Tödlicher, Polizeieinsatz

Tödlicher Polizeieinsatz: LKA ermittelt auf Hochtouren

24.04.2024 - 08:39:18

Mit einer Machete bewaffnet ist ein Mann in die Unibibliothek in Mannheim gegangen. Er soll aggressiv gewesen sein und wird von der Polizei angeschossen. Kurz darauf stirbt er. Das LKA ermittelt nun.

Nach dem tödlichen Polizeieinsatz in der UniversitÀt Mannheim laufen die Ermittlungen auf Hochtouren. Bei dem Vorfall am Dienstagabend war ein mit einer Machete bewaffneter Mann im Bereich einer Uni-Bibliothek angeschossen und tödlich verletzt worden. Die Einzelheiten zu dem Vorfall am Dienstagabend seien noch unklar, sagte ein Polizeisprecher am Morgen.

Das Landeskriminalamt (LKA) ermittle nun. Es sollten unter anderem Zeugen befragt werden, ballistische sowie Schmauchspuren untersucht und das Geschehen rekonstruiert werden. Auch die Leiche des 31-JĂ€hrigen solle obduziert werden. Die UniversitĂ€t Mannheim reagierte bestĂŒrzt auf den Vorfall.

Der 31 Jahre alte Deutsche war am Dienstagnachmittag im Bereich der Bibliothek der wirtschaftswissenschaftlichen FakultÀt aufgefallen, wie die Polizei gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft und dem Landeskriminalamt (LKA) mitteilten. Als er dann randalierte und eine Angestellte aggressiv anging, wurde die Polizei alarmiert, wie der Polizeisprecher sagte.

Mann starb im Krankenhaus

Als eine Streife eintraf, hatte der Mann den Angaben zufolge bereits die Machete in der Hand. Er soll sich gegenĂŒber den Beamten aggressiv verhalten haben, wie es weiter hieß. Diese hatten daraufhin auf den 31-JĂ€hrigen geschossen. Der Schwerverletzte wurde in ein Krankenhaus gebracht, wo er kurz darauf starb.

Der «Mannheimer Morgen» zitierte drei junge MÀnner, die den Vorfall nach eigenen Aussagen miterlebt hatten. Das Ganze habe sich im Eingangsbereich der Bibliothek abgespielt, erzÀhlten sie demnach. «Ich habe gesehen, dass der Typ rumgemeckert hat, weil er seine Sticker nicht kleben durfte. Dann sehe ich auf einmal, wie er sein Messer auspackt, ein riesiges Messer», sagte demnach einer der Zeugen.

Sein Freund habe ergĂ€nzt, er sei in dem Moment an dem Mann vorbeigelaufen. «Es war eine riesige, lange Machete mit langer schwarzer Klinge. Sie sah auf den ersten Blick aus wie ein Spielzeug. Ich habe gedacht, dass er einfach nur verrĂŒckt ist.» ZunĂ€chst habe er die Situation nicht ernst genommen. «Erst als die Security meinte: «Junger Mann, gehen Sie nicht zu nah an den ran», habe ich das erst realisiert und bin direkt weggegangen.» Mitarbeiter der UniversitĂ€t hĂ€tten der Zeitung bestĂ€tigt, dass sich der Vorfall in etwa so abgespielt hatte.

Unklar, wie viele SchĂŒsse abgegeben wurden

Wie viele SchĂŒsse abgegeben worden sind, ist bislang unklar. Zeugenaussagen zufolge wurde einmal geschossen. Ob das stimme, werde aber noch ermittelt. Bei dem Vorfall waren auch Studenten vor Ort, sie seien Polizeiaussagen zufolge nicht gefĂ€hrdet worden. Im Anschluss wurden sie von Notfallseelsorgern betreut.

Der in SaarbrĂŒcken geborene Mann hatte sich bereits vor der Tat mehrmals negativ verhalten und war polizeilich bekannt, wie es hieß. Er hatte bereits ein Hausverbot fĂŒr die Bibliothek, was aber erst wĂ€hrend des Geschehens aufgefallen sein soll.

Der Rektor der UniversitĂ€t Mannheim, Thomas Puhl, sagte laut einer Mitteilung: «Wir sind zutiefst betroffen von diesem schrecklichen Vorfall auf unserem UniversitĂ€ts­gelĂ€nde und mĂŒssen das Geschehene erst noch verarbeiten. Wir sind in Gedanken bei den Betroffenen, die den Vorfall aus nĂ€chster NĂ€he miterleben mussten, und bei den Angehörigen des TĂ€ters.» Die UniversitĂ€t werde die Polizei in den kommenden Tagen bei ihren Ermittlungen unterstĂŒtzen und den Vorfall fĂŒr sich als UniversitĂ€t aufarbeiten. «Aktuell arbeiten wir an Möglichkeiten, den Betroffenen weitere psychologische UnterstĂŒtzung anzubieten.»

Der UniversitĂ€ts­betrieb wird demnach mit wenigen EinschrĂ€nkungen weiterlaufen. Teile des GebĂ€udes seien aufgrund der Ermittlungen aktuell gesperrt, hieß es am Dienstagabend.

Zweiter tödlicher Einsatz innerhalb weniger Monate

Es ist bereits der zweite tödliche Schusswaffengebrauch der Polizei in Mannheim innerhalb weniger Monate. Kurz vor Heiligabend hatte ein 49-JĂ€hriger den Notruf gewĂ€hlt. Bei der Ankunft der Beamten wartete er mit einem KĂŒchenmesser bewaffnet auf der Straße. Bei einer folgenden Auseinandersetzung gab ein Beamter mehrere SchĂŒsse auf den Mann ab, der dann verletzt in ein Krankenhaus kam und kurz darauf starb. Das Motiv des 49-JĂ€hrigen war damals offen geblieben.

Im MĂ€rz hatte das Landeskriminalamt mitgeteilt, die Ermittlungen in dem Fall abgeschlossen zu haben. Die Akte gehe nun an die Staatsanwaltschaft. Der Beamte, der damals die tödlichen SchĂŒsse abgegeben habe, sei weiter im Dienst.

Dienstwaffen dĂŒrfen nur als «Ultima Ratio», also als Ă€ußerstes Mittel, genutzt werden. Ob sogenannter unmittelbarer Zwang angewendet wird, entscheidet die jeweilige Polizeibeamtin oder der jeweilige Polizeibeamte grundsĂ€tzlich einzelfallbezogen und unter BerĂŒcksichtigung des Grundsatzes der VerhĂ€ltnismĂ€ĂŸigkeit, wie das Innenministerium bereits nach frĂŒheren FĂ€llen mitgeteilt hatte.

@ dpa.de