Paul Mackenzie, Shakahola

Kenia verurteilt Prediger Mackenzie zu 200 Jahren Haft

Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 14:34 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Das Obergericht in Mombasa sprach den früheren Prediger und 28 Mitangeklagte schuldig. Die Urteile schließen ein Verfahren ab, das nach dem Fund von Massengräbern im Waldgebiet Shakahola eine landesweite Debatte über religiöse Kontrolle ausgelöst hat.

Opferzahlen und nächste Schritte

  • Das Gericht in Mombasa verurteilte Paul Mackenzie wegen des Todes von 190 Kindern und Jugendlichen sowie eines Erwachsenen.
  • Die 28 Mitangeklagten erhielten Haftstrafen zwischen 10 und 160 Jahren.
  • Die Verurteilten können innerhalb von zwei Wochen Berufung gegen die Urteile einlegen.
  • Mackenzie, ein früherer Taxifahrer, hatte seinen Anhängern eingeredet, dass das Ende der Welt unmittelbar bevorstehe. - Bild: Brian Inganga/AP/dpa
  • Insgesamt wurden mehr als 400 Leichen entdeckt, viele von ihnen bereits stark verwest. (Archivbild) - Bild: Uncredited/AP
Mackenzie, ein früherer Taxifahrer, hatte seinen Anhängern eingeredet, dass das Ende der Welt unmittelbar bevorstehe.  - Bild: Brian Inganga/AP/dpa Insgesamt wurden mehr als 400 Leichen entdeckt, viele von ihnen bereits stark verwest. (Archivbild) - Bild: Uncredited/AP

Gericht in Mombasa verhängt lange Haftstrafen

Ein Gericht in Kenia hat den selbst ernannten Prediger Paul Mackenzie wegen des Mordes an 190 Kindern und Jugendlichen sowie einem Erwachsenen zu 200 Jahren Haft verurteilt. Das Obergericht in Mombasa befand auch 28 Mitangeklagte schuldig; ihre Haftstrafen reichen von 10 bis 160 Jahren.

Mehr als 400 Leichen in Shakahola entdeckt

Die Ermittlungen begannen im Frühjahr 2023, nachdem in dem abgelegenen Waldgebiet Shakahola an der kenianischen Küste Massengräber entdeckt worden waren. Insgesamt wurden mehr als 400 Leichen geborgen, viele davon stark verwest.

Obduktionen ergaben, dass zahlreiche Opfer verhungert waren. Andere wiesen Verletzungen durch Schläge oder Anzeichen des Erstickens auf. Zwei weitere Angeklagte starben während des Prozesses; die Verurteilten haben zwei Wochen Zeit, Berufung einzulegen.

Predigten führten Anhänger in den Wald

Mackenzie, ein früherer Taxifahrer, gründete Anfang der 2000er-Jahre die Good News International Church. In seinen Predigten wandte er sich gegen Bildung und moderne Medizin und stellte das Ende der Welt als unmittelbar bevorstehend dar.

Hunderte Gläubige folgten ihm in den abgelegenen Wald, wo sie in Siedlungen mit biblischen Namen lebten. Nach Zeugenaussagen sollten zunächst Kinder, danach unverheiratete Frauen und zuletzt Männer verhungern. Anführer der Sekte sollten als Letzte sterben.

Gericht verwirft Darstellung freiwilligen Fastens

Wer das Fasten nicht durchhielt oder nach Nahrung suchte, wurde nach Zeugenaussagen geschlagen. Mütter mussten demnach mit ansehen, wie ihre Kinder schwächer wurden und starben; in einigen Fällen setzten sie das Fasten ihrer Kinder selbst durch.

Die Anklage hatte für Mackenzie die Todesstrafe gefordert, während die Verteidigung höchstens zehn Jahre Haft beantragt hatte. Die Angeklagten erklärten, die Gläubigen hätten freiwillig gefastet; das Gericht sah nach mehr als 120 Zeugenaussagen dagegen eine vorsätzliche Verantwortung für die Todesfälle zwischen Januar 2021 und September 2023.

Debatte über religiöse Aufsicht

Der Fall löste in Kenia eine Debatte über die Kontrolle religiöser Gemeinschaften aus. Rund 59 Millionen Menschen leben in dem Land, die große Mehrheit von ihnen ist christlich.

Nach Regierungsangaben waren 2023 rund 40.000 religiöse Organisationen registriert. Jeden Monat gingen demnach fast 60 Anträge auf die Registrierung weiterer Kirchen ein.

Der Fall von Shakahola gehört zu den schwersten religiös motivierten Verbrechen der jüngeren Geschichte Kenias. Die Zahl von mehr als 400 geborgenen Leichen machte sichtbar, wie sich eine abgeschottete Gemeinschaft über längere Zeit der staatlichen Kontrolle entziehen konnte.

Das Urteil betrifft nicht nur die individuelle Verantwortung des Predigers und seiner Mitangeklagten. Es lenkt den Blick auch auf die Bedingungen, unter denen unabhängige religiöse Gruppen arbeiten: In Kenia existieren neben großen Kirchen zahlreiche Freikirchen und selbstständige Gemeinden, während Behörden zugleich mit vielen neuen Registrierungsanträgen konfrontiert sind.

Kontrolle religiöser Gemeinschaften

Die Ermittlungen zeigten laut dem Gerichtsverfahren ein hierarchisch organisiertes System aus Anführern, Wachen, Köchen und Totengräbern. Damit unterscheidet sich der Fall deutlich von einem isolierten individuellen Fehlverhalten. Für Angehörige und Überlebende steht neben der Bestrafung die Aufklärung über vermisste Menschen und die Identifizierung der Opfer im Mittelpunkt.

Die Berufungsfrist von zwei Wochen markiert den nächsten juristischen Schritt. Politisch dürfte die Debatte darüber anhalten, wie der Staat Religionsfreiheit schützt und zugleich gegen Gruppen vorgeht, die Bildung, medizinische Versorgung oder staatliche Aufsicht ablehnen.

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