Frida Kahlos 70. Todestag: Verwundete Heldin der Kunst
12.07.2024 - 07:15:36«Viva la Vida»: Es lebe das Leben. Mit dieser Botschaft signiert Frida Kahlo nur wenige Tage vor ihrem Tod ein GemÀlde von Wassermelonen. AnlÀsslich ihres 70. Todestages ehrt ihr Heimatland Mexiko nun das Erbe der ikonischen Malerin mit einer Ausstellung, VortrÀgen und KunstaktivitÀten. Kahlo starb am 13. Juli 1954 im Alter von 47 Jahren nach einem Leben voller körperlicher und seelischer Schmerzen.
«Wir möchten ihr Leben und ihr VermĂ€chtnis feiern», sagt Perla Labarthe, die Direktorin des Frida-Kahlo-Museums - als Blaues Haus bekannt -, der Deutschen Presse-Agentur in Mexiko-Stadt. Die visuelle Kraft ihrer Werke und die Art, wie sie GefĂŒhle und Erfahrungen in Kunst verwandele, machten Kahlo zu einer faszinierenden KĂŒnstlerin. AuĂerdem sei sie eine sehr ehrliche KĂŒnstlerin gewesen und habe ihre eigene IdentitĂ€t geschaffen - das spreche die Menschen heute noch an.
Verletzte KĂŒnstlerin und moderne Kultfigur
Laut der offiziellen Sterbeurkunde erlag die Malerin einer LungenentzĂŒndung. Als SechsjĂ€hrige erkrankte die Tochter des deutschen Fotografen Carl Wilhelm Kahlo und einer Mexikanerin an KinderlĂ€hmung. Mit 18 Jahren wurde sie bei einem BusunglĂŒck schwer verletzt. Eine Eisenstange durchbohrte ihren Körper, die WirbelsĂ€ule brach an drei Stellen. Nach dem Unfall musste Kahlo fast ein Jahr lang im Bett liegen und begann so zu malen.Â
Die drastischen SelbstportrĂ€ts wie «Die zerbrochene SĂ€ule» sind ein Markenzeichen Kahlos. Jahrelang musste sie Korsetts tragen, die sie bemalte. Ihre Eigendarstellungen mit Damenbart und zusammengewachsenen Augenbrauen zieren auch Souvenirs aller Art. Sie ist eine Kultfigur und gilt als Vorreiterin des Feminismus.Â
Als Kahlo-Fans gelten die US-Pop-SÀngerin Madonna und Hollywoodstar Salma Hayek, Hauptdarstellerin im Film «Frida» von 2002. Modeschöpfer lassen sich von der Frau des Wandmalers Diego Rivera (1886-1957) inspirieren. Ihr wurde sogar eine Barbie-Puppe gewidmet.
Ausstellung «Frida ohne Grenzen»
Im Atelierhaus-Museum Diego Rivera und Frida Kahlo in Mexiko-Stadt wird nun die Ausstellung «Frida ohne Grenzen» gezeigt. Briefe, Krankenakten und mehr als 80 Fotos geben Einblick in das VerhĂ€ltnis der Malerin zu ihrem gebrochenen Körper und ihren behandelnden Ărzten. Kahlo wurde rund 30 Mal operiert. Eines ihrer Beine wurde unterhalb des Knies amputiert.Â
Im «Kahlo-Monat» organisiert das Blaue Haus seinerseits AktivitĂ€ten rund um den Geburtstag der Malerin am 6. Juli 1907 und ihren Todestag. Auf dem Programm steht der neue Dokumentarfilm «Frida» (USA/Mexiko) der Regisseurin Carla GutiĂ©rrez. Darin wird die Biografie der kommunistischen und bisexuellen Malerin mit ihren eigenen Worten und animierten GemĂ€lden erzĂ€hlt.Â
Durch die Malerei gerettet
Kahlo wohnte 36 Jahre lang im Blauen Haus in CoyoacĂĄn, heute Teil der Hauptstadt. Das bei Touristen sehr beliebte Museum zeigt persönliche GegenstĂ€nde der Malerin wie die teilweise indigene Kleidung, mit der Kahlo bewusst ihr Ich konstruierte, zahlreiche Briefe, das illustrierte Tagebuch und die Urne mit ihrer Asche.Â
In einem Text, der derzeit dort ausgestellt ist, beschreibt die Malerin ihren Zugang zur Kunst: «Ich bin nie einer Schule gefolgt oder von jemandem beeinflusst worden», schreibt sie. «Ich habe von meiner Arbeit nicht mehr als die Befriedigung erwartet, die mir das Malen selbst geben konnte». Durch ihre Bilder habe sie Wahrnehmungen und GefĂŒhle ausgedrĂŒckt, die sie sonst nicht hĂ€tte zeigen können.Â
Das teuerste GemÀlde aus Lateinamerika
Kahlo heiratete den 21 Jahre Ă€lteren Rivera gleich zweimal. Der nationalistische Maler war bereits berĂŒhmt und als Frauenheld bekannt, als sie sich 1929 das erste Jawort gaben. Kahlo war damals 22 Jahre alt. Nach zehn turbulenten Ehe-Jahren lieĂ sich das Paar scheiden, um ein Jahr spĂ€ter erneut zu heiraten. Auch Kahlo hatte AffĂ€ren, etwa mit dem russischen RevolutionĂ€r Leo Trotzki.Â
Die Beziehung zu Rivera und Kahlos Fehlgeburten prĂ€gten auch ihr Werk. Das Selbstbildnis «Diego y yo» (Diego und ich) wurde 2021 beim Auktionshaus Sotheby's in New York fĂŒr 34,9 Millionen Dollar (etwa 32 Mio. Euro) versteigert. Es ist das teuerste GemĂ€lde eines KĂŒnstlers aus Lateinamerika und zeigt eine weinende Frida mit Riveras Gesicht auf der Stirn.
Trotz aller Schwierigkeiten liebte Kahlo das Leben. Doch die körperlichen Schmerzen waren zuletzt unertrĂ€glich. Emotional war sie ebenfalls niedergeschlagen. In ihrem letzten Tagebucheintrag schrieb die Malerin: «Ich warte mit Freude auf die Abreise und hoffe, nie wieder zurĂŒckzukehren».


