Fat, Bear-Wahl

«Fat Bear»-Wahl in Alaska - Wer siegt als dickster BraunbÀr?

01.10.2024 - 08:14:50

Meister im Lachsfressen haben bei der «Fat Bear»-Wahl in Alaska gute Karten. Juroren aus aller Welt stimmen ab. Ein tödlicher Kampf vor laufender Kamera ĂŒberschattet diesmal den kuriosen Wettstreit.

  • Kann BraunbĂ€rin Grazer in diesem Jahr ihren Titel verteidigen? (Archivbild) - Foto: F. Jimenez/National Park Service/AP/dpa

    F. Jimenez/National Park Service/AP/dpa

  • FĂŒr den BĂ€ren-Nachwuchs gibt es einen Junior-Wettbewerb. - Foto: C. Cravatta/National Park Service/AP/dpa

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  • Im Sommer mĂŒssen die BraunbĂ€ren vor der Winterruhe anspecken. - Foto: T. Carmack/National Park Service/AP/dpa

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  • Die BraunbĂ€rin 402 hat den Angriff eines mĂ€nnlichen BĂ€ren nicht ĂŒberlebt. - Foto: -/Katmai National Park and Preserve/dpa

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Kann BraunbĂ€rin Grazer in diesem Jahr ihren Titel verteidigen? (Archivbild) - Foto: F. Jimenez/National Park Service/AP/dpaFĂŒr den BĂ€ren-Nachwuchs gibt es einen Junior-Wettbewerb. - Foto: C. Cravatta/National Park Service/AP/dpaIm Sommer mĂŒssen die BraunbĂ€ren vor der Winterruhe anspecken. - Foto: T. Carmack/National Park Service/AP/dpaDie BraunbĂ€rin 402 hat den Angriff eines mĂ€nnlichen BĂ€ren nicht ĂŒberlebt. - Foto: -/Katmai National Park and Preserve/dpa

Mit ihren kolossalen Kurven setzte sich BraunbĂ€rin Grazer bei den letzten «Fat Bear»-Wahlen durch. Bei der KĂŒr zum fettesten Pelztier des Katmai-Nationalparks sahnte sie in der Endrunde deutlich mehr Stimmen ab als das imposante MĂ€nnchen Chunk (auf Deutsch «Klotz»). Das «gefrĂ€ĂŸige MĂ€dchen» habe den «Kerl mit der Wampe» ausgestochen, resĂŒmierte vor einem Jahr die Parkverwaltung im nördlichsten US-Bundesstaat. Jetzt ist es wieder so weit: Bei dem kuriosen Wettstreit der fettesten BĂ€ren treten zwölf Kandidatinnen und Kandidaten an.

Zum zehnten Mal veranstaltet der Park im SĂŒdwesten von Alaska die «Fat Bear Week». Online können Besucher und BĂ€ren-Fans eine Woche lang fĂŒr die dicksten Prachtexemplare stimmen. Der Gewinner wird am «Fat Bear»-Dienstag (8. Oktober) gekĂŒrt. Im vorigen Jahr hĂ€tten ĂŒber elf Millionen Menschen den BĂ€ren via Webcam beim Lachsfressen in den Stromschnellen des Brooks Flusses zugeschaut, erzĂ€hlt Ranger Matt Johnson der Deutschen Presse-Agentur im Telefon-Interview. «Sie lieben es einfach», begeistert sich der Park-Mitarbeiter. Fast 1,4 Millionen Juroren aus aller Welt gaben ihre Stimme bei dem Wettbewerb ab. 

Todeskampf in den Stromschnellen 

Doch ein tödliches Drama vor laufender Kamera ĂŒberschattet diesmal den Auftakt der beliebten Wahl-KĂŒr, die am Mittwoch startet. Auf einer Webcam entlang des Flusses, wo oft Dutzende BraunbĂ€ren auf Futtersuche gehen, spielte sich am Montagmorgen (Ortszeit) ein bitterer Kampf zwischen einem Weibchen (Kennung 402) und einem MĂ€nnchen (469) ab. Zu sehen ist, wie sie minutenlang im Wasser miteinander ringen, sich beißen und mit ihren Krallen aufeinander losgehen. Nach einer Weile ist nur noch Exemplar 469 zu sehen, der die tote BĂ€rin an Land zieht. 

Solche tödlichen ZweikĂ€mpfe zwischen erwachsenen BĂ€ren seien selten, sagt der Naturkundler Mike Fitz, sichtlich schockiert, in einem Videochat mit zwei Rangerinnen auf der «Fat Bear»-Webseite. Streitereien um die FischgrĂŒnde endeten meist schnell und nur mit kleinen Verletzungen. «Es ist schwierig mit anzusehen, wie die BĂ€rin um ihr Leben kĂ€mpft», pflichtet die ParkhĂŒterin Naomi Boak bei. Es gab Hinweise darauf, dass 469 den Kadaver verzehren wollte. Die getötete BĂ€rin war erstmals 2001 als Jungtier im Katmai-Park aufgefallen. Sie brachte mindestens achtmal Nachwuchs zu Welt und war zuletzt 2023 als Kandidatin bei der «Fat Bear»-Wahl im Rennen. 

Nach dem unerwarteten Todesfall wurde die fĂŒr Montag geplante Vorstellung der zwölf AnwĂ€rter um einen Tag verschoben. Am Wahlauftakt (Mittwoch) hĂ€lt der Park aber fest. 

Der Wettbewerb will informieren

Der «Fat Bear»-Wettstreit soll ĂŒber das Ökosystem und den Lebensraum der ĂŒber 2000 BraunbĂ€ren in der Region informieren und auf Gefahren, etwa durch den Klimawandel, aufmerksam machen. Das Gebiet hat mit die grĂ¶ĂŸten BraunbĂ€r- und LachsbestĂ€nde der Welt. Auf die kalorienreiche Kost sind die Pelztiere angewiesen, um mit diesen Fettreserven dann die monatelange Winterruhe ohne zu Fressen zu ĂŒberstehen. Dabei verlieren sie rund ein Drittel ihres Körpergewichts. 

In diesem Jahr seien die LachszĂŒge leicht verspĂ€tet gekommen und die Fische seien etwas kleiner gewesen, sagt Matt Johnson. Zudem sei der Sommer recht warm gewesen. Steigende Wassertemperaturen könnten die LachsbestĂ€nde gefĂ€hrden, warnt der Ranger. 

Mit Lachs anspecken 

Lachse sind wahre Kalorienbomben und damit fĂŒr BraunbĂ€ren der perfekte Leckerbissen. Otis, ein mehrmaliger «Fat Bear»-Champion, sei dabei beobachtet worden, in gut fĂŒnf Stunden 42 Lachse zu verspeisen, erzĂ€hlt Johnson. Je nach GrĂ¶ĂŸe könne ein Fisch bis zu 6000 Kalorien liefern. 

Chunk, ein MĂ€nnchen mit einem ausladenden Hinterteil, sei in diesem Sommer mit seiner KörperfĂŒlle aufgefallen, sagt der Ranger. Im vorigen Jahr brachte er nach SchĂ€tzungen rund 550 Kilo auf die Waage. Auch der mĂ€chtige BĂ€r 747 mit dem Spitznamen Jumbo Jet hat gewöhnlich viele Fans. Doch nicht nur das geschĂ€tzte Endgewicht gibt bei dem Wettbewerb den Ausschlag. Auch andere Faktoren wie Fressverhalten, Temperament und Fischfang-KĂŒnste wiegen schwer. Wie geschickt fangen die BĂ€ren in den Stromschnellen Lachse, wie gut verteidigen sie ihren Standort? 

Bei dem Beliebtheits-Wettbewerb legen sich BĂ€ren-Fans mit Kommentaren fĂŒr ihre Lieblinge ins Zeug. Grundlage dafĂŒr sind Vorher-Nachher-Fotos der Kandidaten und Kandidatinnen. Nach der Winterruhe sind die BĂ€ren abgemagert, bis zum Herbst specken sie deutlich an.

Auf der Online-Plattform «Explore.org» werden in der «Fat Bear Week» tĂ€glich BĂ€ren zur Abstimmung prĂ€sentiert. Nach sechs Runden stehen sich im Finale dann nur noch zwei der ursprĂŒnglich zwölf Mitstreiter gegenĂŒber. 

Auch JungbÀren haben eine Chance 

Einen Nachwuchs-Gewinner gibt es jetzt schon. Vorige Woche richtete Katmai den «Fat Bear Junior»-Wettstreit mit vier pummeligen Jungtieren aus. BĂ€rin Nr. 909, die schon vor zwei Jahren den Titel holte, fraß sich nun als knapp VierjĂ€hrige wieder ordentlich rund. Das Vorher-Foto von Anfang Juli zeigt einen mageren Vierbeiner mit struppigem Pelz, das Nachher-Foto aus dem September eine fĂŒllige BĂ€rin. 

 

 

@ dpa.de