Haut, GlÀubige

«Unter die Haut» - GlÀubige lassen sich in Kirche tÀtowieren

21.09.2024 - 15:15:55

Mit einer ungewöhnlichen Aktion will die katholische Kirche mit Menschen ins GesprĂ€ch kommen. In der Johanniskirche in OsnabrĂŒck können sich Mutige ein Tattoo stechen lassen.

Erst gemeinsam beten, dann sirrt die Nadel der TĂ€towierer: Nach einem Gottesdienst des Bistums OsnabrĂŒck haben sich Menschen in der Kirche kostenlos ein christliches Tattoo stechen lassen. Mit der ungewöhnlichen Aktion in der OsnabrĂŒcker Johanniskirche wollte das Bistum die Menschen neugierig auf den Glauben und die katholische Kirche machen. «Wenn Glaube unter die Haut geht», lautete das Motto des Tages. Das Projekt wird vom Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken gefördert. 

«Tattoos sind nicht einfach nur ein Schmuck oder Accessoire», hatte Martina Kreidler-Kos, Leiterin der Abteilung Seelsorge im Bistum OsnabrĂŒck, vor dem Gottesdienst der Deutschen Presse-Agentur gesagt. «Mit den TĂ€towierungen verbunden sind Erfahrungen, zum Beispiel Trauer oder Verbundenheit, also Lebensgeschichten. Wir erhoffen uns, darĂŒber in einen Dialog zu kommen.»

Die 56 Jahre alte promovierte Theologin ließ sich auch selbst ihr erstes Tattoo stechen - das Taukreuz als Zeichen ihrer Verbundenheit zur SpiritualitĂ€t der Franziskaner. «Ich trage dieses Zeichen schon als SchmuckstĂŒck immer, also ich kenne es gut, und jetzt freue ich mich, dass es mir unter die Haut gehen wird», sagte sie unmittelbar vor der TĂ€towierung in der Kirche.

Nach Bistumsangaben ist in Deutschland jeder fĂŒnfte Mensch tĂ€towiert. Zur Auswahl beim Tattoo-Gottesdienst standen verschiedene christliche Symbole wie Kreuze oder Motive wie eine Flamme oder eine Friedenstaube. Neben den professionellen TĂ€towierern sollten auch Menschen, die bereits tĂ€towiert sind, vor Ort sein und ihre Geschichten erzĂ€hlen. FĂŒr Kinder gebe es Klebe-Tattoos, hieß es vorab. 

Die Theologin Kreidler-Kos sagte, sie habe sich keine Gedanken darĂŒber gemacht, ob es wehtue. «Schön war die Reaktion meiner Söhne, die sagten: "Das ist ja typisch, wenn Mama sich tĂ€towieren lĂ€sst, muss es in einer Kirche sein."»

Geleitet wurde der Gottesdienst von dem bereits tĂ€towierten Pfarrer Frank Kribber. Er ist GefĂ€ngnisseelsorger des Bistums OsnabrĂŒck. Vor der Johanniskirche sollte zudem der «Durchkreuzer» stehen, ein umgebauter Kleinbus, der sonst zum Beispiel auf Musikfestivals unterwegs ist. Junge Menschen können sich dort ausruhen, ihr Handy aufladen und ins GesprĂ€ch kommen, wenn sie wollen. Der «Durchkreuzer» habe eine BrĂŒckenfunktion, sagte Kreidler-Kos. Er lade diejenigen ein, die sich nicht in die Kirche herein trauten. 

@ dpa.de