Nordrhein-Westfalen, Deutschland

GestÀndnis im Prozess um Remscheider Waffenarsenal

Veröffentlicht: 06.07.2026 um 11:37 Uhr, dpa.de

Nach dem Auffliegen eines der grĂ¶ĂŸten illegalen Waffenlager Deutschlands in Remscheid hat in Wuppertal der Prozess gegen drei MĂ€nner begonnen - mit einem GestĂ€ndnis. Weitere könnten folgen.

  • Herzliches Wiedersehen auf der Anklagebank. - Bild: Rolf Vennenbernd/dpa
    Herzliches Wiedersehen auf der Anklagebank. - Bild: Rolf Vennenbernd/dpa
  • Prozess um Remscheider Waffenarsenal beginnt am Wuppertaler Landgericht. (Archivbild) - Bild: --/Polizei Wuppertal/dpa
    Prozess um Remscheider Waffenarsenal beginnt am Wuppertaler Landgericht. (Archivbild) - Bild: --/Polizei Wuppertal/dpa
  • Prozess um Remscheider Waffenlager startet. (Archivbild) - Bild: Polizei Wuppertal/dpa
    Prozess um Remscheider Waffenlager startet. (Archivbild) - Bild: Polizei Wuppertal/dpa
  • Prozess beginnt mit GestĂ€ndnis - Bild: Rolf Vennenbernd/dpa
    Prozess beginnt mit GestÀndnis - Bild: Rolf Vennenbernd/dpa
  • Herzliches Wiedersehen auf der Anklagebank. - Bild: Rolf Vennenbernd/dpa
    Herzliches Wiedersehen auf der Anklagebank. - Bild: Rolf Vennenbernd/dpa
  • Prozess um Remscheider Waffenarsenal beginnt am Wuppertaler Landgericht. (Archivbild) - Bild: --/Polizei Wuppertal/dpa
    Prozess um Remscheider Waffenarsenal beginnt am Wuppertaler Landgericht. (Archivbild) - Bild: --/Polizei Wuppertal/dpa
  • Prozess um Remscheider Waffenlager startet. (Archivbild) - Bild: Polizei Wuppertal/dpa
    Prozess um Remscheider Waffenlager startet. (Archivbild) - Bild: Polizei Wuppertal/dpa
  • Prozess beginnt mit GestĂ€ndnis - Bild: Rolf Vennenbernd/dpa
    Prozess beginnt mit GestÀndnis - Bild: Rolf Vennenbernd/dpa
Herzliches Wiedersehen auf der Anklagebank. - Bild: Rolf Vennenbernd/dpa Prozess um Remscheider Waffenarsenal beginnt am Wuppertaler Landgericht. (Archivbild) - Bild: --/Polizei Wuppertal/dpa Prozess um Remscheider Waffenlager startet. (Archivbild) - Bild: Polizei Wuppertal/dpa Prozess beginnt mit GestÀndnis - Bild: Rolf Vennenbernd/dpa Herzliches Wiedersehen auf der Anklagebank. - Bild: Rolf Vennenbernd/dpa Prozess um Remscheider Waffenarsenal beginnt am Wuppertaler Landgericht. (Archivbild) - Bild: --/Polizei Wuppertal/dpa Prozess um Remscheider Waffenlager startet. (Archivbild) - Bild: Polizei Wuppertal/dpa Prozess beginnt mit GestÀndnis - Bild: Rolf Vennenbernd/dpa

Der Prozess um ein großes Waffenlager in Remscheid und illegalen Handel mit Kriegswaffen hat mit einem GestĂ€ndnis begonnen. «Mein Mandant rĂ€umt die VorwĂŒrfe ein. Die Anklage ist insoweit zutreffend», sagte der Verteidiger eines 35-JĂ€hrigen beim Prozessauftakt am Wuppertaler Landgericht. Der Verteidiger des 38-JĂ€hrigen sagte, sein Mandant sei «grundsĂ€tzlich aussagebereit». 

Die beiden Ă€lteren Angeklagten begrĂŒĂŸten sich auf der Anklagebank ausgesprochen herzlich. Die Verteidiger des 60-jĂ€hrigen Hauptangeklagten regten ein RechtsgesprĂ€ch an. Vom Ergebnis dieses GesprĂ€chs werde abhĂ€ngen, ob sich ihr Mandant Ă€ußere. 

Die Staatsanwaltschaft hat drei MĂ€nner im Alter von 35, 38 und 60 Jahren wegen VerstĂ¶ĂŸen gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz und das Waffengesetz angeklagt. DafĂŒr drohen bis zu zehn Jahre Haft. 

Nach dem nicht öffentlichen RechtsgesprĂ€ch gab der Vorsitzende Richter Alexander SchrĂ€der bekannt, dass das Gericht bei vollumfĂ€nglichen GestĂ€ndnissen fĂŒr den Hauptangeklagten sieben bis acht Jahre Haft fĂŒr angemessen halte, fĂŒr den 38-JĂ€hrigen zwischen drei Jahren und drei Monaten bis vier Jahren und fĂŒr den 35-JĂ€hrigen eine Strafe zwischen zwei und drei Jahren Haft. 

Arsenal im Wohnhaus

Zuvor hatte Oberstaatsanwalt Daniel MĂŒller fast eine Stunde lang verlesen, was alles im Haus des Hauptangeklagten gefunden worden sei: Von Pistolen und Revolvern zu Maschinenpistolen, Sturmgewehren und SchalldĂ€mpfern reichte die Palette.

Namhafte Waffenhersteller und Marken waren darunter: Walther, Mauser, Luger, Beretta, Browning, Sig Sauer, Ceska, Rheinmetall, Colt, Kalaschnikow, Heckler&Koch sowie Smith&Wesson. 

 

Auch Schießstifte, Butterflymesser, Stahlruten, Elektroschock-Taschenlampen und Schlagringe soll der 60-JĂ€hrige im Angebot gehabt haben. Etliche Waffen wurden als unvollstĂ€ndig oder unbrauchbar beschrieben. Der Staatsanwalt listete auch zahlreiche Einzelteile auf.

Zeuge in Polen

Oberstaatsanwalt Wolf-Tilman Baumert sagte unmittelbar vor Beginn des Prozesses, die Ermittler hÀtten einen Zeugen in Polen gefunden, der den umfangreichen Handel auch mit Kriegswaffen bestÀtigt habe. Diese seien an den Hauptangeklagten verkauft worden. 

Die Zeugenaussage deute auch auf ein noch grĂ¶ĂŸeres Ausmaß hin. Nun bleibe abzuwarten, ob der 60-JĂ€hrige sich weiterhin als harmloser Militaria-HĂ€ndler und Waffensammler darstelle. Verdeckte Ermittler waren dem Trio auf die Spur gekommen, als sie ĂŒber einen Mittelsmann einen illegalen Waffenkauf einfĂ€deln konnten.

Waffen hinter GeheimtĂŒren versteckt

GeheimtĂŒren, hinter ZwischenwĂ€nden versteckte RĂ€ume, verborgene Schließmechanismen, Munition im Hohlraum eines TĂŒrrahmens: Der Fund des geheimen Waffenarsenals hinter einer Art privatem Waffenmuseum hatte im Oktober vergangenen Jahres bundesweit fĂŒr Furore gesorgt. 

Tagelang stießen 200 EinsatzkrĂ€fte in einem GebĂ€udekomplex in der Remscheider Innenstadt auf immer neue Überraschungen. Nach und nach förderten sie ein enormes Waffenarsenal ans Licht. Laut Staatsanwaltschaft handelt es sich um einen der grĂ¶ĂŸten Kriegswaffenfunde der vergangenen Jahrzehnte in Deutschland.

Rund 300 scharfe Schusswaffen sichergestellt

Bei den Durchsuchungen in Remscheid hatten Polizisten rund 300 scharfe Schusswaffen sichergestellt - davon 125 Maschinengewehre, 67 Maschinenpistolen, 51 Pistolen, 32 Langwaffen, darunter PrÀzisionsgewehre, 11 Revolver und 13 Panzerabwehrwaffen, 38 Handgranaten - sowie fast 100.000 Schuss Munition.

Oberstaatsanwalt Wolf-Tilman Baumert hatte die Gefahren betont, die von dem Fund ausgingen: «Mit den sichergestellten Handgranaten und Sprengmitteln hĂ€tte man eine Vielzahl von Menschen töten und verletzen können. Das geht bis hin zum Amoklauf oder Terroranschlag, oder sie können damit sogar kriegerische Auseinandersetzungen aller Art fĂŒhren.» 

Als KĂ€ufer vermuten die Ermittler Kunden aus dem Bereich der Organisierten KriminalitĂ€t. Der Hauptangeklagte hatte gegenĂŒber den Ermittlern behauptet, ein Großteil der Waffen sei Teil seiner Privatsammlung, die er nicht verkaufen wollte. Er habe lediglich einzelne Exemplare weiterverkauft. 

Laut Anklage soll der Hauptangeklagte dem 38 Jahre alten Mitangeklagten insgesamt sechs Maschinenpistolen und einen Revolver samt Munition verkauft haben. Dieser habe einen Teil der Waffen gemeinsam mit dem 35-JÀhrigen weiterverkauft. 

Razzia dauerte mehrere Tage

Auf der Autobahn 1 bei Remscheid erfolgte im vergangenen Jahr der Zugriff: SpezialkrĂ€fte stoppten den Wagen des inzwischen 60-JĂ€hrigen. Bei mehrtĂ€gigen Durchsuchungen ab dem 26. Oktober 2025 stießen 200 EinsatzkrĂ€fte dann in seinem Haus auf immer mehr Waffen und eine umfangreiche Sammlung von Militaria aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs.

Uniformen, Fotografien und Propagandamaterial wurden wie in einer Art Museum gelagert, auf das die Ermittler zunĂ€chst stießen. Dort fanden sich zahlreiche Dekorationswaffen oder unschĂ€dlich gemachte, sogenannte entmilitarisierte Waffen - ihr Besitz ist legal. 

Doch dann entdeckten sie mehrere gut getarnte RĂ€ume im Keller des GebĂ€udekomplexes. Hinter einem Tresor und hinter einer Vitrine befanden sich zwei GeheimtĂŒren, die nur mit einem versteckten Mechanismus geöffnet werden konnten. «Dahinter waren dann die illegalen Sachen», sagte Baumert.

Kriegswaffen hinter GeheimtĂŒren, Munition im TĂŒrrahmen

Ein weiterer Geheimraum mit 29 Maschinengewehren und drei PanzerbĂŒchsen wurde hinter einer weiteren Vitrine im Keller entdeckt, nachdem der Hauptbeschuldigte dessen Existenz verraten hatte. 

In einem Raum fanden die Ermittler eine Art Werkbank und Werkzeug, mit dem alte, entmilitarisierte Waffen eventuell wieder schussfĂ€hig gemacht worden sein könnten. Dort lag eine Maschinenpistole. Der 60-JĂ€hrige ist ein gelernter Kfz-Mechaniker mit Kenntnissen als BĂŒchsenmacher. 

NS-Relikte 

Im Keller wurden auch Hakenkreuz-Flaggen, SS-Uniformen und andere Relikte aus dem Nationalsozialismus sowie aus der frĂŒheren Sowjetunion gefunden. Der Staatsschutz wurde eingeschaltet, konnte aber keine Anhaltspunkte fĂŒr eine rechtsextreme Gesinnung des 60-JĂ€hrigen feststellen. 

Das Bundeskriminalamt wertet den illegalen Waffenhandel als eine der grĂ¶ĂŸten Bedrohungen der inneren Sicherheit in Deutschland. Er gilt als ein GeschĂ€ftsfeld der organisierten KriminalitĂ€t. Das Wuppertaler Landgericht hat fĂŒr den Fall bis zum 23. September zehn Verhandlungstage angesetzt. Der Prozess wird am 15. Juli fortgesetzt.

de | unterhaltung | 69704023 |

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