Der oder die Hebamme? FĂŒr Gabriel Backer ist das egal
02.03.2024 - 11:44:34Ob er der oder die Hebamme genannt wird, ist Gabriel Backer eigentlich gleich. FĂŒr ihn steht fest: «Ich bin Hebamme.» Der 22-JĂ€hrige studiert Hebammenwissenschaft an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) - unter den 90 eingeschriebenen Studierenden ist er der einzige Mann.Â
Auch bundesweit ist er eine absolute Ausnahme. In Deutschland werden «aktuell lediglich 23 in Kliniken tĂ€tige mĂ€nnliche Hebammen gezĂ€hlt» - bei insgesamt rund 25.000 Hebammen, sagt Michaela Peeters vom Deutschen Hebammenverband.Â
Aufgewachsen ist Gabriel Backer in einer groĂen Familie in Nordrhein-Westfalen. Er hat zwei Ă€ltere Geschwister und ein jĂŒngeres Geschwisterkind sowie viele Cousins und Cousinen. «Das heiĂt, es gab immer irgendwo Kinder», erzĂ€hlt er.Â
Konkret wurde die Idee des Hebammenstudiums vor einem Jahr, als Backer merkte, dass er sein Lehramtsstudium an der UniversitĂ€t Bonn nicht fortfĂŒhren wollte. «Viel zu trocken fĂŒr mich», sagt er. FĂŒr ihn sei immer klar gewesen, dass er mit Menschen arbeiten möchte, entweder im sozialen oder medizinischen Bereich. Einen BerĂŒhrungspunkt zum Beruf hatte Backer mit der Mutter einer Freundin, die als Hebamme arbeitet. Mit ihr hat er sich ausgetauscht und durch sie auch einen Praktikumsplatz gefunden.
Erste Geburt: «Auf jeden Fall sehr eindrĂŒcklich»
Bei drei Praktika hat Backer die Arbeit zunĂ€chst kennengelernt. «Die allererste Geburt, die ich ĂŒberhaupt gesehen hatte, war ein Kaiserschnitt», erzĂ€hlt der 22-JĂ€hrige. «Das war auf jeden Fall sehr eindrĂŒcklich zu sehen.»Â
Nach den Praktika bewarb sich Backer fĂŒr ein Studium der Hebammenwissenschaft, im Oktober 2023 begann sein erstes Semester in Hannover. Im Wechsel zwischen Theorie im Hörsaal und Praxis im Klinikalltag lernt er seitdem alles rund um die Geburt. An dem Beruf begeistert ihn vor allem die Faszination der Geburt, wie er sagt. «Das klingt jetzt ein bisschen romantisiert, aber einfach diese Ehre, Menschen in dieser wichtigen Phase begleiten zu dĂŒrfen und sie dabei zu unterstĂŒtzen.»
Spielt es im Berufsalltag eine Rolle, dass er ein Mann ist?
Laut der Vorsitzenden des Hebammenverbands Niedersachsen, Hilke Schauland, muss eine Hebamme vor allem empathisch und gut im Kommunizieren mit den GebĂ€renden sein. «Die Kunst im Hebammenwesen ist es, alles theoretisch zu wissen», erklĂ€rt sie. Eine Hebamme mĂŒsse auf alles gefasst sein, um bei der Geburt in jeder Situation angemessen reagieren zu können.Â
Dass mĂ€nnliche Hebammen selbst keine Kinder bekommen können, spielt Schauland zufolge keine Rolle. SchlieĂlich gebe «es ja auch weibliche Hebammen, die haben keine Kinder», sagt sie. Trotzdem «ist es ein Frauenberuf, immer noch». So gebe es im niedersĂ€chsischen Hebammenverband unter den gut 2350 Mitgliedern zurzeit keine mĂ€nnliche Hebamme.Â
Die Berufsbezeichnung ist auf jeden Fall fĂŒr alle Geschlechter gleich
Bislang habe sein Geschlecht im KreiĂsaal keine groĂe Rolle gespielt, sagt Backer. Die wenigsten Frauen hĂ€tten ein Problem damit gehabt, dass er als mĂ€nnlicher Student mit dabei war. Der 22-JĂ€hrige erzĂ€hlt, dass viele werdende MĂŒtter sagen: «Ich habe doch auch einen GynĂ€kologen.»Â
2020 war das Hebammengesetz des Bundes in Kraft getreten, die Hebammenausbildung wurde in ein akademisches Studium ĂŒberfĂŒhrt.  An der Hochschule sei es inzwischen normal geworden, dass er als Mann Hebammenwissenschaft studiert, sagt Backer. Viele Kommilitoninnen freuten sich, «dass es jetzt auch MĂ€nner gibt, die das machen».Â
Dass in Zukunft mehr MĂ€nner als Hebamme arbeiten, sei gut möglich - allein schon wegen der Akademisierung, glaubt Backer. So war es demnach auch bei ihm. WĂ€re es «noch ein Ausbildungsberuf, wĂ€re ich, glaube ich, gar nicht so wirklich darauf gekommen».Â
Gute Chancen fĂŒr die Zukunft gibt es jedenfalls: Auch im Hebammenwesen ist der Bedarf an FachkrĂ€ften groĂ.


