Deutschland, Gesellschaft

Sexy TikTok-Clips: Was hinter «Thirst Traps» steckt

18.03.2026 - 07:00:08 | dpa.de

In ihren Videos machen sie etwas ganz Alltägliches. Doch das Ziel mancher Influencer ist ein anderes: den Zuschauer mit heißen Clips zum Interagieren zu bringen. Wie funktionieren die «Thirst Traps»?

  • Sich selbstbewusst und sexy zu fĂĽhlen ist wohl der Grund fĂĽr viele, «Thirst Traps» zu posten. (Symbolbild) - Foto: Elisa Schu/dpa
    Sich selbstbewusst und sexy zu fühlen ist wohl der Grund für viele, «Thirst Traps» zu posten. (Symbolbild) - Foto: Elisa Schu/dpa
  • Bei «Thirst Traps» zeigen sich Influencer auf anzĂĽgliche Art in Alltagssituationen – wie etwa beim Kochen. (Symbolbild) - Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
    Bei «Thirst Traps» zeigen sich Influencer auf anzügliche Art in Alltagssituationen – wie etwa beim Kochen. (Symbolbild) - Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
  • Sexy Posen können das eigene Ego stärken, erklärt eine Sozialpädagogin. (Symbolbild) - Foto: Elisa Schu/dpa
    Sexy Posen können das eigene Ego stärken, erklärt eine Sozialpädagogin. (Symbolbild) - Foto: Elisa Schu/dpa
  • Was auf Tiktok als sexy gilt, ist ganz unterschiedlich: So können auch normale Aufgaben wie Kochen oder Holz hacken sexualisiert werden. (Symbolbild) - Foto: Elisa Schu/dpa
    Was auf Tiktok als sexy gilt, ist ganz unterschiedlich: So können auch normale Aufgaben wie Kochen oder Holz hacken sexualisiert werden. (Symbolbild) - Foto: Elisa Schu/dpa
  • Die Ersteller von Thirst Traps sehnen sich teils nach Aufmerksamkeit. (Symbolbild) - Foto: Elisa Schu/dpa
    Die Ersteller von Thirst Traps sehnen sich teils nach Aufmerksamkeit. (Symbolbild) - Foto: Elisa Schu/dpa
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Ein TikTok-Video zeigt zunächst eine Person beim Abwasch – eine alltägliche Szene. Doch für einen Wimpernschlag verändert sich die Stimmung: Plötzlich ist sie nur noch in knappen Dessous zu sehen. Solche Beiträge nennen sich «Thirst Traps» (zusammengesetzt aus den englischen Wörtern für «Durst» und «Falle»). Als Beschreibung eines Social-Media-Phänomens kursiert der Begriff seit Jahren. Dahinter stecken sexualisierte Kurzvideos und Fotos, die gezielt Aufmerksamkeit erzeugen sollen, wie die Sozialpädagogin Tessa-Marie Menzel erklärt. 

Ein Beispiel, in dem aus einem vordergründig harmlosen Kochvideo ein etwas schlüpfriger Inhalt wird: Ein Mann in der Küche inszeniert sich und die Zubereitung eines Reisgerichts, als spiele er die Hauptrolle in «Fifty Shades of Grey». Der Internetstar Cedrik Lorenzen kocht hier für seine Follower – und behandelt Lebensmittel wie andere ihre Partnerinnen. 7,5 Millionen Follower hat Lorenzen inzwischen auf Tiktok. «Thirst Traps» kommen richtig gut an. 

Ganz so klar scheint jedoch nicht zu sein, wo die Falle bei «Thirst Traps» liegt. Sozialpädagogin Menzel von der Technischen Universität Dortmund sagt, Nutzer würden schon damit in die Falle tappen, dem Ersteller eines Beitrages Aufmerksamkeit zu schenken – etwa durch Likes oder Kommentare.

Der Medienpädagoge Rudolf Kammerl von der Friedrich-Alexander-Universität
Erlangen-Nürnberg meint, dass der Trick dann funktioniere, wenn «Versprechen für einen sexuellen Kontakt angedeutet, aber nicht eingehalten werden».

Durch FreizĂĽgigkeit mehr Follower

Im deutschsprachigen Raum bauten sich etwa die Elevator Boys durch ihre «Thirst Traps» in Fahrstühlen eine internationale Reichweite auf. Den fünf jungen, zwischen 1999 und 2001 geborenen Männern folgen auf TikTok mittlerweile 2,7 Millionen Menschen, ihr Erfolg bescherte ihnen Verträge als Models, Boyband und Filmdarsteller.

Das aus der Werbeindustrie bekannte Sprichwort «Sex sells» (auf Deutsch: «Sex verkauft sich gut») erreicht im Social-Media-Zeitalter und auch durch «Thirst Traps» eine neue Bedeutung. «Sexy» Beiträge bekämen «übermäßig viele Likes und Kommentare», sagt Menzel. Das habe für Influencer den Vorteil, dass die eigene Marke und Sichtbarkeit gestärkt werde. «Man kann solche Bilder und Videos als Marketingstrategie verstehen.»

Für Influencer bedeutet das oft auch einen finanziellen Gewinn. Social-Media-Stars «leben ja oft davon, dass sie ganz viele Likes bekommen und damit entweder direkt Geld generieren oder durch Werbetreibende, deren Produkte sie einbauen», erklärt Medienpädagogik-Professor Kammerl.

In einem Selbstexperiment der deutschen YouTuberin Annikazion aus dem Jahr 2023 zeigt sich, wie «Thirst Traps» Aufmerksamkeit erheischen: Eine Woche lang postete die Influencerin täglich ein solches Video auf TikTok – und gewann in diesem Zeitraum nach eigenen Angaben rund 30.000 Follower dazu.

Zwischen Selbstermächtigung und Schönheitsidealen

Aber nicht nur bekannte Influencer zeigen sich freizügig. Selbstbewusst und erotisch wollen auch Privatpersonen in sozialen Medien auftreten. Manche Experten gehen davon aus, dass «Thirst Traps» auch geteilt werden, um das eigene Ego zu stärken oder um gegen zunehmende Einsamkeit anzukommen.

Die Gründe können Kammerl zufolge ganz unterschiedlich sein. Neben dem Wunsch nach Aufmerksamkeit, wolle man vielleicht das sexuelle Interesse der Zuschauer wecken, so der Wissenschaftler. Es könne sich also um einen Flirtversuch handeln oder aber darum gehen, etwa dem Ex-Partner zu zeigen, was dieser nach einer Trennung verpasst.

Sexy Clips könnten auch eine Möglichkeit der Selbstermächtigung sein – gerade für Menschen, die nicht dem gängigen Schönheitsidealen entsprechen, sagt Menzel. «Empowerment und Normdruck existieren einfach gleichzeitig.»

Der Druck, einem bestimmten Ideal zu entsprechen, werde durch «Thirst Traps» verstärkt, sagt Menzel. Bei Frauen gehe es dabei häufig um Schlankheit, bei Männern um Fitness. Gerade dieses Gefühl, sich ständig mit anderen vergleichen zu müssen, hält die Soziologin für problematisch. «Gleichzeitig findet auch eine Objektifizierung und Sexualisierung von Körpern statt, die natürlich auch noch mal gerade bei Frauen sehr kritisch zu sehen ist.»

«Thirst Traps» geraten auch an die Falschen

Das Problem: Auch Kinder und Jugendliche können auf TikTok, Instagram und Co. auf «Thirst Traps» stoßen – und so mit Inhalten konfrontiert werden, die nicht für sie geeignet sind. Social-Media-Anbieter sollten daher sicherstellen, dass die Altersbeschränkungen ihrer Plattformen auch eingehalten werden, findet Medienpädagoge Kammerl. Er sieht Eltern in der Pflicht, darauf zu schauen, welche Inhalte ihre Kinder konsumieren. «Thirst Traps» seien in der Regel jedoch nicht so gravierend, dass diese aufgrund von Jugendgefährdung von den Plattformen geblockt werden müssten, so Kammerl.

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