ProblembÀrin, Gardasee

«ProblembÀrin» am Gardasee abgeschossen

30.07.2024 - 14:43:26

In Oberitalien kommt es immer hĂ€ufiger zu Begegnungen zwischen Mensch und Tier. Ein besonders gefĂ€hrliches Exemplar wurde nun getötet. Die Lösung fĂŒr eine andere BĂ€rin: ab in den Schwarzwald.

Mitten in der Urlaubszeit ist oberhalb des Gardasees in Italien eine BĂ€rin abgeschossen worden, die zur Gefahr fĂŒr Touristen geworden war. Das Tier mit der amtlichen Bezeichnung KJ1 wurde von Förstern mithilfe eines Senders um seinen Hals lokalisiert und dann getötet, wie die Regierung der Provinz Trentino mitteilte. Die BraunbĂ€rin hatte vor drei Wochen einen 43 Jahre alten Jogger aus Frankreich angegriffen und schwer verletzt. 

Im Trentino sowie in der Nachbarregion SĂŒdtirol verbringen derzeit auch viele BundesbĂŒrger ihren Sommerurlaub. Viele sind als Wanderer oder mit dem Mountainbike im Wald unterwegs, wo alles in allem wieder mehr als hundert BraunbĂ€ren zu Hause sind. Auch in anderen europĂ€ischen Bergregionen kam es jĂŒngst zu Angriffen. In den rumĂ€nischen Karpaten endete dies fĂŒr eine Touristin sogar tödlich. Trotzdem zeigten sich Tier- und UmweltschĂŒtzer ĂŒber den Abschuss empört. Kritik kam auch von der Regierung in Rom.

BĂ€renmutter mit Jungtieren

Bei der erschossenen BÀrin handelt es sich um eine mehr als 20 Jahre alte BÀrenmutter, die mit drei oder vier Jungtieren durch die WÀlder streunte. Auf Beschluss der Provinzregierung wurde sie nun in der NÀhe der Gemeinde Tenno erschossen. Die Behörden sprachen von einem «gefÀhrlichen Exemplar», das zuvor schon in mindestens sieben FÀllen durch problematisches Verhalten aufgefallen sei - weil sich die BÀrin in der NÀhe von bewohnten Gebieten aufhielt oder auch anderswo Menschen zu nahe kam.

Die hĂ€ufigen Begegnungen hĂ€ngen wohl auch damit zusammen, dass in den vergangenen Wochen Paarungszeit war und mĂ€nnliche BĂ€ren sich auf die Suche nach Partnerinnen machten. Vor allem Muttertiere, die Angst um ihren Nachwuchs haben, reagieren dann aggressiv. Zudem trauen sich die BĂ€ren auf der Suche nach Nahrung inzwischen immer nĂ€her an Bauernhöfe und Ortschaften heran: Im Trentino wurden Tonnen mit MĂŒll und Kompost durchwĂŒhlt, KirschbĂ€ume leergefressen sowie auch KĂ€lber und Schafe gerissen.

Eigentlich durch Abkommen und EU-Richtlinie geschĂŒtzt

Trotz des Angriffs auf den Touristen hatten TierschĂŒtzer versucht, die Tötung von KJ1 auf juristischem Weg zu verhindern. Eigentlich sind BraunbĂ€ren in Europa durch verschiedene Abkommen und auch durch eine EU-Richtlinie geschĂŒtzt. Nur «ProblembĂ€ren» dĂŒrfen gefangen und umgesiedelt - und notfalls auch erschossen werden. Dies kommt jedoch nur selten vor. Im Trentino hatte das Parlament kĂŒrzlich aber die Tötung von bis zu acht Tieren pro Jahr erlaubt.

Mehrere Tierschutzorganisationen Ă€ußerten sich empört, aber auch von der Regierung in Rom kam Kritik. Italiens Umweltminister Gilberto Pichetto Fratin sagte: «Die Tötung einzelner BĂ€ren ist keine Lösung.» Mit Blick auf die Wiederansiedlung von BĂ€ren im Trentino um die Jahrtausendwende meinte er: «Wir erleben heute die Auswirkungen eines Fehlers aus der Vergangenheit, der unbedacht mit Blick auf eine touristische Nutzung des Images von BĂ€ren getroffen wurde.»

Andere «ProblembÀrin» soll aus Italien in den Schwarzwald

In der Regel gehen BĂ€ren Menschen eher aus dem Weg. Im Trentino kommt es seit einiger Zeit jedoch immer wieder zu Begegnungen. Vergangenes Jahr wurde dort sogar ein 26 Jahre alter Jogger von einer BĂ€rin getötet. Dieses Tier - auch bekannt unter dem Namen Gaia - wurde dann lebend gefangen. In den kommenden Wochen soll es nach Deutschland umgesiedelt werden. Im «Alternativen Wolf- und BĂ€renpark» bei Bad Rippoldsau-Schapbach im Schwarzwald wird fĂŒr Gaia derzeit ein Gehege gebaut. 

In dem Schwarzwald-Park lebt auch die BraunbĂ€rin Jurka, ihre Mutter. Gaias Bruder Bruno war im Sommer 2006 der erste BĂ€r, der nach 170 Jahren seine Tatzen auf bayerischen Boden setzte. Der «ProblembĂ€r» wurde im bayerischen Rotwandgebiet abgeschossen. GrundsĂ€tzlich empfehlen Experten, bei einer Begegnung mit BraunbĂ€ren ruhig zu bleiben und sich langsam zurĂŒckzuziehen. Sie raten aber auch zu BĂ€renspray und geruchssicheren BehĂ€ltern, damit die Tiere gar nicht erst angelockt werden.

@ dpa.de