Japan, Tier

Rekordzahl an TodesfÀllen: Japan blÀst zur BÀrenjagd

15.11.2025 - 06:25:37

In Japan werden immer mehr Menschen von BĂ€ren angegriffen. Auch die Zahl der TodesfĂ€lle steigt. Jetzt greift der Staat zu drastischen Maßnahmen.

Japan ruft angesichts einer Rekordzahl an tödlichen BĂ€renangriffen zu den Waffen. Aufgrund akuten Mangels an erfahrenen JĂ€gern beschloss die Zentralregierung, pensionierte Polizisten und ehemalige Soldaten zum Erwerb eines Jagdscheins zu ermutigen, wie die Zeitung «Asahi Shimbun» berichtete. Zudem wurden die strikten Waffenregeln gelockert: Polizisten dĂŒrfen nun mit Gewehren auf BĂ€ren schießen. Laut dem Umweltministerium wurden seit April landesweit 13 Menschen durch BĂ€ren getötet - ein Rekordwert. Dutzende weitere Menschen erlitten Verletzungen.

Die meisten BĂ€renangriffe werden aus den nördlichen PrĂ€fekturen Iwate und Akita gemeldet. Die Lage ist inzwischen so ernst, dass der Gouverneur von Akita, Kenta Suzuki, kĂŒrzlich das Verteidigungsministerium in Tokio aufsuchte und den Einsatz von Soldaten forderte. «Die Belastung der örtlichen EinsatzkrĂ€fte erreicht ihr Limit», sagte Suzuki.

Das MilitĂ€r hilft den Behörden vor Ort nun bei der Aufstellung von Lebendfallen sowie beim Abtransport und der Entsorgung getöteter BĂ€ren. Die Soldaten schießen selbst jedoch keine BĂ€ren.

BĂ€ren finden in WĂ€ldern nicht genug Nahrung

«Das Leben und die Existenzgrundlage der Menschen sind bedroht», sagte Verteidigungsminister Shinjiro Koizumi. Deshalb will die Regierung jetzt Geld fĂŒr JĂ€ger bereitstellen. Deren Zahl hat deutlich abgenommen - und die verbliebenen werden immer Ă€lter.

Es gibt mehrere GrĂŒnde dafĂŒr, weshalb es seit Jahren vermehrt zu gefĂ€hrlichen Begegnungen zwischen BĂ€ren und Menschen kommt - darunter die zunehmende Aufgabe von AckerflĂ€chen und die Entvölkerung lĂ€ndlicher Gebiete im Zuge der Überalterung und des allgemeinen BevölkerungsrĂŒckgangs. 

Ein weiterer Grund ist, dass die Tiere nicht genug Nahrung in den BergwĂ€ldern finden. So mangelt es an Bucheckern, was manche Experten auf den Klimawandel zurĂŒckfĂŒhren. Andere wie der JĂ€ger Kazuo Sugimoto verweisen darauf, dass in den Bergen nur noch Sugi (Japanische Zedern) und Hinoki (Japanische Scheinzypresse) stĂŒnden. «In solch einem Wald können Wildtiere nicht ĂŒberleben», sagte er der Zeitung «Kanagawa Shimbun».

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden in Japan großflĂ€chige Aufforstungsprogramme durchgefĂŒhrt. Dabei pflanzte man vielerorts schnell wachsende, wirtschaftlich nutzbare NadelbĂ€ume wie Sugi und Hinoki, um den enormen Holzbedarf zu decken. Mit dem spĂ€teren Siegeszug billiger Importhölzer – vor allem seit den 1960er und 1970er Jahren – brach die heimische Forstwirtschaft jedoch ein. Viele Plantagen wurden nicht mehr bewirtschaftet, kaum noch ausgedĂŒnnt oder abgeholzt - und verwilderten.

JĂ€ger wĂŒnscht RĂŒckkehr zu NaturwĂ€ldern 

Die Folge sind dicht stehende kĂŒnstliche NadelwĂ€lder, die kaum Licht auf den Waldboden lassen. So entsteht kaum Unterwuchs. FĂŒr Wildtiere wie BĂ€ren oder auch Hirsche und Wildschweine gibt es nur wenig Nahrung. Deswegen wĂŒrden hungrige BĂ€ren jetzt vermehrt in tiefer gelegene Gebiete bis in Dörfer und StĂ€dte wandern, erklĂ€rte Sugimoto.

Der 87-JÀhrige startete vor Jahren in Tokios NachbarprÀfektur Kanagawa eine Initiative, in Bergen Setzlinge von Buchen und WalnussgewÀchsen zu pflanzen. «Es ist besser, die WÀlder zu verbessern, als BÀren zu töten», sagt Sugimoto. Er hofft, dass andere Regionen dem Beispiel nun folgen.

BĂ€ren-Plage trifft auch Tourismusbranche

Die Berichte ĂŒber BĂ€renangriffe schrecken inzwischen laut örtlichen Medien auch manche Touristen ab – und das ausgerechnet wĂ€hrend der herbstlichen LaubfĂ€rbung, fĂŒr die Tourismusbranche eine Hauptsaison. In Iwate schlossen demnach einige Betreiber von Onsen, Japans berĂŒhmten heißen Naturquellen, aus Vorsicht vorĂŒbergehend ihre Außenbecken. Die PrĂ€fektur Gifu kĂŒndigte gar den Einsatz von Drohnen an, die ĂŒber Lautsprecher das Bellen von Hunden und FeuerwerksgerĂ€usche abspielen, um BĂ€ren aus Wohngebieten zu vertreiben. 

Auf der japanischen Hauptinsel Honshu leben in den bewaldeten Bergen viele asiatische SchwarzbÀren, die sogenannten KragenbÀren. Die Behörden gehen allein in der PrÀfektur Akita von mehreren Tausend der Raubtiere aus. Auf der nördlichsten Hauptinsel Hokkaido gibt es zudem Tausende BraunbÀren.

@ dpa.de