Kino, Luc Besson

Caleb Landry Jones beeindruckt in «DogMan»

10.10.2023 - 10:14:43

MÀrchen, Krimi, Sozialdrama. «DogMan», der neue Film von Kultregisseur Luc Besson, ist vieles gleichzeitig. Nur eines nicht: subtil. Wer sich darauf einlÀsst, wird mit einem grandiosen Hauptdarsteller belohnt.

Manche Filme stellen sich nachtrĂ€glich als das Werk heraus, das einem Schauspieler den endgĂŒltigen Durchbruch brachte. FĂŒr den US-Amerikaner Caleb Landry Jones könnte das «DogMan» sein. Im neuen Film von Luc Besson lĂ€uft der 33-JĂ€hrige in einer facettenreichen, völlig verrĂŒckten Rolle zur Höchstform auf - in einem so eigenartigen wie großartigen Film.

Zur Handlung

«DogMan» ist ein mĂ€rchenhaftes Krimi-Drama ĂŒber einen Außenseiter namens Doug, der in einem KĂ€fig mit Hunden aufgewachsen ist. Als Erwachsener sitzt er im Rollstuhl, lebt völlig vereinsamt mit einem Rudel Hunden in einer verlassenen Schule, betĂ€tigt sich mit Hilfe seiner Tiere als Krimineller und tritt nebenher als Drag-KĂŒnstler auf.

Eine recht abwegige ErzĂ€hlkonstruktion, mit der Luc Besson ein Risiko eingeht. Vor allem, weil die letzten Filme des einstigen Star-Regisseurs («LĂ©on – Der Profi») eher mĂ€ĂŸige Kritiken bekommen haben. Und Besson in den vergangenen Jahren zudem mit einem Vergewaltigungsvorwurf konfrontiert war. 2023 stellte Frankreichs höchstes Gericht das Ermittlungsverfahren dazu ein.

Sein letzter, nicht besonders positiv aufgenommener Film erschien 2019. Besson stand gewissermaßen in der Pflicht, sich zu beweisen. Und das ist ihm gelungen - auch wenn «DogMan» zweifelsohne nicht jeden Geschmack treffen wird.

Die Ausgangskonstellation des Filmes: Doug wird nach einer Reihe von Verbrechen festgenommen und von einer Psychiaterin befragt. Im Laufe des Films erzÀhlt er ihr sein Leben.

Ein Schauspieler, der in seiner Rolle aufgeht

Caleb Landry Jones ist herausragend. Seine eindringliche Performance als schillernder Außenseiter zwischen Wahnsinn und Verlorensein brachte ihm schnell Vergleiche mit Joaquin Phoenix in «Joker» ein.

Man könnte ihm endlos zusehen. Wie er sich nach einer Drag-Performance sein Make-up entfernt und sich leicht demoliert ein LĂ€cheln abringt. Wie er eingehĂŒllt in eine Wolldecke mit leicht zittriger Stimme seinen Hunden vorliest. Wie er in absoluter Verzweiflung aus dem Innersten heraus brĂŒllt, nachdem er erfahren hat, dass seine Jugendliebe ein Kind von jemand anderem erwartet.

Eine vielseitige Hauptfigur

Doug ist vieles zugleich. Liebevoll und aggressiv, einsam und aufgehoben. Als Kind wuchs er in einer brutalen, armen Familie auf - der deutsche Schauspieler Clemens Schick spielt ĂŒbrigens seinen gewalttĂ€tigen Vater.

Neben seinen Hunden versteht er sich als Erwachsener aber auch mit einigen Nachbarn gut. Eines Tages lĂ€sst er seine Hunde einen Gangster einschĂŒchtern, weil dieser eine Freundin bedroht. Das hat böse Folgen. Der Film entwickelt sich vom Sozialdrama nun immer mehr zum Krimi mit brutalen Szenen.

Der Humor kommt aber nicht zu kurz. In Szenen, wenn Dougs Hunde ihm etwa beim Backen oder bei seinen EinbrĂŒchen helfen - sie also zu den Menschen werden, als die Doug sie ohnehin betrachtet -, wirkt es, als wĂŒrde «DogMan» sich ein bisschen ĂŒber sich selbst lustigmachen.

Kein subtiler Film

Vor allem eine Szene ragt heraus. Bei seiner ersten Drag-Performance wuchtet sich Doug aus seinem Rollstuhl, um im gleißenden Licht des Clubs Edith Piafs «La Foule» zu synchronisieren. FĂŒr die LĂ€nge eines Songs schaffe er es ohne Rollstuhl, sagt er. Und erschafft sich in den folgenden Minuten zuckend und schließlich im Takt wiegend eine neue IdentitĂ€t.

Nur in der Kunst fĂŒhlt sich Doug, der gerne Shakespeare zitiert, aufgehoben. «DogMan» ist kein subtiler Film, sondern zelebriert das Theatrale. Darauf muss man sich einlassen können. Und wird dafĂŒr mit einem schillernden StĂŒck Kino belohnt.

@ dpa.de