Sturz, Lastenrad

Sturz mit Lastenrad: Forscher fordern Sicherheit fĂŒr Kinder

21.03.2024 - 15:48:02

LastenfahrrĂ€der erfreuen sich großer Beliebtheit bei Familien. Doch mit der Sicherheit beim Transport von Kindern sieht es oft schlecht aus, bemĂ€ngeln Unfallforscher. Sie wollen schĂ€rfere Auflagen.

Ein Mann fĂ€hrt zĂŒgig mit seinem Kind im Lastenfahrrad, da zieht plötzlich ein orangefarbener Wagen von rechts auf die Straße. Der Radler erschrickt, will nach links ausweichen und verliert die Kontrolle: Das schwere Rad stĂŒrzt um. Der Mann und das Kleinkind knallen auf den Asphalt.

«Die Folgen wĂ€ren fatal - beiden könnten schwer verletzt sein», sagt die Leiterin der Unfallforschung der Versicherer (UDV), Kirstin Zeidler, nach dem Live-Crashtest mit Dummys bei einer Presseveranstaltung in MĂŒnster.

Das Forschungsinstitut der Versicherungen hat sich in einer mehrjĂ€hrigen Untersuchung mit FahrradunfĂ€llen mit Kindern befasst - und zwar speziell mit den immer beliebteren LastenfahrrĂ€dern fĂŒr die Mitnahme von Kindern.

Unterschiedliche Typen von LastenrĂ€dern werden laut einer Online-Umfrage im Rahmen der Studie schon von knapp einem Drittel der Eltern fĂŒr den Kindertransport genutzt. Die Verkaufszahlen steigen. Es sei kĂŒnftig mit einem weiter steigenden Anteil der LastenrĂ€der fĂŒr Kindertransporte zu rechnen, sagte Zeidler. Wegen des vergleichsweise hohen Gewichts seien viele der RĂ€der mit Elektromotor unterwegs und damit relativ schnell und noch schwerer.

Helm zu selten getragen

Vor allem Cargo-Bikes mit zwei VorderrĂ€dern, einem Hinterrad und der Transportbox vor dem Fahrer seien dabei schwer zu fahren und «hochgradig kippanfĂ€llig», sagte Zeidler, am Donnerstag bei der Pressekonferenz in MĂŒnster. Bei einem Unfall böten sie den Kindern keinerlei Schutz fĂŒr Kopf und Oberkörper. Der Kinder-Dummy lag nach dem nachgestellten Unfall mit dem Kopf direkt auf dem Asphalt.

Die Unfallforscherin riet zu schĂ€rferen Sicherheitsauflagen - etwa zu stabilen Sitzen mit Kopfschutz statt eines einfachen Sitzbretts, wirksamen Gurten und einer Sicherheitszelle als Aufprallschutz. Eine Neigetechnik fĂŒr die LastenfahrrĂ€der - wie von manchen Herstellern bereits angeboten - schaffe zusĂ€tzliche StabilitĂ€t, sagte sie. Beim Kauf sollten Eltern unbedingt auf solche Sicherheitsfeatures achten.

Eltern sollten den Kindern außerdem konsequent einen Helm aufsetzen. Bisher tragen der Untersuchung zufolge nur rund die HĂ€lfte der Kinder im Lastenfahrrad einen solchen Kopfschutz - wahrscheinlich wegen des trĂŒgerischen SicherheitsgefĂŒhls in der Lastenrad-Box, sagte Zeidler.

MÀngel auch bei AnhÀngern und Kindersitzen

RadunfĂ€lle mit verletzten Kindern sind bisher eher selten, ihre Zahl steigt aber. 2022 seien laut der polizeilichen Unfallstatistik bundesweit bei 222 RadunfĂ€llen mitfahrende Kinder bis sieben Jahre verletzt worden, in zwölf FĂ€llen schwer, sagte der Untersuchungsleiter Matthias KĂŒhn. Der Wert liege um 45 Prozent ĂŒber dem Wert von 2019.

Die Unfallforscher hatten zum Vergleich auch FahrradanhĂ€nger und Kindersitze auf dem GepĂ€cktrĂ€ger als Alternative fĂŒr den Transport von Kindern untersucht. Auch hier gab es Kritik: Kinder-AnhĂ€nger seien leicht zu ĂŒbersehen und stellten sich bei scharfen Bremsungen leicht quer, bemĂ€ngelte Zeidler. Bei Kindersitzen auf dem GepĂ€cktrĂ€ger seien die Fallhöhe bei einem Unfall und der hohe Schwerpunkt problematisch. Das Fahrrad werde instabil - etwa beim Ausweichen und Stehenbleiben.

Auch hier sehen die Forscher Verbesserungsbedarf - etwa eine eigene Bremse und eine fest verbaute Beleuchtung fĂŒr AnhĂ€nger. Zudem empfehlen die Expertinnen und Experten stabile Dreibein-StĂ€nder fĂŒr FahrrĂ€der mit Kindersitz hinten oder eine Verringerung des maximal erlaubten Gewichts fĂŒr Kinder auf dem hinteren Kindersitz von derzeit 22 auf unter 20 Kilogramm.

Das grĂ¶ĂŸte Verbesserungspotenzial sehen die Forscher aber beim Lastenrad. «LastenfahrrĂ€der haben Aufholbedarf - und es gibt bisher kaum Vorgaben», sagt Zeidler. In der Straßenverkehrsordnung stĂŒnden bisher gar keine speziellen Anforderungen fĂŒr LastenfahrrĂ€der, die einschlĂ€gige DIN-Norm schreibt nur einen «geeigneten Sitz fĂŒr jedes Kind mit Gurtsystem» vor.

Die RegelungslĂŒcke muss geschlossen werden, forderte Zeidler. Die Hersteller mĂŒssten mitziehen - und die Eltern Helm und Gurt auch nutzen.

@ dpa.de