Flugzeugabsturz, Litauen

Flugzeugabsturz in Litauen: Suche nach Ursache lÀuft

27.11.2024 - 03:45:37

Nach dem Absturz eines Frachtflugzeugs in Litauen haben die Ermittler einen wichtigen Fortschritt gemacht - und die Flugschreiber der Maschine geborgen. Können sie Aufschluss zur Ursache geben?

   Bei der Suche nach der Ursache fĂŒr den Absturz eines Frachtflugzeugs aus Deutschland in Litauen erhoffen sich die Ermittler wichtige Erkenntnisse vom Auswerten der Flugschreiber. Der Flugdatenschreiber und der Stimmenrekorder der Swift-Air-Maschine, die im Auftrag von DHL von Leipzig nach Vilnius unterwegs war, sollen dabei in Deutschland untersucht werden, wie die litauischen Behörden mitteilten. Die beiden GerĂ€te, auch als «Black Box» bekannt, könnten Aufschluss ĂŒber den Grund fĂŒr den Absturz geben, der trotz Fortschritten bei den Ermittlungen weiter unklar ist. Bislang deute aber nichts auf einen Sabotageakt hin. 

Das Flugzeug war am frĂŒhen Montagmorgen kurz vor der geplanten Landung in der NĂ€he des Flughafens Vilnius in ein Wohngebiet gestĂŒrzt und am Boden zerschellt. Eines der vier Besatzungsmitglieder kam ums Leben, drei weitere - darunter ein Deutscher - werden im Krankenhaus behandelt. Anwohner wurden nicht verletzt.

Ermittler bauen auf die Auswertung der Black Box

Die litauischen Behörden haben nach dem Absturz umfassende Ermittlungen eingeleitet. Im Zuge der Untersuchung der abgesperrten Absturzstelle begannen die Ermittler mit der Bergung der TrĂŒmmerteile der völlig zerstörten Maschine - sie sollten zur Untersuchung durch Experten in einen Hangar gebracht werden. Die Flugschreiber waren zuvor gefunden und geborgen worden. 

«Wir planen, sie nach Deutschland zu schicken», sagte der Leiter der beim litauischen Justizministerium angesiedelten Stelle fĂŒr Untersuchungen von VerkehrsunfĂ€llen, Laurynas Naujokaitis. Nach seinen Angaben sollte es fĂŒr Spezialisten nicht schwierig sein, alle Daten aus den Flugschreibern zu extrahieren, da sie keine grĂ¶ĂŸeren SchĂ€den erlitten haben. Der Flugdatenschreiber zeichnet die Flugdaten auf, der Stimmenrekorder die GesprĂ€che im Cockpit.

Deutsche Ermittler beteiligen sich schon vor Ort an der Suche nach der Absturzursache. Auch aus Spanien und den USA sind Experten in Litauen eingetroffen. Sie werden dem Leiter des Nationalen Krisenmanagementzentrums, Vilmantas Vitkauskas, zufolge die TrĂŒmmer der Maschine analysieren. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen dann mit den Daten aus den Flugschreibern verglichen werden. 

Bislang keine Anzeichen fĂŒr Sabotage 

Weitere Informationen erhoffen die Ermittler sich auch durch die Befragung von ĂŒberlebenden Besatzungsmitgliedern. Erste GesprĂ€che hĂ€tten gezeigt, dass diese keine innerliche Unruhe verspĂŒrten, dass etwas Ungewöhnliches an Bord der Maschine vor sich gegangen ist, sagte der litauische Verteidigungsminister Laurynas Kasciunas. Auch habe eine visuelle Analyse ergeben, dass es keine Ă€ußeren Einwirkungen auf das landende Flugzeug gab. 

«Nach allem, was wir jetzt haben und was wir wissen, gibt es keine Anzeichen dafĂŒr, dass es ein Sabotageakt vorliegen könnte», sagte Kasciunas dem litauischen Rundfunk zufolge vor Journalisten. «Es kann nichts ausgeschlossen werden, aber im Moment habe ich keine Argumente, etwas anderes zu sagen.» Auch Vitkauskas sagte, es bestehe die «Tendenz zu einer eher technischen Version des Flugzeugabsturzes».

Ermittlungen «in alle Richtungen»

Der Flugzeugabsturz wirft vor allem auch deshalb Fragen und BefĂŒrchtungen auf, weil deutsche Sicherheitsbehörden Ende August vor «unkonventionellen BrandsĂ€tzen» gewarnt hatten, die von Unbekannten ĂŒber Frachtdienstleister verschickt werden. Die Warnung wurde damals in Sicherheitskreisen mit einem Vorfall im DHL-Logistikzentrum Leipzig in Verbindung gebracht, das als weltweites Drehkreuz des Unternehmens fungiert. Dort soll im Juli ein aus dem Baltikum verschicktes Paket Feuer gefangen haben, das einen Brandsatz enthielt. Basierend auf den Ermittlungen kam es auch in Litauen zu Festnahmen, die Anfang des Monats von der Generalstaatsanwaltschaft in Vilnius bestĂ€tigt wurden. 

Bundesaußenministerin Annalena Baerbock verlangte eine volle AufklĂ€rung des Absturzes und sagte, die Behörden beider LĂ€nder ermittelten derzeit «in alle Richtungen». Nicht ausgeschlossen wird auch, dass Russland etwas damit zu tun haben könnte. 

In der ARD-Sendung «Maischberger» ging es am Dienstagabend um die mögliche Rolle Russlands bei dem Absturz. Sandra Maischberger fragte den Generalinspekteur der Bundeswehr, Carsten Breuer, ob es sein könne, dass getestet werde, welche Schwachstellen es gebe. Breuer sagte daraufhin: «Sie meinen ein Test von Russland uns gegenĂŒber? Ja, absolut.»

@ dpa.de