Nordrhein-Westfalen, Deutschland

Smoothie-Flaschen sollen bei Suche nach Vermissten helfen

04.11.2025 - 09:47:54

Mit Fotos auf GetrĂ€nkeflaschen will ein Hersteller helfen, zwei seit Jahren vermisste Frauen zu finden. FĂŒr die Familien der beiden ist es ein kleiner Hoffnungsschimmer.

  • Mit großen Suchaktionen hatte die Polizei etwa im Altonaer Volkspark in Hamburg nach der vermissten Hilal gesucht. (Archivbild) - Foto: Bodo Marks/dpa

    Bodo Marks/dpa

  • «Vermisst» steht groß auf den Smoothie-Flaschen von True Fruits - auf der RĂŒckseite wird mit Fotos nach zwei seit Jahren vermissten Personen gesucht. - Foto: Benjamin Westhoff/dpa

    Benjamin Westhoff/dpa

Mit großen Suchaktionen hatte die Polizei etwa im Altonaer Volkspark in Hamburg nach der vermissten Hilal gesucht. (Archivbild) - Foto: Bodo Marks/dpa«Vermisst» steht groß auf den Smoothie-Flaschen von True Fruits - auf der RĂŒckseite wird mit Fotos nach zwei seit Jahren vermissten Personen gesucht. - Foto: Benjamin Westhoff/dpa

Seit Jahren fehlt von zwei Frauen jede Spur - nun werden ihre Fotos und der Suchaufruf massenhaft auf Smoothie-Flaschen gedruckt. Der Fruchtsafthersteller True Fruits will mit der Marketingaktion bei der AufklÀrung von zwei VermisstenfÀllen helfen. 

Vier Wochen lang wĂŒrden die Bilder von Hilal Ercan aus Hamburg und Scarlett Salice aus dem ostwestfĂ€lischen Bad Lippspringe auf den Flaschen abgebildet, teilte das Unternehmen aus Bonn mit. «FĂŒr die Familien ist es entscheidend, dass neue Hinweise eingehen, und das kann nur passieren, wenn viele Menschen von der Suche erfahren.»

Hilal Ercan war zehn Jahre alt, als sie 1999 in einem Einkaufszentrum direkt neben ihrem Wohnort in Hamburg verschwand. Sie wollte sich mit einer D-Mark Kaugummi kaufen - doch sie kehrte nie zurĂŒck. Von Scarlett Salice fehlt jede Spur, seit die damals 26-JĂ€hrige vor fĂŒnf Jahren von einer Wanderung im SĂŒdschwarzwald nicht zurĂŒckkehrte. Auch die Polizei hat mit großen Aktionen nach den beiden gesucht.

Flaschen sollen in 30.000 SupermÀrkten stehen

Auf wie vielen Smoothie-Flaschen die Vermisstenanzeigen zu sehen sind, verrĂ€t das Unternehmen nicht. Man könne die Suche nach den beiden Frauen durch die Aktion aber in 30.000 SupermĂ€rkten in Deutschland, Österreich und der Schweiz sichtbar machen, sagte eine Sprecherin.

True Fruits hatte im vergangenen Jahr schon einmal eine Vermisstenanzeige auf den Smoothie-Flaschen platziert. Daraufhin seien die Familien der beiden vermissten Frauen auf das Unternehmen zugekommen und hÀtten um Hilfe gebeten.

Verschwunden auf dem Weg zum Kaugummi-Kaufen

Der Vater von Scarlett Salice hofft auch nach so vielen Jahren der Ungewissheit, seine Tochter eines Tages wiederzusehen. «Die Hoffnung ist: Solange sie nicht gefunden wurde, kann sie noch leben», sagt Ralf Salice.

Hilals Bruder Abbas Ercan betont: «Da Hilal immer noch nicht zu Hause ist, ist es meine Pflicht, ihr Schicksal zu klĂ€ren, fĂŒr Gerechtigkeit zu sorgen und den TĂ€ter zu finden. Er soll sich in seiner Haut nicht sicher fĂŒhlen.»

Der Fall des damals zehnjÀhrigen MÀdchens liegt nach wie vor bei der Staatsanwaltschaft. «Die Ermittlungen dauern an und sobald es irgendeinen Hinweis gibt, wird dem nachgegangen», sagte eine Sprecherin der Behörde. Aktuell gebe es keinen neuen Stand. An der Aktion auf den Glasflaschen sind Polizei und Staatsanwaltschaft nicht beteiligt.

Zahlreiche Vermissten-FÀlle bleiben ungeklÀrt

Laut Bundeskriminalamt (BKA) galten zum Stichtag 1. Januar 2025 in Deutschland 9.420 Personen als vermisst. Der allergrĂ¶ĂŸte Teil solcher FĂ€lle werde allerdings innerhalb weniger Tage aufgeklĂ€rt.

Bei etwa drei Prozent der vermisst gemeldeten Personen gebe es allerdings auch nach einem Jahr noch keine Gewissheit, was mit ihnen passiert ist, schreibt das BKA.

Bekannt fĂŒr provokante Marketing-Kampagnen

True Fruits hat in den vergangenen Jahren immer wieder mit ungewöhnlichen Werbekampagnen breite Aufmerksamkeit erzielt und auch viel Kritik eingesteckt. Zur Bundestagswahl 2021 hatte das Unternehmen Flaschen in die MĂ€rkte gebracht, die mit den Namen der sechs grĂ¶ĂŸten Parteien sowie AuszĂŒgen aus dem jeweiligen Parteiprogramm etikettiert waren. Bei Edeka flogen die AfD-Flaschen daraufhin aus den Regalen.

2017 warb der deutsche Hersteller in Österreich mit dem Slogan «Noch mehr Flaschen aus dem Ausland», was fĂŒr Irritationen sorgte. Nach eigenen Worten wollte True Fruits damit auf MissstĂ€nde in der FlĂŒchtlingspolitik aufmerksam machen.

@ dpa.de

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