Tödliches BusunglĂŒck bei Leipzig: Ermittlungen gegen Fahrer
28.03.2024 - 12:56:59Nach dem schweren BusunglĂŒck auf der Autobahn 9 bei Leipzig ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den Busfahrer. Der Vorwurf gegen den 62-JĂ€hrigen lautet auf fahrlĂ€ssige Tötung und fahrlĂ€ssige Körperverletzung, wie ein Sprecher der Behörde sagte. Ob der Mann bereits vernommen wurde, konnte der Sprecher nicht sagen.
Derzeit steht fĂŒr die Ermittler die Ursachenforschung im Vordergrund. Dazu stehen zahlreiche Zeugenbefragungen an, wie eine Sprecherin der Polizeidirektion Leipzig auf Anfrage sagte. Auch alle Verletzten, die in einem Krankenhaus behandelt werden, sollen befragt werden, sofern es deren Gesundheitszustand zulĂ€sst.
Bei dem UnglĂŒck mit 4 Toten und mehr als 30 Verletzten sind noch zahlreiche Fragen offen.
Das ist passiert
Der Doppelstock-Flixbus war am Mittwochmorgen von der Fahrbahn abgekommen, ĂŒber den GrĂŒnstreifen gerast und auf die Seite gekippt. Zum Gesundheitszustand der Verletzten, darunter sechs Schwerverletzte, konnten noch keine aktuellen Angaben gemacht werden.
Auch die IdentitĂ€t der vier Todesopfer ist noch nicht geklĂ€rt. «Wir bemĂŒhen uns und hoffen, am Nachmittag Angaben dazu machen zu können», sagte die Polizeisprecherin. Auch zum Alter und Geschlecht der Opfer gibt es noch keine Aussagen.Â
Der Bus mit mehr als 50 Passagieren und zwei Fahrern war auf dem Weg von Berlin nach ZĂŒrich verunglĂŒckt. Um 8.00 Uhr war er gestartet, gegen 9.45 Uhr passierte der Unfall zwischen der Anschlussstelle Wiedemar und dem Schkeuditzer Kreuz. Nach ersten Erkenntnissen war wohl kein anderes Fahrzeug daran beteiligt. Die A9, eine wichtige Nord-SĂŒd-Strecke zwischen Berlin und MĂŒnchen, war rund um die Unfallstelle zwölf Stunden lang gesperrt.
Noch vor dem Eintreffen der EinsatzkrĂ€fte hatte ein nachfolgender Bus an der Unfallstelle angehalten. Darin hatten nach Angaben der «SaarbrĂŒcker Zeitung» zahlreiche Feuerwehrleute aus SaarbrĂŒcken gesessen, die sofort zu dem verunglĂŒckten Reisebus geeilt waren. Demnach hatte sie ohne professionelle AusrĂŒstung Verletzte aus den TrĂŒmmern geholt und versorgt.
Die Verkehrspolizeiinspektion hat die Ermittlungen wegen des Verdachts einer fahrlÀssigen Tötung aufgenommen. Der Fahrer des Busses soll nach Angaben des Busunternehmens alle Lenk- und Ruhezeiten eingehalten haben. «An Bord waren zwei Fahrer, der Fahrer im Einsatz steuerte den Bus seit Abfahrt in Berlin um 8 Uhr», hieà es. Er ist nach Angaben der Polizei nicht unter den Toten.
Zahlreiche schwere ReisebusunfÀlle
In den vergangenen Jahren gab es immer wieder schwere ReisebusunfĂ€lle. Dennoch zĂ€hlen Busse zu den relativ sicheren Verkehrsmitteln. Der Unfallstatistik zufolge sind sie vergleichsweise selten in VerkehrsunfĂ€lle mit Personenschaden involviert.Â
«Dennoch sind FĂ€lle, in denen es zu UnfĂ€llen kommt, oft dramatisch, weil die Zahl der Betroffenen hoch sein kann», sagte ein Sprecher des ADAC. 2022 kamen den Angaben zufolge bei BusunfĂ€llen innerhalb und auĂerhalb von Ortschaften insgesamt acht Menschen ums Leben - eine im langjĂ€hrigen Vergleich nicht ungewöhnliche Zahl.
Der ADAC verwies auf die seit 1999 bestehende Gurtpflicht in Reisebussen. «Ob und wie die einzelnen Unternehmen kontrollieren, ob Insassen angeschnallt sind, ist nicht nachzuvollziehen», sagte der Sprecher. Busreisenden werde grundsĂ€tzlich empfohlen, sich anzuschnallen. Zudem mĂŒssen Reisebusse laut ADAC seit 2022 mit einem sogenannten Spurhaltewarnsystem ausgestattet sein.
Ob der verunglĂŒckte Bus eines hatte, war zunĂ€chst nicht bekannt. Ein solches System warnt den Fahrer, verhindert aber nicht das tatsĂ€chliche Abkommen von der Fahrbahn, falls er nicht gegenlenkt.


