Andrea, Ehrliches

«Andrea lÀsst sich scheiden»: Ehrliches ProvinzportrÀt

03.04.2024 - 15:29:50

In seinem zweiten Film skizziert Regisseur Hader das Leben in den Dörfern Österreichs - und lĂ€sst seine Zuschauer bei tragischen ErzĂ€hlungen lachen.

Eigentlich will Andrea einfach nur weg: Weg aus der langweiligen österreichischen Provinz, weg vom kranken Vater und vor allem weg von ihrem Noch-Ehemann Andi. In der Stadt will die Dorfpolizistin, gespielt von Birgit Minichmayr, als Kriminalinspektorin neu anfangen. Doch nach einem Geburtstagsfest gerÀt Andreas Leben nach und nach ins Wanken.

In «Andrea lĂ€sst sich scheiden» zeichnet der österreichische Kabarettist und Schauspieler Josef Hader ein detailgetreues und authentisches Bild der österreichischen Provinz und ihrer Figuren. Die Tragikomödie feierte bei der Panorama-Reihe der Berlinale kĂŒrzlich im Zoo Palast Weltpremiere. Haders RegiedebĂŒt «Wilde Maus», ein PortrĂ€t der österreichischen Mittelschicht, war 2017 im Wettbewerb der Filmfestspiele gelaufen.

Einöde und trockener Humor

In Haders zweitem Film passt Protagonistin Andrea nicht so richtig rein ins dörfliche Leben und stĂ¶ĂŸt sich am Alkoholismus, den immer gleichen GesprĂ€chen und der Eintönigkeit. «Es ist eine scheiß' Gegend - die Frauen ziehen weg und die MĂ€nner werden immer komischer», beschreibt ihr Kollege Georg (Thomas Schubert) das Leben auf dem niederösterreichischen Land. «Andrea lĂ€sst sich scheiden» lĂ€sst seine Zuschauer die Einöde spĂŒren - und fesselt dennoch mit trockenem Humor.

Rein österreichisch sei die Provinz, deren Geschichten Hader im Film erzĂ€hlt, jedoch nicht, sagte der 62-JĂ€hrige im Februar am Rande der Berlinale: «Diese Art von abgehĂ€ngten Gegenden, wo die Leute wegziehen, gibt es ĂŒberall in Europa und auch in Amerika, in den Staaten.» Das dörfliche Leben ist Hader nicht fremd: Er selbst wuchs auf einem Bauernhof im niederösterreichischen Nöchling auf - eine knapp 1000-Seelen Gemeinde, wie es sie zuhauf in Österreich gibt.

«Josef Hader hat, glaube ich, den Menschen und das Leben besser verstanden als seine Zeitgenossen», sagte Schauspieler Robert Stadlober der dpa. Im Film ĂŒbernimmt Stadlober die Rolle des neuen Chefs von Andrea. Es bedeute ihm viel, unter der Regie seines «absoluten LieblingskĂŒnstlers» spielen zu dĂŒrfen, sagte Stadtlober. «Wenn er ruft, kommen alle», betonte Schauspielkollegin Minichmayr.

Andrea lĂ€sst sich scheiden, Österreich 2024, 93 Min., FSK ab 6 Jahren, von Josef Hader, mit Birgit Minichmayr, Josef Hader, Thomas Schubert, Robert Stadlober

@ dpa.de