Ministertreffen zu organisierter DrogenkriminalitÀt
07.05.2024 - 07:25:31Nach einem intensiven Konferenztag vor maritimer Kulisse steht eine lange Arbeitskiste, aber auch ein klarer Wille: «Wir wollen gemeinsam fĂŒr einen maximalen Ermittlungsdruck auf die Drogenkartelle sorgen», sagte Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) in Hamburg zum Abschluss des Treffens der Koalition europĂ€ischer Staaten gegen schwere und organisierte KriminalitĂ€t und den Drogenhandel. Das brutale MilliardengeschĂ€ft mĂŒsse eingedĂ€mmt und den TĂ€tern das Handwerk gelegt werden. «Eine massive Gewaltspirale, wie wir sie in anderen europĂ€ischen LĂ€ndern schon erleben, mĂŒssen wir fĂŒr Deutschland zwingend verhindern.»
Schweden als neues Mitglied in die Koalition aufgenommen
Die Konferenz im Maritimen Museum der Hansestadt war das dritte Treffen der Koalition europĂ€ischer Staaten gegen schwere und organisierte KriminalitĂ€t. Als Mitglieder des BĂŒndnisses waren Vertreterinnen und Vertreter aus den Niederlanden, Belgien, Spanien, Italien und Frankreich angereist. Auch der schwedische Innen- und Justizminister Gunnar Strömmer nahm an dem Treffen teil. Das skandinavische Land sei nun als siebtes Mitglied in die Koalition aufgenommen worden, erklĂ€rte Faeser. Teilgenommen hatten auch Vertreter der EuropĂ€ischen Union und sĂŒdamerikanischer Staaten.
Das Ergebnis der Konferenz: die «Hamburger ErklĂ€rung». Darin machen Faeser und ihre Kolleginnen und Kollegen das Unterbinden des Drogenhandels in den sĂŒdamerikanischen LĂ€ndern durch Zusammenarbeit mit den dortigen Partnern, eine verbesserte Sicherheit der europĂ€ischen See- und FlughĂ€fen sowie die Zerschlagung internationaler krimineller Netze als Hauptziele aus. Letzteres solle insbesondere durch Unterbrechung der kriminellen Geldströme erreicht werden. «Wir mĂŒssen auch ĂŒber notwendige Investitionen in den HĂ€fen reden.» Allerdings gehe es nicht nur darum, dass der Bund mehr Geld gebe, sondern alle Beteiligten, auch die Wirtschaft, mĂŒssten mehr in die Sicherheit investieren.
Faeser: HochseehĂ€fen mĂŒssen sicherer werden
«Wir mĂŒssen unsere HochseehĂ€fen so sicher machen, dass sie keine Einfallstore fĂŒr tonnenweise Kokain mehr sein können», sagte Faeser. «Dazu gehören: engmaschige Kontrollen, hohe Wachsamkeit und effektive KorruptionsprĂ€vention bei Unternehmen in den HĂ€fen â und eine enge Zusammenarbeit aller Akteure von Zoll und Polizei bis zu Reedereien und Terminalbetreibern.» Die Staaten riefen die EuropĂ€ische Union dazu auf, die MaĂnahmen in der nĂ€chsten Legislaturperiode vorrangig umzusetzen. Insgesamt sind in der ErklĂ€rung 21 Einzelpunkte aufgelistet.Â
Nach Angaben des Bundesinnenministeriums wurden 2023 allein in Deutschland mindestens 43 Tonnen Kokain sichergestellt, davon rund 34 Tonnen in Hamburg. In Belgien seien 116 Tonnen gefunden worden, in den Niederlanden rund 59 Tonnen. Der Hamburger Hafen ist der drittgröĂte Seehafen Europas nach Rotterdam (Niederlande) und Antwerpen (Belgien). «Wie stark wir handeln, zeigen auch ĂŒber 1700 vollstreckte Haftbefehle, die in den EncroChat-Verfahren gegen die organisierte KriminalitĂ€t ausgesprochen wurden», sagte Faeser. Es sei aber klar, dass der Drogenhandel schon viel frĂŒher gestoppt werden mĂŒsse, nĂ€mlich bevor die groĂen Mengen an Kokain die HĂ€fen ĂŒberhaupt erreichten.
«Wir wissen, dass 70 Prozent des Kokains, das nach Europa gelangt, ĂŒber unsere HĂ€fen kommt», erklĂ€rte EU-Innenkommissarin Ylva Johansson. Der internationale Drogenhandel sei nicht nur eine Bedrohung fĂŒr die europĂ€ische Sicherheit, sondern auch fĂŒr die Demokratie, betonte sie. Die organisierten kriminellen Gruppen seien stark, professionell und Ă€uĂerst gewalttĂ€tig, aber auch sehr international.Â
EuropÀische Strategie gegen global vernetzte TÀter
Hamburgs BĂŒrgermeister Peter Tschentscher (SPD) sagte zum Auftakt des Treffens, es komme den Drogenkartellen darauf an, den europĂ€ischen Markt, auf dem höchste Preise gezahlt wĂŒrden, möglichst sicher etwa mit Kokain zu beliefern. Dazu wĂ€hlten sie die aus ihrer Sicht jeweils einfachsten Wege. «Deswegen sollten wir eine europĂ€ische Strategie haben, mit der alle europĂ€ischen HĂ€fen erfasst sind.» Es dĂŒrfe nicht passieren, dass die KriminalitĂ€t etwa in Rotterdam und Antwerpen zurĂŒckgedrĂ€ngt werde und sich dafĂŒr in Hamburg aufbaue.Â
«Wir wissen, dass wir es mit einer hochprofessionellen, international global vernetzten, sehr gefĂ€hrlichen Struktur der organisierten KriminalitĂ€t zu tun haben», sagte Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD). Deshalb sei eine noch schlagkrĂ€ftigere internationaleÂ
Sicherheitsallianz nötig. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) begrĂŒĂte das Treffen der internationalen Politiker. Es sei wichtig, dass die EU-LĂ€nder mit den gröĂten SeehĂ€fen in Europa ihre Einfuhrkontrollen ausbauen und eng miteinander abstimmen wollten, sagte GdP-Bundesvize Alexander Poit.Â
Um die Einfuhr von Drogen nach Europa zu verhindern, ist es nach EinschĂ€tzung der GdP auch notwendig, mehr Aufmerksamkeit auf die Hafenmitarbeiter zu richten. «Den Drogenkartellen gelingt es immer wieder, einzelne HafenbeschĂ€ftigte zu erpressen und zu bedrohen, damit die mit Drogen beladenen Container unkontrolliert aus den HĂ€fen herausgebracht werden können», sagte Poit.Â





