Abgemagertes MĂ€dchen stirbt - Eltern Ă€uĂern SchuldgefĂŒhle
21.11.2024 - 11:09:35Vor etwa zwei Jahren stirbt eine essgestörte 16-JĂ€hrige in Unterfranken stark abgemagert vermutlich an den Folgen der UnterernĂ€hrung. Vor dem Landgericht Schweinfurt stehen nun die Eltern. Zum Prozessauftakt ĂŒbernimmt das Paar die Verantwortung fĂŒr das Geschehen. Die Staatsanwaltschaft wirft Mutter und Vater vor, keine Ă€rztliche Hilfe geholt haben, obwohl beide annehmen konnten, dass ihre Tochter in Lebensgefahr war.
«Wir haben uns bis zuletzt nicht vorstellen können, dass Pauline stirbt», sagte der Anwalt des Vaters im Auftrag seines Mandanten. «Ich hatte bis zuletzt gedacht, dass alles wieder gut wird. (...) Ich hĂ€tte dafĂŒr sorgen mĂŒssen, dass Pauline auch gegen ihren Willen in einem Krankenhaus behandelt wird.» Auch die Mutter der 16-JĂ€hrigen lieĂ von ihrem Verteidiger zu Prozessauftakt vor dem Landgericht Schweinfurt eine ErklĂ€rung verlesen. Sie habe die GefĂ€hrlichkeit der Situation nicht wahrgenommen. «NatĂŒrlich bewerte ich mein Verhalten im Nachhinein völlig anders. Ich bin sehr traurig und fĂŒhle mich Pauline gegenĂŒber sehr schuldig.»Â
Teenager abgemagert
Nach Worten von Oberstaatsanwalt Markus KĂŒstner war die Jugendliche essgestört und mangelernĂ€hrt, hatte sich kurz vor ihrem Tod im Dezember 2022 mit dem Coronavirus infiziert und litt an einer Magen-Darm-Infektion. Der 51 Jahre alte Vater und seine 48 Jahre alte Frau aus Unterfranken sollen trotzdem keinen Arzt verstĂ€ndigt haben. Das psychisch labile MĂ€dchen starb im elterlichen Bett vermutlich an den Folgen der UnterernĂ€hrung.
Salzstangen zum EssenÂ
Die Mutter wies am ersten Verhandlungstag allerdings zurĂŒck, den Tod ihrer Tochter billigend in Kauf genommen zu haben. «Sie hat selbststĂ€ndig getrunken und auch immer wieder SalzstĂ€ngchen gegessen», sagte der Verteidiger der Frau.Â
Die Familie, zu der noch zwei Kinder gehören, habe in der Corona-Pandemie sehr zurĂŒckgezogen gelebt. Die modebewusste 16-JĂ€hrige sei damals viel in sozialen Netzwerken unterwegs gewesen und habe ihre HĂ€kelarbeiten prĂ€sentiert. Ansonsten habe das MĂ€dchen eine Angststörung gehabt und sich deswegen gegen einen Krankenhausaufenthalt gewehrt, sagte der Anwalt der Mutter.Â
Psychische Erkrankungen in Pandemie vor allem bei MĂ€dchen gestiegen
Wissenschaftlern zufolge ist die Zahl der Jugendlichen mit Essstörungen wie Magersucht oder Bulimie bundesweit gestiegen - besonders in der Corona-Pandemie. Vor allem bei 12- bis 17-jĂ€hrigen MĂ€dchen und Frauen gab es einer Studie der KKH KaufmĂ€nnische Krankenkasse zufolge zwischen 2020 und 2021 einen massiven Anstieg um mehr als 30 Prozent. Einer der GrĂŒnde - neben der Pandemie: Sogenannte Fake-Ideale und die Flut von Bildern vermeintlich makelloser Menschen auf Social-Media-Plattformen.





