Fund, Alpen

Ältester christlicher Fund nördlich der Alpen

11.12.2024 - 15:42:56 | dpa.de

In einem Grab finden ArchÀologen ein Skelett mit einem Amulett um den Hals. Die darin enthaltene Schriftrolle werten sie als Sensationsfund. Die Botschaft wurde entziffert, ohne sie zu entrollen.

Die Rolle war zu brĂŒchig, um sie zu entrollen. Sie wurde digital entschlĂŒsselt. - Foto: Boris Roessler/dpa
Die Rolle war zu brĂŒchig, um sie zu entrollen. Sie wurde digital entschlĂŒsselt. - Foto: Boris Roessler/dpa

Der Gegenstand ist klein, seine Bedeutung umso grĂ¶ĂŸer: ArchĂ€ologen haben in Frankfurt ein Amulett gefunden, das nach EinschĂ€tzung von Wissenschaftlern Einfluss hat auf die Geschichte des Christentums in Nordeuropa. 

Nach Angaben der beteiligten Wissenschaftler handelt es sich bei dem Amulett um den frĂŒhesten christlichen Fund nördlich der Alpen. Gefunden wurde das Silberamulett bereits 2018 bei Ausgrabungen im Frankfurter Stadtteil Praunheim. Dort lag einst die römische Stadt Nida. In einem Grab fand man ein Skelett, das ein 3,5 Zentimeter großes Silberamulett um den Hals trug. Der Mann wurde zwischen 230 und 270 nach Christus dort bestattet.

Mit modernster Technik digital entrollt

In der Rolle befand sich eine hauchdĂŒnne Silberfolie mit einer Inschrift, die erst 2024 entschlĂŒsselt wurde. Weil sie so brĂŒchig war, dass sie beim Aufrollen zerfallen wĂ€re, baten die Frankfurter das Leibniz-Zentrum fĂŒr ArchĂ€ologie in Mainz um Hilfe. Dort wurde das Papier mit Hilfe eines Computertomografen «digital entrollt», wie Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) sagte. Danach musste der nahezu unleserliche Text «wie ein Puzzle» entschlĂŒsselt werden.

Die Inschrift umfasst 18 Zeilen in lateinischer Schrift, die Jesus Christus preisen: «Heilig! Heilig! Heilig!» Laut Markus Scholz, Professor fĂŒr ArchĂ€ologie und Geschichte der römischen Provinzen an der Frankfurter Goethe-UniversitĂ€t, handelt es sich um das Ă€lteste christliche Zeugnis nördlich der Alpen. 

Erster Christ nördlich der Alpen?

Solche Amulette - sogenannte Phylakterien - sollten den TrĂ€ger beschĂŒtzen, wie ArchĂ€ologe Scholz erlĂ€uterte. In vergleichbaren Funden werden meist verschiedene Götter angerufen und verschiedene Schriften verwendet. Die Frankfurter Silberinschrift ist allein in Latein verfasst und bezieht sich nur auf Christus. Im 3. Jahrhundert, als Christen noch verfolgt wurden, sei es ein Risiko gewesen, sich zu dieser Religion zu bekennen. «Einem Mann aus Frankfurt war sein Glaube jedoch offenbar so wichtig, dass er ihn mit ins Grab nahm.»

«Der erste Christ nördlich der Alpen war ein Frankfurter», sagte Planungsdezernent Marcus Gwechenberger. OberbĂŒrgermeister Mike Josef (SPD) sprach von einem «Sensationsfund».

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