Bundesregierung, Sozialpolitik

ZDF-Politbarometer Februar I 2026: Drei Viertel: Deutsche arbeiten nicht zu wenig / Große Mehrheit: Putin hat kein Interesse an dauerhafter Waffenruhe

06.02.2026 - 09:03:47

Mainz - Aus Teilen der Union gibt es den Vorwurf, dass Arbeitnehmer in Deutschland im Allgemeinen zu wenig arbeiten. Lediglich 20 Prozent der Befragten meinen, dieser Vorwurf sei gerechtfertigt, 75 Prozent sind gegenteiliger Ansicht, darunter auch 52 Prozent der CDU/CSU-AnhĂ€nger (Rest zu 100 Prozent hier und im Folgenden jeweils "weiß nicht"). Wenn es jedoch um die Ankurbelung der Wirtschaft geht, sehen es 48 Prozent der Befragten als wichtig an, dass in Deutschland insgesamt mehr gearbeitet wird, 49 Prozent halten das fĂŒr weniger oder gar nicht wichtig. Klare Einstellungsunterschiede zeigen sich hier in AbhĂ€ngigkeit vom Alter: WĂ€hrend 61 Prozent der ab 60-JĂ€hrigen die Mehrarbeit als wichtigen Beitrag zur Konjunktur betrachten, sind es bei den 18- bis 34-JĂ€hrigen (36 Prozent) und den 35- bis 59-JĂ€hrigen (38 Prozent) deutlich weniger. Einigkeit gibt es hinsichtlich der Voraussetzungen fĂŒr ein Mehr an Arbeitsleistung: 89 Prozent halten hier eine Verbesserung der ökonomischen und politischen Rahmenbedingungen fĂŒr Arbeitnehmer fĂŒr wichtig (nicht wichtig: 9 Prozent).

Sozialleistungen in Deutschland

Beim Thema Sozialleistungen prĂ€ferieren 60 Prozent aller Befragten und Mehrheiten in den AnhĂ€ngergruppen von CDU/CSU, SPD, GrĂŒnen und Linke ein Land, in dem man hohe Steuern bezahlt, dafĂŒr aber auch die Sozialleistungen umfangreich sind. Insgesamt 27 Prozent, darunter die meisten AfD-AnhĂ€nger, sprechen sich hingegen fĂŒr ein Land mit niedrigen Steuern und geringen Sozialleistungen aus. Was den Umfang der bestehenden Sozialleistungen in Deutschland angeht, hĂ€lt ein Drittel (33 Prozent) der Befragten diesen fĂŒr zu groß, 19 Prozent fĂŒr zu klein und 43 Prozent sind mit dem Status Quo zufrieden.

Sozialversicherungen in Deutschland

Kritisch sind die Deutschen hinsichtlich des Zustands unserer Sozialversicherungen wie Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung: FĂŒr nur 9 Prozent ist da im Großen und Ganzen alles in Ordnung, fĂŒr 57 Prozent gibt es hier grĂ¶ĂŸere Probleme und fĂŒr 31 Prozent stehen die Sozialversicherungen kurz vor dem Zusammenbruch. Die Lösung der Finanzierungsprobleme bei diesen Versicherungen sieht eine Mehrheit von 58 Prozent der Deutschen hauptsĂ€chlich im Einsatz von mehr Steuermitteln. 15 Prozent ziehen LeistungskĂŒrzungen und 6 Prozent Beitragserhöhungen als primĂ€re Lösung vor. Gering ist in diesem Zusammenhang das Vertrauen in die Bundesregierung: Lediglich 25 Prozent gehen davon aus, dass Schwarz-Rot einen wichtigen Beitrag zur Lösung der Probleme bei den Sozialversicherungen leisten wird, fast drei Viertel (73 Prozent) haben daran Zweifel, darunter auch 47 Prozent der CDU/CSU- und 59 Prozent der SPD-AnhĂ€nger.

Projektion: Schwarz-Rot weiter ohne Mehrheit

Wenn am nĂ€chsten Sonntag wirklich Bundestagswahl wĂ€re, lĂ€ge die CDU/CSU unverĂ€ndert bei 26 Prozent, die AfD hĂ€tte leichte Verluste und kĂ€me auf 24 Prozent (minus 1). Die SPD bliebe bei 15 Prozent (unverĂ€ndert), die GrĂŒnen wĂŒrden sich auf 13 Prozent (plus 1) verbessern und die Linke wĂŒrde erneut 10 Prozent (unverĂ€ndert) erreichen. Alle anderen Parteien bekĂ€men zusammen 12 Prozent (unverĂ€ndert), darunter keine Partei, die mindestens drei Prozent erzielen wĂŒrde. Mit diesem Ergebnis hĂ€tte Schwarz-Rot nach wie vor keine parlamentarische Mehrheit.

Top Ten

Bei der Beurteilung von Politikerinnen und Politikern nach Sympathie und Leistung ("Was halten Sie von?") liegt Verteidigungsminister Boris Pistorius nach wie vor auf Platz eins. Er wird auf der Skala von +5 bis -5 mit einem Durchschnittswert von 2,0 (hier und im Folgenden Vergleichswert von Januar: 1,9) bewertet. Weiterhin mit großem Abstand folgen Johann Wadephul mit 0,6 (0,7), Lars Klingbeil mit 0,4 (0,4) und BĂ€rbel Bas mit 0,3 (0,0). Danach kommen Neueinsteigerin Heidi Reichinnek mit minus 0,4, Alexander Dobrindt mit minus 0,5 (minus 0,3), Friedrich Merz mit minus 0,7 (minus 0,4) und Katherina Reiche mit minus 0,9 (minus 0,6). Markus Söder liegt mit ebenfalls minus 0,9 (minus 0,5), sein schlechtester Wert seit fast acht Jahren, auf Rang neun. Schlusslicht bleibt Alice Weidel mit minus 2,6 (minus 2,5).

Ukraine-Krieg

Trotz laufender GesprĂ€che zwischen Russland und der Ukraine zur Beendigung des Krieges meinen nur 16 Prozent der Deutschen, darunter mit 51 Prozent weit ĂŒberdurchschnittlich viele AfD-AnhĂ€nger, dass der russische PrĂ€sident Putin ernsthaftes Interesse an einer dauerhaften Waffenruhe hat. 80 Prozent und klare Mehrheiten in den anderen ParteianhĂ€ngergruppen bezweifeln das. Folglich glaubt – Ă€hnlich wie in den vergangenen Monaten – der Großteil der Deutschen (91 Prozent) nicht, dass es in den nĂ€chsten Wochen zu einer dauerhaften Waffenruhe im Ukraine-Krieg kommen wird (kommt dazu: 6 Prozent). Zudem erwarten im Kontext dieses Krieges 45 Prozent einen Angriff Russlands auch auf östliche NATO-LĂ€nder wie Polen oder die baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen. 50 Prozent der Deutschen, darunter die meisten AfD-AnhĂ€nger (74 Prozent), rechnen nicht damit.

Konflikt zwischen Iran und USA

Vor dem Hintergrund der Lage im Iran und des Konflikts zwischen Iran und den USA finden es lediglich 17 Prozent der Deutschen gut, wenn die USA in Iran militĂ€risch eingreifen, 61 Prozent finden das schlecht und 12 Prozent ist das egal. Mit ursĂ€chlich fĂŒr diese mehrheitlich ablehnende Haltung ist sicher auch die Erwartung eines FlĂ€chenbrandes: Wenn es zu einem militĂ€rischen Eingreifen der USA in Iran kommt, prognostizieren knapp drei Viertel (73 Prozent) der Befragten eine Ausweitung des Konflikts auch auf andere LĂ€nder in der Region (keine Ausweitung: 21 Prozent). Zudem bezweifeln 58 Prozent, dass sich durch die geplanten GesprĂ€che zwischen den beiden LĂ€ndern die Lage beruhigen wird, 35 Prozent Ă€ußern sich dahingehend optimistisch.

Methodik der Umfrage

Die Umfrage zum Politbarometer wurde wie immer von der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen durchgefĂŒhrt. Die Interviews wurden in der Zeit vom 3. bis 5. Februar 2026 bei 1.289 zufĂ€llig ausgewĂ€hlten Wahlberechtigten telefonisch und online erhoben. Dabei wurden sowohl Festnetz- als auch Mobilfunknummern berĂŒcksichtigt. Die Befragung ist reprĂ€sentativ fĂŒr die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Der Fehlerbereich betrĂ€gt bei einem Anteilswert von 40 Prozent rund +/- drei Prozentpunkte und bei einem Anteilswert von 10 Prozent rund +/-zwei Prozentpunkte. Daten zur politischen Stimmung: CDU/CSU 27 Prozent, AfD 18 Prozent, SPD 17 Prozent, GrĂŒne 19 Prozent, Linke 10 Prozent. Das nĂ€chste Politbarometer sendet das ZDF am Freitag, 27. Februar 2026.

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