Lavamassen, Fischerort

Lavamassen nahe Fischerort - Neuer Vulkanausbruch auf Island

01.04.2025 - 13:11:10

In einem Vulkangebiet sĂŒdwestlich von Reykjavik öffnet sich einmal mehr die Erde. Aus einem langen Erdriss sprudelt seitdem glutrote Lava. Mit Sorge wird auf den nahegelegenen Ort GrindavĂ­k geblickt.

  • Wieder hat sich auf Island ein Vulkanausbruch ereignet. (Archivbild) - Foto: Marco Di Marco/AP

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  • Unklar ist, wie lange der Ausbruch diesmal dauern wird.  - Foto: Marco di Marco/AP/dpa

    Marco di Marco/AP/dpa

Wieder hat sich auf Island ein Vulkanausbruch ereignet. (Archivbild) - Foto: Marco Di Marco/APUnklar ist, wie lange der Ausbruch diesmal dauern wird.  - Foto: Marco di Marco/AP/dpa

Dramatisches Naturschauspiel im Nordatlantik: Auf Island sprudelt wieder glutrote Lava aus der Erde. Der seit Wochen erwartete Vulkanausbruch auf der Reykjanes-Halbinsel sĂŒdwestlich der Hauptstadt Reykjavik begann nach Angaben der islĂ€ndischen Wetterbehörde am Vormittag unmittelbar nördlich des Fischerortes GrindavĂ­k. In Live-Aufnahmen des Rundfunksenders RÚV war zu sehen, wie sich die Lava ihren Weg aus einem riesigen Riss an die ErdoberflĂ€che bahnte.

Die Eruptionsspalte erreichte in den frĂŒhen Nachmittagsstunden eine GesamtlĂ€nge von rund 1.200 Metern. Sie dehne sich aber weiter Richtung SĂŒden aus, teilte die Wetterbehörde mit. Der islĂ€ndische Zivilschutz rief die Notfallstufe aus. 

Der bevorstehende Ausbruch hatte sich am Morgen mit einem immer stĂ€rker werdenden Erdbebenschwarm in der Region angekĂŒndigt. Das bei Touristen beliebte Geothermalbad Blaue Lagune wurde in der Zwischenzeit ebenso schnell evakuiert wie GrindavĂ­k, wo RettungskrĂ€fte davon berichteten, die Beben vor Ort zu spĂŒren. Es wurde befĂŒrchtet, dass sich innerhalb des Ortes Risse im Erdboden auftun könnten. 

Dennoch hĂ€tten sich acht Menschen entschlossen, in GrindavĂ­k zu bleiben, berichtete RÚV unter Berufung auf die Polizei. Die Behörden riefen ausdrĂŒcklich dazu auf, den Ort zu verlassen. Nach Angaben der Wetterbehörde brach spĂ€ter eine Warmwasserleitung im Norden des Ortes. Vor den vulkanischen AktivitĂ€ten der vergangenen Jahre hatte GrindavĂ­k knapp 4.000 Einwohner, von denen der Großteil aber mittlerweile weggezogen ist.

Sorgen um Fischerort GrindavĂ­k

Auf der Reykjanes-Halbinsel sind Spalteneruptionen dieser Art lÀngst keine Seltenheit mehr: Der aktuelle Ausbruch ist der elfte seit 2021 und der achte allein seit Dezember 2023. Die zuvor letzte Eruption hatte im vergangenen November begonnen, ehe sie nach 18 Tagen ihr Ende fand. Wie lange die Eruption diesmal anhÀlt, lÀsst sich bisher nicht abschÀtzen.

Erste Anzeichen deuteten nun jedoch auf einen noch grĂ¶ĂŸeren Ausbruch als bei den vorherigen Naturspektakeln hin: Nach Angaben der Wetterbehörde ist der unterirdische Magmatunnel schĂ€tzungsweise satte elf Kilometer lang. Mit Sorge wurde vor allem darauf geblickt, dass die Lavamassen auch einen Schutzwall nördlich von GrindavĂ­k durchbrachen. Welche Auswirkungen das auf den Lavafluss haben wird, blieb zunĂ€chst unklar. Angesichts der aktuellen Windrichtung warnten die Behörden zugleich davor, dass die von der Lava ausgehenden Gase in Richtung Hauptstadtregion getragen werden. 

Infrastrukturminister EyjĂłlfur Ármannsson sagte nach RÚV-Angaben, man könne nur abwarten und schauen, wie sich die Eruption entwickle. Man mĂŒsse darauf hoffen, dass die Eruptionsspalte nicht bis nach GrindavĂ­k reiche.

LĂ€ngliche Erdspalte statt klassischer Vulkanberg

Der erneute Ausbruch war bereits seit Wochen erwartet worden, wĂ€hrend sich große Magmamassen in einer unterirdischen Kammer angesammelt hatten. Das Magmavolumen unterhalb des SundhnĂșkur-Kraters ist nach Angaben der Wetterbehörde nie grĂ¶ĂŸer gewesen. 

Die AusbrĂŒche muss man sich dabei nicht wie solche aus einem klassischen Vulkanberg vorstellen: Stattdessen tut sich ein lĂ€nglicher Erdspalt auf, aus dem in der Folge tagelang glutrote Lava sprudelt - daher auch der Name Spalteneruption. 

Eine Gefahr fĂŒr Menschen stellen die Lavamassen in der dĂŒnn besiedelten Region im Regelfall nicht dar. Allerdings wurden bei einem der vorherigen AusbrĂŒche auch drei HĂ€user am Rande von GrindavĂ­k von der Lava erfasst, bei der Eruption im November auch der Parkplatz der Blauen Lagune. Große und zuletzt noch einmal verstĂ€rkte SchutzwĂ€lle aus Erde sollen die Infrastruktur in dem Gebiet bestmöglich schĂŒtzen.

Die Eruptionen auf der Reykjanes-Halbinsel lassen sich auf mehrere Vulkansysteme mit unterirdischen Magmakammern zurĂŒckfĂŒhren. Fast 800 Jahre lang hatte die Erde unter dem Gebiet im SĂŒdwesten von Island Ruhe gegeben, dann war es im MĂ€rz 2021 zu einem ersten Ausbruch gekommen. Nach drei ersten Eruptionen am Bergmassiv Fagradalsfjall verlagerte sich die Ausbruchsserie vor knapp anderthalb Jahren an die nahegelegene Kraterkette SundhnĂșkur. Forscher gehen davon aus, dass sie noch Jahrzehnte andauern könnte.

@ dpa.de