Im Nord-Osten die meisten vermeidbaren TodesfÀlle
27.06.2023 - 09:59:10Im Osten und Norden Deutschlands gibt es einer aktuellen Studie zufolge mehr vermeidbare TodesfĂ€lle als im SĂŒd-Westen der Republik. Demnach verringern solche TodesfĂ€lle die Lebenserwartung besonders stark in Vorpommern und Sachsen-Anhalt, wie das Bundesinstitut fĂŒr Bevölkerungsforschung (BiB) am Dienstag in Wiesbaden mitteilte.
«Aber auch einige von wirtschaftlichem Strukturwandel geprÀgte Regionen in Westdeutschland wie Ostfriesland, das Ruhrgebiet und das Saarland weisen eine Àhnlich hohe vermeidbare Sterblichkeit auf.»
Defizite bei FrĂŒherkennung und PrĂ€vention
Als «vermeidbar» wurden den Angaben zufolge alle TodesfĂ€lle eingestuft, die auf Basis des aktuellen medizinischen Wissensstandes durch Vorbeugung, FrĂŒherkennung oder eine optimale Behandlung zu verhindern gewesen wĂ€ren. In der Studie untersuchten die Forscher gemeinsam mit einem Kollegen der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne mehr als 100 Regionen im deutschsprachigen Raum.
Die geringste Zahl vermeidbarer TodesfĂ€lle verzeichneten demnach die Schweiz und SĂŒdtirol, gefolgt vom Westen Ăsterreichs und dem SĂŒden Deutschlands. Der Anteil der vermeidbaren TodesfĂ€lle an allen SterbefĂ€llen betrug in Deutschland den Angaben zufolge im Zeitraum von 2017 bis 2019 rund 19 Prozent. Bei MĂ€nnern ist der Anteil mit 24 Prozent höher als bei Frauen mit 13 Prozent.
Laut Studie waren in den Jahren 2017 bis 2019 in einigen Regionen Ostdeutschlands insgesamt 245 bis 270 SterbefĂ€lle je 100 000 Einwohner vermeidbar, in vielen sĂŒddeutschen Regionen zĂ€hlten dagegen nur 165 bis 185 SterbefĂ€lle zu dieser Kategorie.
«Obwohl der SĂŒden Deutschlands mit der Metropolregion MĂŒnchen und dem sĂŒdlichen Baden-WĂŒrttemberg im innerdeutschen Vergleich relativ gut dasteht, ist die vermeidbare Sterblichkeit in der Schweiz und in SĂŒdtirol noch einmal merklich niedriger», erlĂ€uterte der MortalitĂ€tsforscher Michael MĂŒhlichen vom Bundesinstitut. Dabei sei der Abstand zur Schweiz und SĂŒdtirol in den zurĂŒckliegenden Jahren noch gewachsen.
Rauchen und Alkoholmissbrauch
Nach seiner EinschĂ€tzung besteht in allen Regionen Deutschlands noch Potenzial, vermeidbare TodesfĂ€lle zu reduzieren - etwa durch mehr PrĂ€vention und bessere FrĂŒherkennung. Die hohe Zahl an vermeidbaren TodesfĂ€llen steht nach EinschĂ€tzung der Wissenschaftler im Kontrast zu den Ausgaben der deutschen Gesundheitsversorgung, die pro Kopf im weltweiten Vergleich mit zu den höchsten gehörten. Die Autoren sehen unter anderem Verbesserungsbedarf im Kampf gegen Rauchen oder Alkoholmissbrauch. Auch bei der FrĂŒherkennung hinke Deutschland hinterher.
Bei der «vermeidbaren Sterblichkeit» werden laut Studie TodesfÀlle im Alter bis 75 Jahren untersucht. Dabei unterscheiden die Forscher auf Basis der Todesursachenstatistik zwischen «medizinisch vermeidbaren» FÀllen, die mit angemessener und rechtzeitiger Behandlung verhindert werden könnten, und solchen FÀllen, denen mit effizienter PrÀvention hÀtte vorgebeugt werden können. Als Basis der Berechnungen dienten standardisierte Sterberaten.


