Lage in Griechenland spitzt sich zu
07.09.2023 - 11:13:36Die Hochwassersituation in den von Starkregen betroffenen Gegenden Mittelgriechenlands hat sich am Donnerstag zugespitzt. MinisterprĂ€sident Kyriakos Mitsotakis beauftragte das MilitĂ€r, zu helfen. Erstmals konnten im Laufe des Tages auch Hubschrauber Menschen von den DĂ€chern der HĂ€user in den ĂŒberfluteten Gebieten retten. Derweil stieg die Zahl der Todesopfer auf vier, wobei noch unklar blieb, wie viele Menschen vermisst werden.
Das MilitĂ€r soll auch mit schwerem GerĂ€t wie gepanzerten Fahrzeugen helfen, die zu den isolierten Dörfern vordringen können, wie Regierungssprecher Pavlos Marinakis sagte. Zudem sollen MilitĂ€ringenieure behelfsweise BrĂŒcken dort installieren, wo welche eingestĂŒrzt sind. Jenen, die ihr Hab und Gut in den Fluten verloren haben, werde so schnell wie möglich finanziell unter die Arme gegriffen, versprach die Regierung.
Zerstörte StraĂen, kein Strom
Das Wasser hat das Land mittlerweile geradezu in zwei geteilt: Seit Dienstagabend ist die wichtigste Autobahn zwischen Athen und Thessaloniki auf einer Strecke von 200 Kilometern gesperrt. Die Hafenstadt Volos ist von der Umwelt fast völlig abgeschnitten. ZufahrtsstraĂen sind zerstört oder ĂŒberflutet, auch der FĂ€hrverkehr wurde eingestellt. Zudem ging das Trinkwasser in SupermĂ€rkten zur Neige - Strom und damit Wasserversorgung gibt es seit Tagen nicht.
WĂ€hrend der Rest von Griechenland kaum oder gar nicht betroffen ist - etwa die beliebten Urlaubsziele Kreta, Peloponnes, Kykladen und Chalkidiki - bleibt die Lage in vielen Dörfern der Region Thessalien unklar. Die Orte sind von der AuĂenwelt abgeschnitten.
Wegen des schweren Wetters konnten erst im Laufe des Donnerstags Hubschrauber zum Einsatz kommen. Videos in griechischen Medien zeigten waghalsige Rettungsaktionen in der immer noch von stĂŒrmischen Winden heimgesuchten Region.
«Thessaliens Flachland ist ein riesiger See», sagte Feuerwehrsprecher Giannis Artopoios dem Sender ERTnews. Vielerorts stehe das Wasser höher als zwei Meter. In der gesamten Region leben rund 700.000 Menschen - so gut wie alle seien von der Flut betroffen. «Wir hatten binnen 36 Stunden gut 5000 Notrufe, so etwas gab es noch nie», sagte Artopoios. Er bat die Menschen, weiterhin anzurufen - jene, die nicht unmittelbar gefÀhrdet seien, rief er jedoch zu Geduld auf.
Viele Dörfer abgeschnitten
Die offizielle Zahl der Toten stieg am Donnerstag auf vier, als nahe der Stadt Domokos die Leiche eines Hirten geborgen wurde. Das Opfer sei im Geröll entdeckt worden, teilte die Feuerwehr mit. Ăber die Zahl der Vermissten hingegen konnten keine abschlieĂenden Angaben gemacht werden. Zu viele Dörfer konnten noch nicht erreicht werden, auch haben die Menschen in den ĂŒberfluteten Gebieten mittlerweile oft leere Handy-Akkus und können nicht mit der AuĂenwelt kommunizieren und Vermisste melden.
Zwar regnete und stĂŒrmte es in der betroffenen Region zunĂ€chst weiter und die Pegel stiegen immer höher, insgesamt aber gaben die Meteorologen vorsichtig Entwarnung: Bis zum Donnerstagabend sollen die RegenfĂ€lle aufhören.
Dann dĂŒrften die gewaltigen SchĂ€den, die die schweren Unwetter verursacht haben, erstmals komplett sichtbar werden. Die BĂŒrgermeister der betroffenen Gegenden sprachen in griechischen Medien von eingebrochenen StraĂen und BrĂŒcken, von gekappten Stromverbindungen, aber auch von zerstörten HĂ€usern und Unternehmen. Die SchĂ€den dĂŒrften in die Milliarden gehen.
Wasser bis zu den DĂ€chern
In der Stadt Karditsa reichte das Wasser vielerorts bis zu den DĂ€chern der HĂ€user, so dass sich die Bewohner auf die DĂ€cher retten mussten. «Das Wasser ist an manchen Stellen bis zu vier Meter hoch», sagte der Bewohner eines nahe gelegenen Ortes dem Sender Mega. Ihr Dorf sei unzugĂ€nglich, die ganze Ebene ĂŒberflutet, RettungskrĂ€fte könnten nicht kommen. «Vielleicht mit Hubschraubern, aber wo sollen sie landen? Es gibt kein Land mehr!», sagte ein Mann.
Thessalien gilt als die Kornkammer Griechenlands. Was das Extremwetter fĂŒr die Ernte bedeutet, steht noch lĂ€ngst nicht fest. Die meisten Felder dĂŒrften zerstört sein.







