Leiche nahe Barcelona: Frau und Tochter lebten zwei Jahre mit totem Arzt im Haus
Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 13:32 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
In einem Haus in Cabrera d'Anoia nahe Barcelona hat die katalanische Polizei die stark verweste Leiche eines Mannes entdeckt, mit der dessen Ehefrau und Tochter rund zwei Jahre lang gelebt haben sollen.
Polizei findet Leiche in verwahrlostem Haus
Bei den Frauen handelt es sich nach Angaben der Behörden um die 59-jährige Ehefrau und die 22-jährige Tochter des Toten. Die Mossos d'Esquadra bestätigten entsprechende Berichte spanischer Medien.
Die Ermittler gehen derzeit von einem natürlichen Tod aus. Hinweise auf ein Verbrechen fanden sie bislang nicht; eine Autopsie soll die Todesursache klären.
Mann soll 2024 auf Sofa gestorben sein
Nach Angaben der Witwe starb ihr Mann im Jahr 2024 im Alter von 77 Jahren auf dem Sofa. Sie und ihre Tochter hätten ihn anschließend mit einer Decke zugedeckt und in ein Zimmer gebracht.
Die beiden Frauen räumten bei der Vernehmung ein, etwa zwei Jahre mit der Leiche im Haus gewohnt zu haben. Bei dem Toten soll es sich um einen Arzt gehandelt haben.
Nachbarn alarmieren Behörden wegen Mülls
Aufmerksam wurden die Behörden, nachdem Nachbarn eine zunehmende Vermüllung rund um das Haus bemerkt hatten. Das Gebäude liegt rund 50 Kilometer nordwestlich von Barcelona und befand sich nach Polizeiangaben in einem verwahrlosten Zustand.
Nach Angaben der Familie hatten Mutter und Tochter das Haus seit Beginn der Corona-Pandemie kaum noch verlassen. Sie bestellten demnach Lebensmittel und andere Waren online und holten die Pakete nachts vor der Tür ab.
Soziale Isolation als Hintergrund
Der Fall aus Cabrera d'Anoia verweist auf eine extreme Form sozialer Isolation. Nach Angaben der Familie hätten Mutter und Tochter das Haus seit Beginn der Corona-Pandemie kaum verlassen; Einkäufe seien online bestellt und nachts abgeholt worden. Damit blieb der Tod des 77-jährigen Arztes über einen außergewöhnlich langen Zeitraum verborgen.
Entscheidend für die Entdeckung war nicht eine reguläre Kontrolle, sondern die Aufmerksamkeit der Nachbarschaft. Der zunehmende Müll führte zum Einschreiten der Behörden und zeigt, dass sichtbare Veränderungen im Wohnumfeld wichtige Hinweise auf gesundheitliche, soziale oder psychische Notlagen geben können. Der Fall lässt sich jedoch nicht pauschal als Beleg für eine bestimmte Erkrankung oder ein bestimmtes Motiv der Frauen werten.
Offene Fragen der Ermittlungen
Die Polizei geht zunächst von einem natürlichen Tod aus, eine Autopsie soll die Todesursache klären. Ebenso müssen die Ermittler den genauen Ablauf nach dem Tod, die Wohnsituation der beiden Frauen und mögliche Unterstützungsangebote prüfen. Für Anwohner liegt die unmittelbare Bedeutung vor allem darin, dass ungewöhnliche Verwahrlosung oder ein vollständiger Rückzug aus dem sozialen Umfeld frühzeitig an Behörden oder soziale Dienste gemeldet werden können.
