Krakau: Schütze tötet sechs Menschen, Familie ebenfalls tot
Veröffentlicht am: 08.11.2026 um 10:14 Uhr | dpa, AD HOC NEWSOpfer, Tatort und Ermittlungen
- Der 24-Jährige schoss am Samstag auf dem Krakauer Marktplatz aus einem Auto heraus auf Passanten.
- Unter den sechs Toten waren vier polnische Staatsbürger sowie ein Mensch aus Großbritannien und eine weitere Ausländerin.
- Die Polizei fand im Wohnort des Mannes drei Tote und erklärte sie zu seinen Eltern und seiner Schwester.
Sechs Tote nach Schüssen auf Krakauer Marktplatz
Ein 24-Jähriger hat auf dem Marktplatz von Krakau aus einem Auto heraus wahllos auf Passanten geschossen und sechs Menschen getötet. Die Polizei überwältigte den Mann nach einem Fluchtversuch, während im Haus seiner Familie in Ostrowiec Swietokrzyski drei weitere Tote gefunden wurden.
Polizei geht von Einzeltäter aus
Der Angriff ereignete sich am Samstag in der zweitgrößten Stadt Polens, deren historischer Marktplatz zahlreiche Touristen anzieht. Zu den 16 Verletzten zählen nach Angaben der polnischen Behörden der mutmaßliche Täter und zwei Polizisten; eine verletzte Person besitzt die deutsche Staatsangehörigkeit.
Die Polizei dementierte Berichte über einen möglichen Komplizen und geht von einem Einzeltäter aus. Ein Polizist erlitt drei Schussverletzungen und befand sich in Lebensgefahr; wegen seiner seltenen Blutgruppe AB Rhesus+ wurde dringend zu Blutspenden aufgerufen.
Ermittler prüfen rechtsextreme Ideologie
Innenminister Marcin Kierwinski sagte, der Schütze habe vermutlich sehr radikale Ansichten vertreten und sei möglicherweise von rechtsextremistischen Ideologien fasziniert gewesen. Das Motiv des Angriffs war zunächst nicht geklärt.
Regierungschef Donald Tusk bezeichnete die Tat als Terrorismus. Die Ermittler untersuchen nun die Hintergründe des Angriffs und des Fundes im Wohnhaus des Mannes.
Mehrere Waffen im Auto entdeckt
Nach Polizeiangaben verwendete der Täter eine halbautomatische Langwaffe ähnlich einem AR-15 und führte zusätzlich eine Pistole mit sich. In seinem Auto fanden die Einsatzkräfte weitere Waffen und Munition.
Auf der Flucht stieß der Wagen des Mannes mit einem anderen Auto zusammen. Anschließend schoss er auf Einsatzkräfte, die das Feuer erwiderten und ihn schwer verletzten; er wurde in ein Krankenhaus gebracht.
Marktplatz für Spurensicherung gesperrt
Bei der Durchsuchung des Hauses in Ostrowiec Swietokrzyski nutzten die Einsatzkräfte wegen des Verdachts auf Sprengsätze eine Drohne. Die Aufnahmen zeigten drei Tote, bei denen es sich laut Polizei um die Eltern und die Schwester des Schützen handelt.
Am Sonntag wurde der gesamte Krakauer Marktplatz erneut für die Spurensicherung gesperrt. Polizei und Ermittler wollen bei Tageslicht weitere Spuren sichern; mehrere Kutschfahrer wurden schwer verletzt, auch Pferde erlitten oberflächliche Verletzungen.
Der Angriff trifft Krakau an einem Ort, der zugleich historisches Zentrum, touristischer Anziehungspunkt und öffentlicher Verkehrsraum ist. Dass der Täter aus einem Fahrzeug heraus auf Passanten schoss, machte die Tat für viele Betroffene schwer vorhersehbar und erschwerte in den ersten Minuten die Einschätzung der Gefahrenlage.
Die Zahl der Opfer und die internationale Zusammensetzung der Betroffenen verleihen dem Geschehen über Polen hinaus Bedeutung. Unter den Verletzten befindet sich eine Person mit deutscher Staatsangehörigkeit; außerdem werden Menschen aus mehreren weiteren Ländern genannt. Für Reisende und Angehörige bedeutet das zunächst vor allem die Suche nach verlässlichen Informationen über Verletzte, Sperrungen und die medizinische Versorgung.
Ermittlungen zu Motiv und Umfeld
Die Ermittler müssen nun mehrere Fragen klären: warum der 24-Jährige den Marktplatz als Tatort auswählte, ob seine mutmaßliche Faszination für rechtsextreme Ideologien für die Tat ursächlich war und wie er an mehrere Waffen und Munition gelangte. Die Behörden gehen von einem Einzeltäter aus.
Der Fund der drei getöteten Familienangehörigen erweitert den Ermittlungsansatz auf das Geschehen im Wohnort des Mannes. Zugleich bleibt die Einordnung als terroristischer Angriff Gegenstand der polizeilichen und staatsanwaltschaftlichen Untersuchungen. Die angekündigte Spurensicherung auf dem Marktplatz soll helfen, Ablauf, Schusspositionen und Fluchtweg genauer zu rekonstruieren.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Deutschlandfunk: „Polizei bestätigt: Familie des Todesschützen von Krakau ist tot“ (08.11.2026)
Der Deutschlandfunk berichtet, die Polizei habe die drei Toten im Haus des Schützen als dessen Eltern und Schwester bestätigt. Im Mittelpunkt stehen dort außerdem die Opferzahl, die Verletzten und der mögliche Einfluss rechtsextremer Ideologie.
tagesschau: „FAQ: Was ist über die Schüsse in Krakau bekannt?“ (08.11.2026)
Die tagesschau ordnet den Ablauf, die internationale Herkunft von Opfern und Verletzten sowie den Stand der Ermittlungen ausführlicher ein. Anders als der Deutschlandfunk stellt der Beitrag zusätzlich Waffenbesitz, Ausrüstung und die politischen Reaktionen in den Mittelpunkt; das Motiv bleibt offen.
Beide Beiträge bestätigen den Angriff mit sechs Todesopfern, die Festnahme des Schützen und den Fund seiner getöteten Angehörigen. Unterschiede ergeben sich vor allem aus der Gewichtung von Täterprofil, politischer Reaktion und Ermittlungsstand.
