Intensiver, Start

Intensiver Start in die Pollensaison

20.02.2024 - 14:24:20 | dpa.de

Menschen mit Heuschnupfen merken es bereits an den trÀnenden Augen oder der laufenden Nase: Die Pollensaison hat begonnen. Diese Pflanzen bereiten Betroffenen bereits im Winter Probleme.

Ein Korkenzieher-Haselnuss-Strauch: Vor allem in StÀdten ist zu beobachten, dass Pflanzen bei einer hohen Schadstoffkonzentration mehr Pollen produzieren. - Foto: Felix KÀstle/dpa
Ein Korkenzieher-Haselnuss-Strauch: Vor allem in StÀdten ist zu beobachten, dass Pflanzen bei einer hohen Schadstoffkonzentration mehr Pollen produzieren. - Foto: Felix KÀstle/dpa

Bereits im Januar begann bei vielen Allergikern die Nase zu jucken, mittlerweile ist die Pollensaison in vollem Gange: Zum Leidwesen vieler Betroffener produzieren einige Pflanzen wegen der derzeit milden Temperaturen besonders krÀftig Pollen, wie die Experten der EuropÀischen Allergiestiftung Ecarf und der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst (PID) am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Berlin berichteten. 

«Die Erle hat schon sehr frĂŒh Anfang Februar mit starken Belastungen begonnen», sagte Matthias Werchan von der PID. Auch Pappel, Eibe, Ulme und ZypressengewĂ€chse blĂŒhen nach Angaben des Landschaftsökologen bereits und können fĂŒr Beschwerden sorgen. «Der Februar ist wĂ€rmer als ein durchschnittlicher MĂ€rz bisher. Und da reagiert die Natur natĂŒrlich stark.»

Keine Verschnaufpause mehr fĂŒr Allergiker

Der Pollenflug der Hasel habe bereits zum Jahreswechsel begonnen, seit einigen Wochen stĂ€ube die Pflanze mit zum Teil hoher IntensitĂ€t. Von einem FrĂŒhstart der Saison kann man laut Werchan dieses Jahr aber nicht sprechen. «Es ist fast die Regel, dass zur Weihnachtszeit die Hasel blĂŒht.» FrĂŒher galten die Wintermonate als Verschnaufpause fĂŒr Allergiker. Mittlerweile beobachten Fachleute, dass sich wegen des Klimawandels beinahe die Zeiten ĂŒberschneiden, in denen die letzten Pollen der Vorsaison verschwinden und die ersten der neuen Saison auftauchen. Als einzige Verschnaufpause bleibe Allergikern nach Angaben des PID-Experten fast nur noch der November.

Die Entwicklung der diesjÀhrigen Pollensaison sei schwer vorherzusagen, da sie stark von der Witterung abhÀngt, sagte Werchan. Noch sei nicht abzusehen, ob die Birkenpollen Menschen mit Heuschnupfen bereits im MÀrz oder erst im April Probleme bereiteten.  

Zahl der Betroffenen hoch

Einer Befragung des Robert Koch-Instituts (RKI) zufolge, die von 2008 bis 2011 stattfand, leiden rund 15 Prozent der Deutschen an Heuschnupfen, knapp neun Prozent an Asthma bronchiale. WÀhrend bei Heuschnupfen die oberen Atemwege in Mitleidenschaft gezogen sind, ist es bei Asthma die Lunge: Betroffene haben zum Beispiel AnfÀlle von Atemnot. Dem RKI zufolge hat die HÀufigkeit allergischer Erkrankungen seit den 1970er Jahren in LÀndern mit westlichem Lebensstil stark zugenommen und sich auf einem hohen Niveau stabilisiert. Die HÀufigkeit von Asthma steige weiter an.

Allergien zĂ€hlen nach Angaben von Torsten Zuberbier von Ecarf weltweit zu den hĂ€ufigsten chronischen Erkrankungen. «Anders als bei anderen medizinischen Problemen können wir bei Allergien helfen», sagte der Experte am Dienstag. Gegen die Symptome können Betroffene etwa Nasensprays, Augentropfen und Tabletten nutzen. An der Ursache setzt eine Immuntherapie etwa mit Spritzen oder Tabletten (Hyposensibilisierung) an. Um die Beschwerden zu verringern, wĂŒrde es laut Zuberbier auch helfen, die BegrĂŒnung von StĂ€dten allergiefreundlicher zu gestalten. StadtgrĂŒn sei wichtig, allerdings sollte bei Neupflanzungen lieber auf Pollenschleudern wie Birken verzichtet werden.

Klimawandel wirkt sich auf Pollensaison aus

Wegen des Klimawandels und der dadurch verlÀngerten Pollenflugzeit haben Allergiker nach Angaben der Direktorin der Umweltmedizin am Uniklinikum Augsburg, Claudia Traidl-Hoffmann, im Prinzip das ganze Jahr Symptome. «Sie leiden lÀnger und sie leiden mehr, weil mehr Pollen pro Tag fliegen», sagte die Allergologin der Deutschen Presse-Agentur. Ebenfalls zur Belastung werden könne die Tatsache, dass der Klimawandel neue Pflanzen und damit auch neue Pollen und neue Allergien nach Deutschland bringe.

Die Entwicklung ist nach Angaben der Ärztin vor allem fĂŒr schwere Asthmatiker und fĂŒr Ă€ltere Menschen ein Problem. «Aber gerade auch unsere Kinder leiden natĂŒrlich wahnsinnig darunter.» Wer stĂ€ndig niesen muss oder sich erschöpft fĂŒhlt, kann sich auch in der Schule schlechter konzentrieren. 

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