Deutschland, Rheinland-Pfalz

Mehr als 3.000 Angriffe – Bahn setzt auf Bodycams und Teams

05.02.2026 - 15:02:48 | dpa.de

Mehr als 3.000 Angriffe im Jahr – trotz Bodycams und Sicherheitsteams bleibt das Risiko fĂŒr Bahnmitarbeiter hoch. Was Bahn und Polizei fĂŒr die Sicherheit tun.

  • Die Deutsche Bahn setzt auf Videotechnik fĂŒr mehr Sicherheit. (Archivbild) - Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa
  • Die Trauer um Serkan C. ist groß. - Foto: Wolfgang Jung/dpa
  • Tausende Kameras sind in Bahnhöfen installiert. (Archivbild) - Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa
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Wie ist es um die Sicherheit in ZĂŒgen und auf den Bahnhöfen bestellt? Nach dem tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter nahe Kaiserslautern in Rheinland-Pfalz wird die Frage diskutiert, ob und wie die Sicherheit verbessert werden kann. Hier wichtige Fragen und Antworten zu dem Thema:

Nehmen Übergriffe auf Bahnbedienstete zu?

Eindeutig ja, sagt die Deutsche Bahn. Seit Jahren steige die Zahl der VorfĂ€lle, die Hemmschwelle sinke kontinuierlich. Es komme immer wieder zu verbalen und tĂ€tlichen Übergriffen gegen Mitarbeitende etwa bei Fahrkartenkontrollen, am Rande von Volksfesten, Fußballspielen oder anderen Großveranstaltungen. 

2025 gab es dem Unternehmen zufolge mehr als 3.000 Angriffe, entsprechend ungefĂ€hr acht pro Tag. Die HĂ€lfte der Attacken richtet sich laut Bahn gegen BeschĂ€ftigte im Regionalverkehr, SicherheitskrĂ€fte seien in gut einem Drittel der FĂ€lle betroffen. Auch ReinigungskrĂ€fte oder ServicekrĂ€fte an Bahnhöfen wĂŒrden angegangen. 

Wer ist fĂŒr die Sicherheit in ZĂŒgen und Bahnhöfen zustĂ€ndig?

Die Deutsche Bahn hat eigene Sicherheitsteams im Einsatz, von staatlicher Seite ist die Bundespolizei zustÀndig. Dabei geht es nach Zahlen der Bundespolizei deutschlandweit um rund 5.700 Bahnhöfe und 33.500 Streckenkilometer. In NotfÀllen greift aber auch die Landespolizei ein. 

Was wird fĂŒr die Sicherheit getan?

Die Deutsche Bahn setzt neben Sicherheitspersonal und PrĂ€ventionskampagnen unter anderem auf großflĂ€chige VideoĂŒberwachung in ZĂŒgen und auf Bahnhöfen. Derzeit gibt es demnach rund 11.000 Kameras an Bahnhöfen, ungefĂ€hr 57.000 Kameras gebe es in fast drei Viertel aller Nahverkehrs- und S-Bahn-ZĂŒge. 

Wie werden Bahnmitarbeiter geschĂŒtzt?

Die Deutsche Bahn verweist auf ein ganzes BĂŒndel von Maßnahmen fĂŒr Mitarbeiter mit Kundenkontakt, wie es heißt. Dazu zĂ€hlen beispielsweise Deeskalationstrainings in Fortbildungen. Die SicherheitskrĂ€fte werden speziell darin geschult, Angriffe abzuwehren. Alle Mitarbeiter sollen VorfĂ€lle ĂŒber eine App auf ihren Smartphones melden. Einen hundertprozentigen Schutz gebe es aber angesichts einer derart hemmungslosen Gewalt nicht, betont die Bahn.

Die Bahn rĂŒstet außerdem immer mehr Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Bodycams aus, wenn sie das wĂŒnschen, wie das Unternehmen auf Anfrage mitteilte. Bodycams sind kleine am Körper getragene Kameras. Derzeit gibt es einem Bahn-Sprecher zufolge bundesweit rund 1.400 Bodycams fĂŒr Zugbegleiter bei DB Regio. Das Tragen der Kameras sei freiwillig, vorab gebe es eine Schulung. Hinzu kommen demnach Bodycams bei Bediensteten der DB Sicherheit.

Helfen Bodycams gegen Übergriffe?

Die kleinen Kameras am Körper laufen in der Regel nicht dauerhaft, sondern werden dann eingeschaltet, wenn eine Situation zu eskalieren droht. Die Deutsche Bahn hat nach eigener Aussage gute Erfahrungen damit gemacht, weil sich Konflikte schnell beruhigen ließen, wenn die Kamera gesehen werde. Auch die Polizei setzt zunehmend auf Bodycams und berichtet auch von positiven Erfahrungen damit, weil sie TĂ€ter von einer direkten Konfrontation abschreckten. 

Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG fordert, noch mehr BeschĂ€ftigte mit Bodycams auszustatten sowie eine Doppelbesetzung in RegionalzĂŒgen - damit nicht ein Mitarbeiter allein im Zug unterwegs sein muss. 

Welche UnterstĂŒtzung bekommen BeschĂ€ftigte, die attackiert wurden?

Bahn-BeschĂ€ftige, die von Übergriffen betroffen sind, können sich nach Angaben des Unternehmens kostenlos an ein Team mit rund 60 Psychologen sowie Sozialberatern wenden.

Braucht es auch hÀrtere Strafen?

Der Deutsche Richterbund hĂ€lt die Diskussion um GesetzesverschĂ€rfungen nicht fĂŒr zielfĂŒhrend. «Der bekannte Reflex in der Politik, das Strafrecht verschĂ€rfen zu wollen, ist nachvollziehbar, aber nicht die richtige Antwort. FĂŒr Tötungsdelikte sieht das Strafrecht schon heute schwerste Strafen vor», sagte BundesgeschĂ€ftsfĂŒhrer Sven Rebehn der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. 

Unter anderem Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte nach der Tat erklĂ€rt, der strafrechtliche Schutz fĂŒr Mitarbeiter von Dienstleistungsunternehmen wie der Bahn mĂŒsse deutlich verschĂ€rft und der Strafrahmen ausgeweitet werden.

Wie ist der Stand der Ermittlungen im Fall von Serkan C.?

Sie laufen auf Hochtouren. Die Polizei wertet Spuren und Videos aus dem Zug aus. Außerdem werden Zeugen befragt, wie die Leitende OberstaatsanwĂ€ltin Iris Weingardt in ZweibrĂŒcken sagte. Zudem seien weitere rechtsmedizinische und kriminaltechnische Untersuchungen beauftragt worden. 

Der Haftbefehl gegen den 26-JÀhrigen, der zunÀchst auf versuchten Totschlag lautete, soll nach dem Tod des Bahnmitarbeiters auf Totschlag geÀndert werden. Er soll den Zugbegleiter mit FaustschlÀgen so schwer verletzt haben, dass er spÀter im Krankenhaus starb.

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