Hamburg, Deutschland

Deutsche lieben ihr Sofa - aber auch Kultur und Sport boomen

05.09.2023 - 12:49:41 | dpa.de

Koch- oder Spieleabende zu Hause liegen im Trend - aber die Deutschen haben nach Corona auch einiges nachzuholen: Dann geht es ins Theater, Kino oder ins Fitnessstudio. Nur ein Ort kann nicht profitieren.

Segeln auf der Alster: Den Deutschen bleibt weniger Zeit fĂŒr FreizeitaktivitĂ€ten. - Foto: Jonas Walzberg/dpa
Segeln auf der Alster: Den Deutschen bleibt weniger Zeit fĂŒr FreizeitaktivitĂ€ten. - Foto: Jonas Walzberg/dpa

Die Folgen der Corona-Pandemie machen sich laut einer neuen Studie weiterhin im Freizeitverhalten der Deutschen bemerkbar.

«Die BĂŒrger surfen im Internet, lassen sich durch das Fernsehprogramm informieren, unterhalten oder berieseln, sind in sozialen Netzwerken unterwegs, telefonieren, texten oder streamen. Die eigene Couch wird so zum Epizentrum der modernen Freizeitgestaltung», sagte Prof. Ulrich Reinhardt in Hamburg bei der Vorstellung des «Freizeit-Monitor 2023». Die Umfrage wird seit mehr als 40 Jahren von der Stiftung fĂŒr Zukunftsfragen von British American Tobacco (BAT) erhoben.

«Internetnutzung» verlÀsslich auf Platz 1

Auf der Rangliste der beliebtesten FreizeitaktivitĂ€ten landete wie in den vergangenen vier Jahren «Internet nutzen» auf Platz 1. Von je 100 Befragten gaben 97 das als regelmĂ€ĂŸige FreizeitaktivitĂ€t an (wenigstens einmal pro Woche). Auf den weiteren PlĂ€tzen landeten «Fernsehen» (84), «Musik hören» (83), «sich mit PC, Laptop, Tablet beschĂ€ftigen» (82) und «E-Mails lesen oder schreiben» (81). Danach folgen «Handy spielen» (78), «Radio hören» (72) und «Eigenen Gedanken nachgehen» (72). «Fernsehen bleibt sehr beliebt, hat aber auf Dauer kaum eine Chance gegen das Netz», sagte Reinhardt.

Laut der Studie finden auch gemeinsame AktivitĂ€ten mit dem Partner, den Freunden und der Familie gerne im hĂ€uslichen Umfeld statt - seien es Koch- oder Spieleabende, Zeit fĂŒr GesprĂ€che, gesellige oder gemĂŒtliche Abende. «In einer Zeit und Welt, die oftmals von Ă€ußeren EinflĂŒssen und Schnelllebigkeit geprĂ€gt ist, gewinnt die Gestaltung der Freizeit daheim immer mehr an Bedeutung - sei es als Quelle der Erholung, der persönlichen Interessen und der zwischenmenschlichen Verbundenheit», sagte Reinhardt, der Leiter der Stiftung.

Kulturboom

Aber auch kulturelle Freizeitangebote - von Museen ĂŒber Konzerte bis hin zu Kinovorstellungen und Freizeitparks - erfreuten sich bei vielen Deutschen einer steigenden Beliebtheit, allerdings auf deutlich geringerem Niveau als hĂ€usliche AktivitĂ€ten. «Hierbei spielt das NachholbedĂŒrfnis nach der Corona-Zeit nach wie vor eine große Rolle», sagte Reinhardt. Vom Kulturboom nicht profitieren könnten einzig Diskotheken und Clubs. Galten die TanzflĂ€chen einst als Inbegriffe des Nachtlebens und des sozialen Treffpunkts wĂŒrden sie mittlerweile deutlich seltener besucht als vor zehn Jahren.

Ebenfalls deutlich hĂ€ufiger als vor zehn Jahren werden sportliche AktivitĂ€ten wie Spazieren gehen oder Jogging ausgeĂŒbt. «Viele BĂŒrger schnĂŒren ihre Laufschuhe, setzen die Schwimmbrillen auf oder besuchen ein Fitnessstudio», sagte Reinhardt. Das sei einerseits auf das zunehmende Gesundheitsbewusstsein zurĂŒckzufĂŒhren, anderseits auch auf das gesteigerte BedĂŒrfnis nach Bewegung und nach einem Ausgleich zur Arbeits- sowie Freizeit am Schreibtisch oder Bildschirm.

Freie Zeit im Schnitt knapp vier Stunden am Tag

Weniger Zeit haben die BĂŒrger laut der Studie fĂŒr zwischenmenschliche Beziehungen - sei es mit den Nachbarn, Kindern oder Großeltern. Das sei auch darauf zurĂŒckzufĂŒhren, dass die Menschen im Vergleich zum ersten Coronajahr 2020 durchschnittlich eine halbe Stunde weniger Freizeit haben. WĂ€hrend die Menschen im Durchschnitt vor drei Jahren tĂ€glich noch 4 Stunden und 19 Minuten fĂŒr ihre persönlichen AktivitĂ€ten aufwenden konnten, ging diese Zeit nun auf 3 Stunden und 55 Minuten zurĂŒck, wie die Studie ergab.

Die VerĂ€nderung lasse sich auf verschiedene Faktoren zurĂŒckzufĂŒhren. «Ein Hauptgrund ist weniger Home-Office. Zwar offerieren viele Firmen ihren Mitarbeitern noch, einen Teil ihrer Arbeitszeit daheim zu verbringen, jedoch kehren viele auch wieder zurĂŒck in die Unternehmen. Die entsprechenden Wegezeiten fehlen im Freizeitbudget», sagte Reinhardt. Auch habe der Anteil an Verpflichtungen zugenommen - seien es die EinkĂ€ufe im Supermarkt, die Treffen mit Familienangehörigen oder die Stunden als Trainer im Verein.

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