Terrorgefahr: SchÀrfere Kontrollen auf Wiesn
12.09.2024 - 15:54:01In Solingen ersticht ein Mann drei Menschen, in MĂŒnchen schieĂt ein TĂ€ter auf das NS-Dokuzentrum und das Generalkonsulat Israels: Kurz vor dem Oktoberfest mit Millionen Besuchern sorgen mutmaĂlich islamistische Terrortaten fĂŒr Unruhe - das Fest startet nun mit verschĂ€rften SicherheitsmaĂnahmen.Â
An den EingĂ€ngen werden erstmals stichprobenartig und verdachtsabhĂ€ngig Hand-Metalldetektoren eingesetzt. Die Mediengruppe «Merkur/tz» hatte darĂŒber berichtet. «Wir werden sicherlich mehr Ordner haben», sagte der Festleiter und Wirtschaftsreferent Clemens BaumgĂ€rtner (CSU) der Deutschen Presse-Agentur weiter. «Wir werden sicherlich auch einzelne Abtastungen sehen.» Ebenfalls stichprobenartig und verdachtsabhĂ€ngig.Â
Kontrollen an den EingĂ€ngen und hohe PolizeiprĂ€senz gehören seit langem zum ausgeklĂŒgelten Sicherheitskonzept fĂŒr die Wiesn, die als gröĂtes Volksfest der Welt gilt. Sie beginnt am 21. September und dauert bis 6. Oktober.Â
Bedrohungslage nicht anders als bundesweit
«FĂŒr Bayern und die Wiesn 2024 liegen uns derzeit keine konkreten GefĂ€hrdungshinweise vor. Die abstrakte GefĂ€hrdungslage durch den islamistischen Terrorismus ist aber sehr hoch», sagt Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU). «Vor allem der Nahost-Konflikt, der weiter zu eskalieren droht, verschĂ€rft das GefĂ€hrdungspotential, auch durch die Terrormiliz Islamischer Staat.» Die Sicherheitsbehörden seien höchst wachsam, jedem Hinweis werde akribisch nachgegangen.Â
«Momentan gibt es keine Erkenntnisse der Polizei, dass das Oktoberfest einer besonderen Bedrohung ausgesetzt ist», sagt auch BaumgĂ€rtner. Die Wiesn zĂ€hle zu den sichersten Volksfesten. Aber: «Wir stoĂen an Grenzen, absolute Sicherheit gibt es nicht. Es ist immer noch ein Volksfest, das offen ist fĂŒr jedermann.»Â
Ăhnlich Ă€uĂerte sich OberbĂŒrgermeister Dieter Reiter (SPD), der am 21. September das Fest eröffnet. «NatĂŒrlich werden wir alles tun, um die Wiesn-Besucherinnen und -Besucher bestmöglich zu schĂŒtzen.»Â
Erfahrung mit Terrorsorgen vor der Wiesn
Die MĂŒnchner haben Erfahrung mit Terrorwarnungen vor dem Oktoberfest. 2009 hatten islamistische Drohungen Behörden und Wiesnfans aufgeschreckt. Nach einem Video des Terrornetzwerks Al-Qaida mit Wiesn-Bezug wurde das FestgelĂ€nde eilig mit Lastwagen gegen Angriffe gesichert. Damals wurden Sperrringe gezogen, die bis heute GĂŒltigkeit haben. Etwa dĂŒrfen nur Anwohner mit dem Auto in die Zone um das FestgelĂ€nde fahren.Â
2016 und 2017 wurden die Vorkehrungen nach Lastwagen-AnschlĂ€gen in Nizza, Berlin London und Barcelona weiter angepasst. Seit 2016 ist das GelĂ€nde komplett umzĂ€unt.Â
Die Zufahrten versperren inzwischen Poller und PflanzenkĂŒbel aus Beton - die mit bunten Blumen eher sogar den fröhlichen Charakter des Fests unterstreichen.Â
2017 beschloss der Stadtrat als Konsequenz aus Lkw-AnschlĂ€gen, dass sĂ€mtliche Fahrer und Mitfahrer der Lieferwagen fĂŒr das Fest einer SicherheitsĂŒberprĂŒfung unterzogen werden. In Stichproben werden die Fahrzeuge kontrolliert, die tĂ€glich Wagenladungen von Brezen, WĂŒrsten und anderen Schmankerln fĂŒr Zehntausende GĂ€ste herankarren.Â
Taschen und RucksĂ€cke mit mehr als drei Litern Volumen dĂŒrfen nicht mitgenommen werden. Messer und Glasflaschen sind verboten. Ăber dem GelĂ€nde gelten Flugverbote, auch fĂŒr Drohnen. Mehr als 50 Videokameras helfen bei der Ăberwachung. Polizeibeamte sind mit Bodycams unterwegs.Â
Spagat zwischen Sicherheit und FeiernÂ
Rund 600 Polizisten und an die 2200 Ordner waren im Vorjahr im Einsatz. Zahlen fĂŒr dieses Jahr wollen Polizei und Kreisverwaltungsreferat Mitte nĂ€chster Woche vorstellen.Â
«Die vergangenen Jahre haben gezeigt, wie gut der Spagat zwischen hohem Sicherheitsniveau und ausgelassenem Feiern gelingen kann», sagt Innenminister Herrmann dazu. «Wir dĂŒrfen jedenfalls den Terroristen nicht auf den Leim gehen. Denn das Hauptziel von AnschlĂ€gen ist, in der westlichen Welt fĂŒr Verunsicherung zu sorgen und uns in unserer freiheitlichen Lebensgestaltung zu beeintrĂ€chtigen.»
GĂ€stezahlen sanken nach Terrortaten
Fast immer sanken in Jahren mit Terrorsorgen die Besucherzahlen deutlich unter die Sechs-Millionen-Marke. 5,5 Millionen waren es laut Statistik der Stadt 2001 nach den AnschlÀgen vom 11. September in New York; 5,7 Millionen kamen im Jahr der Al-Quaida-Drohung 2009; 5,6 Millionen waren es 2016.
Noch weniger Besucher kamen nur 1980, als die Bombe eines Rechtsextremisten zwölf Besucher und den TÀter in den Tod riss. Damals negierten die Behörden den Terror-Hintergrund. Die Spuren waren am nÀchsten Tag beseitigt - es wurde einfach weiter gefeiert. Manchen schreckte die Tat wohl doch: Die GÀstezahl lag mit 5,1 Millionen so niedrig wie nie mehr danach.
FĂŒr dieses Jahr rechnet Wiesnchef BaumgĂ€rtner nicht mit weniger GĂ€sten. «Ich glaube nicht, dass es sich auf die Besucherzahlen auswirkt, das wĂŒrde man jetzt schon bei potenziellen Stornierungen sehen.» Es könnten vielmehr nicht alle ReservierungswĂŒnsche erfĂŒllt werden. «Die Wiesn ist dieses Jahr ĂŒberbucht. Das ist ein Zeichen genau fĂŒr das Gegenteil.»
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