Amoklauf in Graz: Auch Hinweise auf Bomben-PlÀne
11.06.2025 - 15:28:55Der TodesschĂŒtze von Graz hat anscheinend auch Vorbereitungen fĂŒr einen Bombenanschlag getroffen. Nach dem Amoklauf des 21-JĂ€hrigen in seiner ehemaligen Schule gab die Polizei am Mittwoch bekannt, dass sie am Wohnort des SchĂŒtzen eine nicht funktionsfĂ€hige Rohrbombe sowie PlĂ€ne fĂŒr einen Bombenanschlag auf das Gymnasium gefunden habe. Der Plan sei aber wohl verworfen worden.
Der junge Ăsterreicher hatte am Dienstag mit einer Schrotflinte und einer Faustfeuerwaffe ein Blutbad in seiner ehemaligen Schule angerichtet. Er tötete neun Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren und eine Lehrerin. Der TĂ€ter verĂŒbte vor Ort Suizid.
Polizei in erhöhter Alarmbereitschaft
Wegen der Gefahr von NachahmungstĂ€tern - es sind laut Behörden mehrere Drohungen eingegangen - hat die Polizei inzwischen den Schutz der Schulen verstĂ€rkt. DarĂŒber hinaus seien die rund 400 SpezialkrĂ€fte im ganzen Land in erhöhter Alarmbereitschaft, hieĂ es.
Das Motiv des 21-JÀhrigen bleibt vorerst im Dunkeln. An seinem Wohnort wurden Abschiedsnachrichten gefunden, aus denen aber kein Hinweis auf den Auslöser der Tat hervorgeht, hieà es von der Polizei. Berichte, wonach Mobbing-Erfahrungen des 21-JÀhrigen eine Rolle spielten, wurden von den Behörden bislang nicht bestÀtigt.
Trauerminute mit GlockengelÀut
Der junge Mann sei bis vor zwei Jahren SchĂŒler an dem Gymnasium gewesen und habe eine Schulstufe mehrmals wiederholt, sagte Franz Ruf, ein hoher Beamter des Innenministeriums, dem Radiosender Ă1. Der TĂ€ter, der die Schule nicht abgeschlossen hatte, lebte nach Angaben der Polizei zusammen mit seiner Mutter.Â
Am Tag nach dem Amoklauf stand aber vor allem die Trauer im Vordergrund. Um 10.00 Uhr stand das öffentliche Leben in Ăsterreich fĂŒr eine Minute vielerorts still. So blieben 900 Busse, StraĂen- und U-Bahnen in Wien kurz stehen. Die Trauerglocke des Wiener Stephansdoms wurde nach Angaben der Erzdiözese Wien gelĂ€utet. Auch in Graz wurde der Toten und Verletzten gedacht.
Alle elf Verletzten seien mittlerweile in stabilem Zustand, teilte der Krankenhausbetreiber Kages mit. Die meisten Verletzten wĂŒrden jedoch noch auf Intensivstationen betreut, hieĂ es.
Polizei schildert genauen Ablauf des Einsatzes
Am Tag nach der verheerenden Tat gab die Polizei erstmals einen genaueren Einblick in ihren Einsatz. So seien zwei Streifenwagen nur wenige Minuten nach dem ersten Funkspruch ĂŒber eine mögliche Amok-Lage, der um exakt 10 Uhr erfolgt sei, vor Ort gewesen, sagte der Standortkommandant der Einsatzgruppe Cobra-SĂŒd, Kurt Kornberger.Â
Genau wie fĂŒr solche Lagen vorgesehen, seien die Polizisten sofort (10.08 Uhr) in das SchulgebĂ€ude eingedrungen und hĂ€tten nicht auf VerstĂ€rkung gewartet, hieĂ es. Um 10.09 Uhr seien die ersten SpezialkrĂ€fte der Cobra an der Schule eingetroffen. Ein Lehrer habe die Beamten dann in den 3. Stock geschickt, wo sich die Tragödie abgespielt hatte. Um 10.13 Uhr sei der TĂ€ter tot in einer Toilette gefunden worden, um 10.21 Uhr seien die ersten Korridore fĂŒr die NotĂ€rzte gesichert gewesen.
Nach einer ersten Analyse sei alles so abgelaufen, wie es die Polizei in Ăsterreich seit Jahren trainiere, sagte Cobra-Kommandant Bernhard Treibenreif. Aber das sei angesichts der Opfer kein wirklicher Trost. «Das, was geschehen ist, kann die schnellste Polizei der Welt nicht verhindern», sagte Treibenreif weiter.
Erste Forderungen nach Waffenverbot im privaten Bereich
Eine Debatte ĂŒber das geltende Waffenrecht kam nach der Tat erst zögerlich ins Rollen. Die kommunistische BĂŒrgermeisterin von Graz, Elke Kahr, forderte ein breites Waffenverbot. «Waffen sollten nur die Exekutive tragen, und keine Privatpersonen», sagte sie dem Sender ORF. Auch eine Parlamentsabgeordnete der GrĂŒnen sprach sich gegenĂŒber dem ORF fĂŒr ein Waffenverbot im privaten Bereich aus.Â
Nach Angaben des Innenministeriums sind in Ăsterreich aktuell rund 1,5 Millionen Waffen registriert, wie die Presseagentur APA berichtete. Das Waffengesetz in dem Staat mit 9,2 Millionen Einwohnern gilt als relativ liberal. FĂŒr Faustfeuerwaffen ist eine behördliche Bewilligung nötig, fĂŒr Schrotflinten jedoch nicht. Der AmoklĂ€ufer hatte beide Waffen legal besessen.
Experte: Immer mehr SchĂŒler mit sozial-emotionalen Problemen
Der Amoklauf ist fĂŒr die Experten auch Anlass, sich Gedanken ĂŒber die Stimmung an den Schulen zu machen. Die Schulpsychologen hĂ€tten immer mehr FĂ€lle, in denen sich SchĂŒler in irgendeiner Form nicht gesehen, beachtet und angenommen fĂŒhlten, sagte Josef Zollneritsch vom SchulĂ€rztlichen Dienst der Bildungsdirektion Steiermark im ORF-Fernsehen.
Das könne die latente oder offene Neigung zu Gewalt befördern. Man beobachte bei den SchĂŒlern steigende sozial-emotionale Schwierigkeiten. Daher mĂŒsse unbedingt in die PrĂ€vention wesentlich mehr als heute investiert werden, so Zollneritsch.





