Starke Frauen im Gangsterfilm «Der Millionen Raub»
08.04.2024 - 17:00:44Immer einen Schritt nĂ€her am Leben: So könnte man die TV-Filme des Regisseurs und Drehbuchautors Lars Becker beschreiben. Dabei zeichnet der Wahl-Hamburger auch in genretypischen Polizei-Serien wie «Der gute Bulle» oder «Nachtschicht» ein differenziertes Bild unserer multikulturellen Gesellschaft. Die Wahrheit liegt bei Becker meistens auf der StraĂe, man muss eben nur den Blick dafĂŒr haben.
In seinem neuen Thriller-Drama «Der Millionen Raub», das heute um 20.15 Uhr im ZDF lĂ€uft, lassen zwei befreundete Geldtransporter-Fahrer acht Millionen Euro im Wald verschwinden. Aber der junge Familienvater Omar Abdallah (Karim Ben Mansur) und sein drogensĂŒchtiger Kumpel Zlatko Petrovic (Slavko Popadi?) sind alles andere als ausgebuffte Profis. Immerhin gelingt Omar mit zuvor geliehenem Geld die Flucht nach Rio.Â
Darum geht's
Dort wird er nach einigen Wochen verhaftet und nach Deutschland ausgeliefert, weil Omars Freundin Chantal (Sina Tkotsch) ihm seinen Hund nachgeschickt hat. Ganz dumm gelaufen. Ăber diesen ganzen Schlamassel zeigen sich Omars junge Ehefrau Malaika (Sabrina Amali) und seine Mutter Haifa (Inaam Al Battat) natĂŒrlich alles andere als begeistert.
Anders als in vielen Standard-Krimis stehen diesmal aber nicht die Gangster im Vordergrund, sondern deren MĂŒtter, Ehefrauen und Freundinnen. «Frauen denken einen Schritt weiter», heiĂt es einmal. Die konsumfreudige, aber keineswegs naive Nebenbuhlerin Chantal wird in die Familie aufgenommen, als sie gesteht, dass sie von Omar schwanger ist. Dabei ist die ganze Mischpoke keineswegs auf Rosen gebettet.
Mutter und Tochter Abdallah schuften als Angestellte in einer WĂ€scherei, zusammen mit Dunja (Anica Dobra), der Mutter des Junkies Slatko. Liebend gerne wĂŒrden sich die Frauen ihren Anteil an den acht Millionen sichern, die irgendwo im Wald vergraben sind. Aber Mutter Haifa hat fĂŒr sich lĂ€ngst einen viel besseren Plan: Sie hat einen Job als Synchronsprecherin in einer angesagten Serie ergattert. Da zĂ€hlt ihre Stimme dann noch mehr als im Familienchaos.
Komische Untertöne und kuriose Wendungen
Zuweilen bekommt der Film eine richtig komische Note, wenn die Geschlechterklischees konterkariert werden und harte Kerle wie hilflose Memmen daherkommen. Auf der anderen Seite steht eine ganz Riege von auch schon Ă€lteren Darstellerinnen, die endlich einmal Hauptrollen spielen dĂŒrfen. «Es gibt wohl kaum etwas Heilsameres als eine Gemeinschaft von Frauen, die sich gegenseitig stĂ€rken, inspirieren und unterstĂŒtzen. Wir sind so unterschiedlich und haben es geliebt, zusammen diese Geschichte zu erzĂ€hlen», sagt Schauspielerin Sabrina Amali («Die NotĂ€rztin») laut ZDF-Pressetext.Â
Komplettiert wird die wehrhafte Riege von der AnwÀltin Alice König (Anja Kling), die immer wieder versucht, die Frauen behutsam auf den Weg des Gesetzes zu bringen.
Trotz komischer Untertöne und kurioser Wendungen liefert der Drehbuchautor Lars Becker mit seinem «Millionen Raub» keinen WohlfĂŒhl-Krimi ab. Er bleibt den Regeln des Gangsterfilms treu und prĂ€sentiert mit dem gnadenlosen Kredithai Artur (Raymond Tarabay) einen Racheengel, der keinen Fehltritt verzeiht und so schnell nicht zu besiegen ist. Wenn ĂŒberhaupt, dann nur von resoluten Frauen.









