Krankenkasse: So wenig jugendliche Rauschtrinker wie nie
12.02.2025 - 05:00:41Die Zahl der FĂ€lle von Rauschtrinken und Komasaufen unter Kindern und Jugendlichen ist nach einer Krankenkassenstudie auf ein Rekordtief gesunken. 2023 wurden bundesweit rund 7.650 Kinder und Jugendliche im Alter von 12 bis 18 Jahren wegen einer Alkoholvergiftung in einer Klinik behandelt - fast 28 Prozent weniger als 2022, wie die KaufmĂ€nnische Krankenkasse KKH mitteilte. Das bedeutet: Bei den FĂ€llen exzessiven, stationĂ€r behandelten Alkoholkonsums von Heranwachsenden wurde der niedrigste Stand seit der ersten Erhebung von 2006 erreicht.Â
Nur zwischen 2019 und dem ersten Corona-Jahr 2020 verzeichnete die KKH zudem mit gut 30 Prozent einen noch stĂ€rkeren RĂŒckgang. Der Hintergrund: Damals fielen pandemiebedingt viele Gelegenheiten zum Rauschtrinken weg - etwa Partys, Festivals und Konzerte.Â
Die Krankenkasse wertete den Angaben zufolge Daten der eigenen 12 bis 18 Jahre alten Versicherten zur stationÀren Behandlung einer Alkoholvergiftung aus - und rechnete die Ergebnisse anhand von Zahlen des Statistischen Bundesamtes auf die bundesweite Bevölkerungszahl dieser Altersgruppe hoch.
Anteil der jugendlichen Rauschtrinker sinkt
Das heiĂt: Nach den Daten der eigenen Versicherten der Kasse lag der Anteil der 12- bis 18-JĂ€hrigen mit einer stationĂ€r behandelten Alkoholvergiftung 2023 in der Altersgruppe bei 0,14 (2022: 0,19) Prozent. Hochgerechnet auf die rund 5,5 Millionen Menschen in dem Alter in Deutschland kam die Kasse auf die etwa 7.650 (2022: rund 10.680) FĂ€lle. Unter den eigenen Versicherten in der Altersgruppe waren es knapp 150. Die KKH zĂ€hlt nach eigenen Angaben mit rund 1,5 Millionen Versicherten zu den gröĂten bundesweiten Krankenkassen.
Als Rauschtrinken gilt nach KKH-Angaben der Konsum von fĂŒnf oder mehr alkoholischen GetrĂ€nken etwa bei einer Party. Das entspreche etwa 70 Gramm Reinalkohol. Allerdings warnte die Deutsche Gesellschaft fĂŒr ErnĂ€hrung (DGE) im vergangenen Jahr, es gebe keine sichere Alkoholmenge fĂŒr einen unbedenklichen Konsum.
Psychologin: «Rauschtrinken kann zu dauerhaften SchĂ€den fĂŒhren»
Die KKH-Psychologin Franziska Klemm mahnte: «Weniger Krankenhausaufenthalte bedeuten noch nicht, dass der Alkoholkonsum bei Jugendlichen insgesamt zurĂŒckgegangen ist.» Die Zahlen erfassten nĂ€mlich nur die jugendlichen Rauschtrinker, die wegen ihrer Alkoholexzesse in der Notaufnahme landeten.Â
Heranwachsende reagierten besonders empfindlich auf das Zellgift, erklĂ€rte sie. So erhöhe Alkohol das Risiko fĂŒr Krebs, Herz-Kreislauf- und Lebererkrankungen. «Besonders Rauschtrinken kann zu dauerhaften SchĂ€den fĂŒhren», sagte Klemm. Und je frĂŒher Jugendliche damit anfingen, desto gröĂer sei die Gefahr fĂŒr die Gesundheit.
«Jeder Schluck ist schÀdlich»
Nach Angaben der Kasse trinken Kinder und Jugendliche Alkohol hĂ€ufig, um ihre GefĂŒhle besser zu regulieren. SchĂŒchterne, Ă€ngstliche oder depressive Jugendliche erhofften sich so eine StimmungsverĂ€nderung. Auch spiele der soziale Druck innerhalb einer Gruppe eine wichtige Rolle - wie auch das Austesten von Grenzen. Der Bundesdrogenbeauftragte Burkhard Blienert warnte zu Jahresbeginn: «Noch immer ist vielen nicht bewusst: Egal, wie viel und was man trinkt, jeder Schluck ist schĂ€dlich.»


