Care-Arbeit der VĂ€ter: Politik in der Pflicht
11.06.2024 - 07:19:38Die Chancen fĂŒr mehr VĂ€ter-Engagement bei der Kinderbetreuung stehen aus Expertensicht gut - wenn die Politik liefert. «In allen unseren Befragungen sagen VĂ€ter, sie wĂŒrden mehr Zeit fĂŒr ihre Kinder verwenden wollen», sagte die PrĂ€sidentin des Wissenschaftszentrums Berlin fĂŒr Sozialforschung (WZB), Jutta Allmendinger, der Deutschen Presse-Agentur. «Alle MĂŒtter sagen, sie wĂŒrden mehr Zeit fĂŒr die ErwerbstĂ€tigkeit verwenden wollen. Aufbruchstimmung und VerĂ€nderungsbereitschaft sind also da.»
Der Status quo mit der deutlichen Mehrbelastung von MĂŒttern bei der Care-Arbeit sei unter anderem auf die Politik zurĂŒckzufĂŒhren. «Auf der einen Seite sagen wir: VĂ€ter, geht auch in Elternzeit!», sagte Allmendinger. «Auf der anderen Seite erhalten wir Strukturen, die das Gegenteil bewirken.»
Konkret meint die Soziologin etwa das «sehr teure Ehegattensplitting», das bei groĂen Einkommensunterschieden Anreize dafĂŒr schaffe, dass MĂŒtter nach der Geburt lĂ€nger zu Hause blieben und spĂ€ter in Teilzeit arbeiteten. Zumindest sollte aus ihrer Sicht der Koalitionsvertrag umgesetzt werden. Darin festgeschrieben sind eine Familienstartzeit und mehr VĂ€termonate. Angedeutet sei zudem ein Einstieg in den Ausstieg aus dem Ehegattensplitting.
Im Jahr 2022 waren laut Statistischem Bundesamt nur 1,9 Prozent der VĂ€ter, deren jĂŒngstes Kind unter sechs Jahren ist, in Elternzeit. Bei den MĂŒttern war es gut ein Viertel. Dem Bundesfamilienministerium zufolge verwenden Frauen zudem aktuell tĂ€glich 44,3 Prozent mehr Zeit fĂŒr unbezahlte Sorgearbeit als MĂ€nner.


