Italien, NotfÀlle

Italienische Richter stoppen erneut Tötung von BÀrin JJ4

16.07.2023 - 12:59:35

Italienische Richter haben der Klage von Tierschutzvereinen gegen die Tötung der «ProblembĂ€rin» JJ4 stattgegeben. Die Provinzregierung Trentino ist fassungslos, TierschĂŒtzer sehen sich bestĂ€rkt. Und nun?

Nach dem gestoppten Tötungsbefehl fĂŒr die norditalienische BĂ€rin JJ4 drĂ€ngen TierschĂŒtzer auf eine Umsiedlung in ein rumĂ€nisches BĂ€renreservat. In dem seit Monaten schwelenden Justizstreit um das Tier, das Anfang April einen Jogger im Wald angegriffen und getötet hatte, hatten Richter am Freitag eine Entscheidung getroffen. Sie stellten sich gegen die Provinzregierung Trentino, die ein Dekret zur Tötung erlassen hatte. Diese sei «unverhĂ€ltnismĂ€ĂŸig und nicht vereinbar» mit nationalen sowie ĂŒberstaatlichen Rechtsvorschriften, hieß es in der BegrĂŒndung des Gerichts.

Allerdings gilt das Urteil des Obersten Verwaltungsgerichts in Rom, dem Staatsrat, nur vorlĂ€ufig. Der Fall geht nun nĂ€mlich zurĂŒck an das Verwaltungsgericht in Trient. Dieses wird voraussichtlich im Dezember die endgĂŒltige Entscheidung treffen.

Ende April hatte der PrĂ€sident der Region Trentino-SĂŒdtirol, Maurizio Fugatti, eine Verordnung zur Tötung der Tiere erlassen. Den Richtern des Staatsrats zufolge darf die Tötung nur das letzte Mittel sein und nur angeordnet werden, wenn es keine andere gĂŒltige Lösung gibt.

TierschĂŒtzer sehen sich nach dem Urteil von Freitag bestĂ€rkt. Einer Umsiedlung nach RumĂ€nien stehe nun nichts mehr im Weg, hieß es in einer Mitteilung. Sie wollen JJ4 in das BĂ€renreservat «Libearty Bear Sanctuary» nahe der Kleinstadt Z?rne?ti in SiebenbĂŒrgen umsiedeln, in dem auf rund 69 Hektar mehr als 100 BĂ€ren leben. Der italienische Tierschutzverein Lav hatte immer wieder betont, sich um den Transport von JJ4 kĂŒmmern zu wollen. Dieser soll unter der Aufsicht des deutschen VeterinĂ€rs Klaus GĂŒnther Friedrich geschehen.

Die Provinzregierung Trentino zeigte sich nach dem Urteil fassungslos. «Das ist ein Beschluss, der einen ratlos macht - und man fragt sich, ob das Leben eines Tieres mehr wert ist als das eines Menschen», sagte Fugatti. Er frage sich außerdem, ob man ĂŒberhaupt noch das «menschliche Leben oder die Gemeinden in den Bergen des Trentinos respektiere». Mehr denn je wolle man daran arbeiten, der Bevölkerung der Region ein Höchstmaß an Sicherheit zu gewĂ€hrleisten.

JJ4, eine Schwester des 2006 in Bayern getöteten «ProblembĂ€ren» Bruno, hatte Anfang April einen 26 Jahre alten Jogger an einem Forstweg im Val di Sole im Trentino angegriffen und tödlich verletzt. RegionalprĂ€sident Fugatti ordnete an, die BĂ€rin zu erlegen. Gerichte stoppten das Dekret nach EilantrĂ€gen von TierschĂŒtzern. JJ4 wurde gefangen und vorlĂ€ufig in ein Gehege nahe Trient gebracht.

@ dpa.de