HĂ€schenschule, Millionenfach

100 Jahre «HÀschenschule»: Eine neue Version polarisiert

19.08.2024 - 06:00:37 | dpa.de

Millionenfach hat sich «Die HÀschenschule» verkauft. Nun wird der Kinderbuchklassiker 100 Jahre alt - und zum JubilÀum gibt es eine neue Fassung von Komikerin Anke Engelke. Doch die empört so manchen.

Das Kinderbuch steht bis heute in vielen BĂŒcherregalen.  - Foto: Hendrik Schmidt/dpa
Das Kinderbuch steht bis heute in vielen BĂŒcherregalen. - Foto: Hendrik Schmidt/dpa

«Kinder», spricht die Mutter Hase, «putzt euch noch einmal die Nase mit dem Kohlblatt-Taschentuch! Nehmt nun Tafel, Stift und Buch!» Die Verse sind Generationen von Menschen seit ihrer Kindheit vertraut, sind sie doch Auftakt fĂŒr einen abenteuerlichen Schultag in der «HĂ€schenschule». Nun wird der Kinderbuchklassiker von Albert Sixtus (1892-1960) 100 Jahre alt. 

Mehr als 2,5 Millionen Mal wurde er nach Angaben des Thienemann-Esslinger Verlags in verschiedenen Ausgaben verkauft, es gibt Übersetzungen etwa ins Englische und Latein sowie etliche Varianten in Mundart. Doch eine neue Interpretation aus prominenter Feder hat im JubilĂ€umsjahr fĂŒr empörte Reaktionen gesorgt. 

Die Geschichte von Hasenhans und Hasengretchen

Aber erst mal ein Blick zurĂŒck: Albert Sixtus, damals Lehrer im sĂ€chsischen Kirchberg bei Zwickau, hat die Verse in nur einer Nacht Ende April 1922 niedergeschrieben, wie er spĂ€ter berichtete. Doch bis zur Veröffentlichung vergingen gut zwei Jahre.

Vor 100 Jahren im SpĂ€tsommer 1924 - ein genaues Datum ist nach Angaben des Esslinger-Verlags und des Albert-Sixtus-Archivs nicht ĂŒberliefert - erschien die Geschichte dann als Buch mit Illustrationen von Fritz Koch-Gotha. Fortan war es aus vielen BĂŒcherregalen und Kinderzimmern nicht mehr wegzudenken. 

ErzÀhlt wird der Schultag von Hasenhans und Hasengretchen, die nach dem Abschied von ihrer Mutter «Pfot' in Pfötchen» zur Schule gehen und dort in Pflanzenkunde, dem Bemalen von Eiern, Tiergeschichte, Musik und Sport unterrichtet werden. 

Dabei zeigt sich vor allem Hans besonders frech, den der Lehrer deswegen in die Ecke stellt. Im Bild wurde dereinst der Lehrer mit Rohrstock dargestellt, in neueren Ausgaben zieht ihm der Lehrer stattdessen die Ohren lang. Auf dem Heimweg entrinnen die Hasenkinder dem Fuchs und sitzen am Ende mit Mutter und Vater zu Tisch: «KohlgemĂŒse, Kressenblatt, ei, da essen sie sich satt!» 

«Die Verse sind sehr melodisch und leicht lesbar», erklÀrt Anja Roocke, warum das Buch bis heute beliebt ist. «Die Geschichten, die in den Versen erzÀhlt werden, sind sehr liebevoll und pÀdagogisch wertvoll.» Roocke forciert seit einigen Jahren das Erinnern an Sixtus in seinem einstigen Wohnort. 

Dort ist inzwischen eine Straße nach ihm benannt, eine Tafel an seinem Wohnhaus verweist auf die Entstehung der «HĂ€schenschule». Zudem organisiert Roocke Lesungen und Ausstellungen. Auch das Sixtus-Archiv, bislang im ostsĂ€chsischen Kottmar beheimatet, soll in Kirchberg ein neues Zuhause finden. 

Zu dem Erfolg des Buchs hĂ€tten maßgeblich auch die Illustrationen von Koch-Gotha beigetragen, sagt der Leiter des Albert-Sixtus-Archivs, Ulrich Knebel - er ist Sixtus' Großneffe. Die Zeichnungen seien zur damaligen Zeit anders gewesen, als man es gewohnt war, und hĂ€tten die eher braven Verse teils karikiert. 

«Es wurden Dinge abgebildet, die in den Versen so gar nicht vorkamen», erlĂ€utert Knebel. «Da kam der Karikaturist Koch-Gotha durch.» Dadurch sei das Buch auch fĂŒr Erwachsene witzig und interessant gewesen. 

In der neuen Version ist der Fuchs Veganer

Die «HĂ€schenschule» ist seither zu einer erfolgreichen Marke avanciert, unter der es zahlreiche Ableger und einen Film gibt. Zum JubilĂ€um versuchte sich auch Komikerin Anke Engelke an einer neuen Version, die im FrĂŒhjahr zu empörten Reaktionen fĂŒhrte. 

Denn in dem zeitgeistigen Text ist der Fuchs Veganer und freundet sich mit den HĂ€schen an, wĂ€hrend der Mensch und vor allem die Landwirtschaft als Feind der Tiere ausgemacht wird. Die alte HĂ€schenschule sei etwas ĂŒberholt, ein bisschen altbacken und unmodern, erklĂ€rt Engelke in einem Video des Verlags ihre Intention. In ihrer Fassung gehe es um DiversitĂ€t, Zugewandtheit, Humor, Offenheit und Respekt. 

Doch das Ergebnis polarisiert, wie die Kommentare bei Online-BuchhÀndlern zeigen. Von Verzerrung der RealitÀt ist da die Rede, einem Propagandabuch und dem «schlechtesten Kinderbuch aller Zeiten». Andere sprechen von einem wunderbaren Kinderbuch, das toll gestaltet sei und eine Botschaft zum Nachdenken vermittle. 

«Sie hĂ€tte es lassen sollen», findet hingegen Sixtus' Großneffe Ulrich Knebel. «Engelke ist anders als Sixtus einfach keine Schriftstellerin.» Seines Erachtens ist es offensichtlich, dass es dem Verlag vor allem um Aufmerksamkeit und Geld gegangen sei. 

Auch Roocke findet an der «neuen HĂ€schenschule» keinen Gefallen. «Es sind keine schönen Reime», sagt sie. «Das Ganze hat nicht wirklich etwas mit der ursprĂŒnglichen HĂ€schenschule zu tun.»

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