Nach Pöbeleien: Therme setzt auf Geschlechter-Balance
14.01.2026 - 13:07:39Die strengen Einlassregeln einer Therme im brandenburgischen Werder sorgen bundesweit fĂŒr Schlagzeilen: Nachdem es Probleme mit alkoholisierten und pöbelnden MĂ€nnergruppen gegeben habe, hat die Havel-Therme vor mehr als einem Jahr die Einlassregeln verschĂ€rft. Man achte seither auf ein «ausgewogenes VerhĂ€ltnis der biologischen Geschlechter», sagte GeschĂ€ftsfĂŒhrer Andreas Schauer der Deutschen Presse-Agentur. Zuvor hatten die «Bild» und andere Medien berichtet.
«Wir haben Probleme mit gewaltbereiten MĂ€nnergruppen, die teils alkoholisiert kommen», erklĂ€rte Schauer. Diese hĂ€tten Mitarbeiter und GĂ€ste angepöbelt, es sei zu körperlichen Ăbergriffen gekommen. «Das wird nicht geduldet.» Daher habe man mit den «relevanten Behörden» ein Sicherheitskonzept abgestimmt.
Ein Geschlecht darf das andere um maximal 20 Prozent ĂŒberwiegen
Ein «biologisches Geschlecht» dĂŒrfe seither das andere um maximal 20 Prozent ĂŒberwiegen. Anderenfalls erfolge ein «temporĂ€rer Einlassstopp fĂŒr das ĂŒberwiegende biologische Geschlecht», sagte Schauer. Vielfalt und Herkunft spielten dabei «ausdrĂŒcklich» keine Rolle, betonte er. «Seit wir das machen, funktioniert es sehr gut.»
Ein «eklatantes MissverhĂ€ltnis â etwa ein starker Ăberhang eines Geschlechtes â sowie die Anwesenheit von Gruppen - können das Sicherheitsempfinden und somit die AufenthaltsqualitĂ€t des in der Minderheit vertretenen Geschlechtes beeintrĂ€chtigen», erklĂ€rte Schauer das Vorgehen.
Es gab auch Gerichtsverfahren
Gruppen ab drei Personen, die die Havel-Therme besuchen möchten, seien grundsĂ€tzlich willkommen, sofern die Haus- und Baderegeln eingehalten werden. Zudem mĂŒssten sie sich bis zwei Tage vor dem geplanten Besuch via E-Mail mit ihren Personalien angemeldet haben. Sofern noch nicht zu viele Gruppenanmeldungen vorlĂ€gen, erfolge eine schriftliche BestĂ€tigung. Familien mit Kindern seien von diesen Regeln ausgenommen.
Allerdings habe es auch eine Klage und Gerichtsverfahren gegeben, weil sich homosexuelle MĂ€nner, die nicht angemeldet waren, wegen der Abweisung diskriminiert gefĂŒhlt hatten, so der GeschĂ€ftsfĂŒhrer. «Es ist nicht unser Traum, dass wir vorne Security stehen haben, und es ist traurig, dass man solche MaĂnahmen ergreifen muss.» Aber die Therme erfahre viel Zuspruch fĂŒr die geĂ€nderten Einlassregeln.
Security in BĂ€dern ist nach Angaben der Deutschen Gesellschaft fĂŒr das Badewesen (DGfdB) «bei Weitem nicht Alltag in den deutschen BĂ€dern». Es sei aber «punktuell eine sinnvolle ErgĂ€nzung des Sicherheitskonzepts, vor allem an besucherstarken Tagen und in bestimmten Regionen.» Allerdings sei «die genannte Problematik kein bĂ€derspezifisches PhĂ€nomen», sondern spiegele die «gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen wider, die eben auch in BĂ€dern sichtbar werden».
Die konkreten MaĂnahmen der Havel-Therme wolle man nicht bewerten. Die DGfdB befĂŒrworte aber, dass «der Betreiber Verantwortung gezeigt hat und Sicherheit vor Gewinnmaximierung stellt, um auf die BedĂŒrfnisse der GĂ€ste einzugehen».


