Kenia: Sektenführer Mackenzie erhält 200 Jahre Haft
Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 13:26 Uhr | dpa, AD HOC NEWSVerfahren gegen die Hungersekte
- Das Obergericht in Mombasa verurteilte Paul Mackenzie und 28 Mitangeklagte wegen Mordes.
- Das Urteil betrifft 190 Kinder und Jugendliche sowie einen Erwachsenen.
- Im April 2023 entdeckten Ermittler die Massengräber in einem Waldgebiet an Kenias Küste.
Gericht verurteilt Prediger in Mombasa
Ein Gericht in Kenia hat den selbst ernannten Prediger Paul Mackenzie wegen des Mordes an 190 Kindern und Jugendlichen sowie einem Erwachsenen zu 200 Jahren Haft verurteilt. Das Obergericht in der Küstenstadt Mombasa befand auch 28 Mitangeklagte für schuldig.
Das Urteil war bereits im Oktober ergangen; nun wurde die Haftstrafe festgesetzt. Die Angeklagten hatten bestritten, Menschen zum Fasten gezwungen zu haben, doch das Gericht wies diese Darstellung zurück.
Massengräber im Shakahola-Wald
Im April 2023 entdeckten Ermittler in einem abgelegenen Waldgebiet an der Küste zahlreiche Massengräber. Insgesamt wurden dort mehr als 400 Leichen geborgen.
Viele Opfer waren nach den Ermittlungen verhungert, andere wiesen Spuren schwerer Gewalt auf. Mackenzie, ein ehemaliger Taxifahrer, hatte seinen Anhängern eingeredet, das Ende der Welt stehe unmittelbar bevor und sie könnten durch Fasten bis zum Tod zu Jesus gelangen.
Zeugenaussagen belasten Angeklagte
Nach Zeugenaussagen sollten zunächst die Kinder verhungern, anschließend die Frauen und zuletzt die Männer. Wer nach Essen suchte, wurde demnach geschlagen.
Das Verfahren zählt zu den folgenschwersten Fällen religiös motivierter Gewalt in Kenia. Neben dem Urteil gegen Mackenzie und die Mitangeklagten steht nun die weitere Aufarbeitung der Todesumstände im Mittelpunkt.
Der Fall um Paul Mackenzie zählt zu den schwersten Verbrechen im Zusammenhang mit einer religiösen Gruppierung in Kenia. Im Zentrum steht die Frage, wie ein selbst ernannter Prediger über längere Zeit Einfluss auf Anhänger gewinnen und sie zu lebensgefährlichem Fasten bewegen konnte.
Die Ermittlungen begannen, nachdem im April 2023 Massengräber im Shakahola-Wald an der kenianischen Küste entdeckt worden waren. Die Zahl der geborgenen Leichen stieg auf mehr als 400. Die Opfer waren nicht ausschließlich Kinder; die Anklage und das Urteil bezogen sich in diesem Verfahren jedoch auf 190 Kinder und Jugendliche sowie einen Erwachsenen.
Folgen für Kenia
Der Prozess hat in Kenia eine Debatte über die Kontrolle religiöser Organisationen und den Schutz besonders schutzbedürftiger Menschen ausgelöst. Der Staat steht dabei vor einem Spannungsverhältnis: Einerseits genießen religiöse Aktivitäten grundsätzlich Schutz, andererseits müssen Behörden eingreifen, wenn Prediger ihre Anhänger isolieren, misshandeln oder zu lebensbedrohlichem Verhalten anstiften.
Das Urteil gegen Mackenzie und 28 Mitangeklagte macht die strafrechtliche Verantwortung zum zentralen Ergebnis des Verfahrens. Zugleich bleiben Fragen nach möglichen Versäumnissen staatlicher Stellen und nach der Verantwortung weiterer Beteiligter von öffentlicher Bedeutung. Für Angehörige der Opfer bedeutet die Verurteilung einen juristischen Abschluss eines Falls, dessen Aufarbeitung mit der Strafzumessung nicht vollständig beendet ist.
