Rennen, Zeit

Rennen gegen die Zeit: Tunnel-Drama hÀlt Indien in Atem

21.11.2023 - 05:33:55 | dpa.de

In Indien sind seit mehr als einer Woche Dutzende Arbeiter in einem Tunnel eingeschlossen. Die Sorge wÀchst, weil die KrÀfte der MÀnner schwinden. Jetzt gibt es ein Video aus ihrem GefÀngnis.

  • Die Rettungsaktion der eingeschlossenen Arbeiter dauert bereits lĂ€nger als eine Woche. - Foto: Uncredited/AP/dpa
    Die Rettungsaktion der eingeschlossenen Arbeiter dauert bereits lÀnger als eine Woche. - Foto: Uncredited/AP/dpa
  • Ein Bagger arbeitet am Eingang des eingestĂŒrzten Straßentunnels. - Foto: ---/AP/dpa
    Ein Bagger arbeitet am Eingang des eingestĂŒrzten Straßentunnels. - Foto: ---/AP/dpa
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Es sind verschwommene, wackelige Aufnahmen, die aber fĂŒr die verzweifelten Familien ein Hoffnungsschimmer sind: Eine Kamera filmt erstmals die 41 Arbeiter, die seit zehn langen Tagen in einem teilweise eingestĂŒrzten Autobahntunnel in Indien festsitzen. Man sieht darauf Eingeschlossene mit Schutzhelmen, die in einem hohen Tunnelteil stehen und mit den Helfern draußen via Walkie-Talkie kommunizieren.

«Wenn es euch gut geht, kommt vor die Kamera», bittet ein Retter aus dem Off. «Ihr alle, kommt vor die Kamera.» FĂŒr die verzweifelten Familien der MĂ€nner, die sich beim UnglĂŒcksort aufhalten, sei es eine Erleichterung, die Videos zu sehen, schrieb der «Indian Express». «Nehmt falls nötig unser Haus und Land, aber bitte bringt uns unseren Sohn sicher zurĂŒck», sagte die Familie des 22 Jahre alten Arbeiters Pushkar Singh Airi der Mediengruppe «India Today» schon zuvor.

Eine erste warme Mahlzeit

Retter versuchen nun schon seit Tagen, die 41 MÀnner aus ihrem GefÀngnis unter dem Berg zu befreien. Immerhin: Sie stehen in Kontakt mit den MÀnnern, nun sogar mit einer Kamera. Und es gibt noch eine gute Nachricht in diesem Drama: Die Retter konnten laut den Berichten eine zweite Röhre zu den MÀnnern errichten, durch die diese ihre erste warme Mahlzeit in zehn Tagen erhalten haben. Ein Reis-Linsen-Gericht wurde in Flaschen durch zu den MÀnnern geschickt.

Bislang verband die eingeschlossenen MĂ€nner nur eine sehr enge Röhre mit der Außenwelt, durch die sie Sauerstoff, TrockenfrĂŒchte, Popcorn und Wasser erhalten konnten. In den kommenden Tagen sollen auch Handys und LadegerĂ€te zu ihnen gelangen können, berichtete der örtliche Fernsehsender NDTV.

Und die eingeschlossenen Arbeiter werden bereits mit Medikamenten versorgt. Unter anderem litten sie mittlerweile an Kopfschmerzen, Verstopfung und an Platzangst, heißt es.

Eingeschlossen hinter Dutzenden Metern Schutt

Die Bauarbeiten an einem 4,5 Kilometer langen Autobahntunnel waren in vollem Gange, als dieser am 12. November nach einem Erdrutsch teilweise einstĂŒrzte. Der UnglĂŒcksort befindet sich nahe der Kleinstadt Uttarkashi im Himalaya-Bundesstaat Uttarakhand - eine Region mit vielen hinduistischen Tempeln, die Pilger anzieht. Der Tunnel sollte die Verbindungen dort verbessern.

Die Arbeiter sitzen hinter Dutzenden Metern Schutt fest. ZunÀchst stellten die Behörden eine schnelle Rettung in Aussicht. Aber immer wieder scheiterten Versuche mit verschiedenen Maschinen. Das Geröll ist hart, das GelÀnde unsicher. Am Freitag wurden die Arbeiten mit einem BohrgerÀt eingestellt, nachdem deutlich zu hören war, wie sich im Innern des Bergs ein Riss auftat.

Mittlerweile versuchen die Helfer Bohrungen von drei Seiten. Premierminister Narendra Modi ließ verkĂŒnden, dass man die Moral der MĂ€nner unbedingt aufrechterhalten mĂŒsse. Aber wie lange sie noch auf engem Raum ausharren mĂŒssen, ist derzeit völlig unklar.

Am Wochenende hatten die Behörden angekĂŒndigt, sich um die Unterkunft, Verpflegung und die medizinische Betreuung der wartenden Familien zu kĂŒmmern, wie die örtliche Nachrichtenagentur ANI berichtete. Mehrere Politiker und Behördenvertreter besuchten die UnglĂŒcksstelle bereits.

Erinnerungen an Thailands Höhlen-Drama

Das indische Tunnel-Drama weckt Erinnerungen an die waghalsige Rettung eines Jugend-Fußballteams aus einer plötzlich ĂŒberfluteten Höhle in Thailand vor fĂŒnf Jahren. Medien aus aller Welt berichteten damals tagelang ĂŒber die spektakulĂ€re und hochriskante Rettungsaktion in der Tham-Luang-Höhle. Schließlich wurden die Eingeschlossenen von Spezialtauchern unter anderem aus Großbritannien und Australien ins Freie gebracht. Und auch in Thailand gab es wie in Indien erst nach Tagen Video-Aufnahmen der Jugendlichen, die die Familien ungemein erleichert haben.

Mit Experten, die an dieser geglĂŒckten Rettungsmission in Thailand beteiligt waren, nahm die indische Regierung nun Kontakt auf - in der Hoffnung, dass es auch fĂŒr die Gefangenen im Tunnel ein Happy End gibt. Zudem wurden Experten aus Norwegen kontaktiert. Die gute Nachricht ist: Noch gibt es Hoffnung. Anurag Jain vom Verkehrsministerium zeigte sich ĂŒberzeugt: «Es wird einige Zeit dauern, aber wir werden sie schließlich herausholen.»

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