden sein könnten.

Dementi aus Moskau

Russland wies eine Verwicklung zurĂŒck. «Wenn man jedes Mal grundlose Anschuldigungen vorbringt, fĂŒhrt dies, ehrlich gesagt, dazu, dass solche Aussagen nicht mehr beachtet werden», sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow in Moskau. Wer ernsthaft und verantwortungsvoll sein wolle, dĂŒrfe nicht immer mit solchen VorwĂŒrfen um sich werfen, sagte er der staatlichen Nachrichtenagentur Tass zufolge.

Mitte September waren Drohnen im polnischen Flugraum aufgetaucht, wenige Tage spĂ€ter drangen Kampfflugzeuge in den estnischen Luftraum ein. Die Nato macht fĂŒr die Luftraumverletzungen Russland verantwortlich. Sollte sich der Verdachtsfall in Kopenhagen bestĂ€tigen, dĂŒrfte dies die Spannungen zwischen dem westlichen VerteidigungsbĂŒndnis und dem Kreml abermals verschĂ€rfen.

Nato warnt Russland

Bereits jetzt ist die Lage höchst angespannt. Die Nato warnte Russland am Dienstag unter Androhung von Gewalt vor weiteren Luftraumverletzungen. Die Nato und die Alliierten wĂŒrden im Einklang mit dem Völkerrecht alle notwendigen militĂ€rischen und nicht-militĂ€rischen Mittel einsetzen, um sich zu verteidigen und Bedrohungen aus allen Richtungen abzuschrecken, hieß es in einer ErklĂ€rung aller 32 BĂŒndnisstaaten, die nach Beratungen in BrĂŒssel veröffentlicht wurde. 

Die Stellungnahme machte noch einmal deutlich, dass kĂŒnftig nicht nur Drohnen, sondern auch russische Flugzeuge abgeschossen werden könnten, um eine Bedrohung des BĂŒndnisgebiets auszuschließen. In Folge könnte es zu einer direkten militĂ€rischen Konfrontation zwischen der Nato und Russland kommen.

Beratungen nach Artikel 4 des BĂŒndnisvertrags

Die Sitzung im Nato-Hauptquartier war auf Wunsch Estlands einberufen worden. Das baltische Land hatte am Freitag unter Berufung auf Artikel 4 des BĂŒndnisvertrags Beratungen beantragt, nachdem drei russische Maschinen vom Typ MiG-31 rund zwölf Minuten ĂŒber der Ostsee durch estnischen Luftraum geflogen waren. Artikel 4 des Nato-Vertrags sieht Konsultationen vor, wenn ein Alliierter die Unversehrtheit des BĂŒndnisgebiets, die politische UnabhĂ€ngigkeit oder die Sicherheit einer Partei bedroht sieht.

Die Sonderberatungen nach Artikel 4 waren bereits die zweiten seit Anfang des Monats. Am 10. September hatte Polen GesprÀche beantragt, nachdem eine zweistellige Zahl an russischen Drohnen im Luftraum Polens aufgetaucht war. DÀnemark hat solche Beratungen nach dem Drohnenvorfall zunÀchst nicht beantragt. 

Turbulente Tage fĂŒr europĂ€ischen Luftverkehr

Am Flughafen Kopenhagen waren rund 20.000 Passagiere von den BeeintrĂ€chtigungen im Flugverkehr betroffen, darunter auch zahlreiche Deutsche. Noch am Dienstagnachmittag waren vereinzelte FlĂŒge verspĂ€tet.

Damit kommt der europĂ€ische Flugverkehr weiter nicht zur Ruhe: Erst am Wochenende hatte ein Cyberangriff auf einen IT-Dienstleister zu BeeintrĂ€chtigungen an mehreren FlughĂ€fen gefĂŒhrt. Darunter waren die FlughĂ€fen Berlin, BrĂŒssel, London Heathrow und Dublin.

@ dpa.de