Neue Beben in Afghanistan - Hoffnung auf Ăberlebende sinkt
09.10.2023 - 17:02:29Nach der verheerenden Erdbebenserie in Afghanistan schwindet die Hoffnung. Menschen versuchten am Montag mit bloĂen HĂ€nden sowie mit Schaufeln und Spitzhacken, die TrĂŒmmer beiseite zu rĂ€umen. Zugleich schreckten weitere Beben Bewohner in der Provinz Herat nahe der Grenze zum Iran auf. Nach Angaben der US-Erdbebenwarte USGS hatte das schwerste von drei Beben am Montag eine StĂ€rke von 5,1.
Die Hilfsorganisation Care sorgte sich unterdessen um Frauen und MÀdchen in den betroffenen Regionen. «Ihre Freiheit war bereits vorher erheblich eingeschrÀnkt und sie haben daher nur einen erschwerten Zugang zu wichtigen lebensrettenden Diensten», sagte Reshma Azmi, stellvertretende LÀnderdirektorin von Care Afghanistan.
Sorgen um Frauen und MĂ€dchen
Seit mehr als zwei Jahren sind in Afghanistan die Taliban wieder an der Macht. Das Land ist wegen seiner repressiven Politik, die vor allem Frauen und MĂ€dchen diskriminiert, international politisch isoliert.
Am Samstagmorgen hatten mehrere Erdbeben die Bewohner der afghanischen Grenzprovinz Herat nahe dem Iran aufgeschreckt. Innerhalb von nur wenigen Stunden bebte die Erde neun Mal, mehr als ein Dutzend Dörfer wurden weitgehend zerstört. MilitÀr und Rettungsdienste eilten in die Katastrophengebiete. Die beiden schwersten Beben hatten laut der US-Erdbebenwarte USGS eine StÀrke von 6,3.
Laut dem afghanischen Sender Tolonews kamen bisher mindestens 2400 Menschen ums Leben, das UN-NothilfebĂŒro OCHA sprach von mehr als 1000 Toten. Ein Sprecher des Katastrophenschutzes NDMA Ă€uĂerte am Montag Sorgen, dass die Opferzahlen noch weiter steigen könnten, da die Lage immer noch unĂŒbersichtlich sei. 20 Dörfer und rund 2000 HĂ€user seien völlig zerstört. Neben zahlreichen Rettungsteams traf auch eine hochrangige Taliban-Delegation unter FĂŒhrung des stellvertretenden Regierungschefs Abdul Ghani Baradar in den Erdbebengebieten ein.
Viele GebÀude sind nicht erdbebensicher
Die Vereinten Nationen gaben fĂŒnf Millionen Dollar (4,7 Mio Euro) Soforthilfe frei und kĂŒndigten nach der AbschĂ€tzung des Bedarfs einen baldigen Spendenaufruf an. Demnach sind mehr als 11.000 Menschen von dem Erdbeben betroffen. Deutschland sagte fĂŒnf Millionen Euro zu. Die Hilfsgelder wĂŒrden ĂŒber den humanitĂ€ren Fonds fĂŒr Afghanistan bereitgestellt, teilte das AuswĂ€rtige Amt am Montag auf X, ehemals Twitter, mit. Damit sollen AktivitĂ€ten von Hilfsorganisation wie der Caritas, Save the Children, World Vision, aber auch die humanitĂ€re Arbeit der UN-Behörden in dem Land unterstĂŒtzt werden.
Die stĂ€rkste Zerstörung gab es nordwestlich von Herat im Bezirk Sindadschan. Der Sender Tolonews berichtete, dort seien in einem einzigen Dorf 80 Prozent der Bevölkerung ums Leben gekommen. Ein Hirte sagte dem Sender, er habe wĂ€hrend des Erdbebens auĂerhalb des Dorfes Schafe gehĂŒtet. Als er wiederkam, seien acht Mitglieder seiner Familie tot gewesen. «Mein Vater, meine Mutter, meine BrĂŒder und meine Schwestern mit ihren Kindern, sie alle waren hier», sagte er.
Die Beben wecken Erinnerungen an die verheerende Katastrophe im Sommer vergangenen Jahres, als im Osten des Landes bei einem Erdbeben der StĂ€rke 5,9 mehr als 1000 Menschen in den Tod gerissen wurden. Nach Jahrzehnten voller Konflikte sind viele Dörfer mit einfacher Bauweise schlecht gegen Erdbeben gerĂŒstet.
Immer wieder ereignen sich schwere Erdbeben in der Region, besonders am Hindukusch, wo die Indische und die Eurasische Platte aufeinandertreffen.







