Bahn: Nach Störung teils noch FolgeverspÀtungen
24.06.2026 - 08:29:28 | dpa.deNach der bundesweiten Störung ist der Zugverkehr nach Angaben der Deutschen Bahn am Morgen reibungslos wieder angelaufen. Es komme aber noch vereinzelt zu FolgeverspĂ€tungen, teilte die Bahn mit. SĂ€mtliche Strecken seien uneingeschrĂ€nkt befahrbar, und das volle Zugangebot im Regional- und Fernverkehr fahre weitestgehend planmĂ€Ăig, hieĂ es.
NÀhere Angaben zur Ursache der Störung vom spÀten Dienstagabend machte die Bahn nicht. Diese sei in der Nacht identifiziert worden, es könnten aber keine Details genannt werden, hieà es. Sicherheitsbehörden gehen nach rbb-Informationen nicht von Sabotage aus. Als Ursache werde ein fehlerhaftes Update der Deutschen Bahn vermutet. Von einem Software-Update berichteten Bahnmitarbeitende auch dem SWR.
Eine deutschlandweite Störung des digitalen Bahnfunksystems GSM-R hatte bei der Deutschen Bahn (DB) am Abend fĂŒr rund zwei Stunden Stillstand gesorgt. Es waren etliche Reisende betroffen. Kurz nach Mitternacht wurde das Problem behoben. Gegen 0.30 Uhr fuhren die ersten ZĂŒge wieder. Danach lief der Verkehr am frĂŒhen Morgen Schritt fĂŒr Schritt wieder an.
NRW-Minister: «Tiefpunkt bei ohnehin schwacher BetriebsqualitÀt»
Nordrhein-Westfalens Verkehrsminister Oliver Krischer (GrĂŒne) ĂŒbte deutliche Kritik an der Bahn. «Das macht mich fassungslos. Dass durch einen technischen Defekt der komplette Bahnverkehr in Deutschland zum Erliegen kommt, ist ein neuer Tiefpunkt bei einer ohnehin schwachen BetriebsqualitĂ€t», sagte Krischer der Deutschen Presse-Agentur.Â
«Ich erwarte, dass die Bahn diesen Vorfall transparent und lĂŒckenlos aufklĂ€rt. Es kann nicht sein, dass wegen des Ausfalls eines Systems Zehntausende Menschen die Nacht in ZĂŒgen und Bahnhöfen verbringen mĂŒssen.» Der NRW-Minister Ă€uĂerte auch Kritik am Notfallmanagement. Nötig seien Notfallmechanismen, die ein solches Desaster in Zukunft vermeiden.Â
Am Morgen weitgehend normaler VerkehrÂ
In Nordrhein-Westfalen lief der Verkehr am Morgen wieder weitgehend normal. Am Duisburger Hauptbahnhof waren einige ZĂŒge leicht verspĂ€tet, AusfĂ€lle gab es aber fast keine. An den anderen Bahnhöfen im bevölkerungsreichsten Bundesland war das Bild Ă€hnlich: In Köln und DĂŒsseldorf lief der Betrieb völlig normal, wie Reporter der Nachrichtenagentur dpa berichteten.
In Berlin rollte der S-Bahn-Verkehr am Morgen ohne gröĂere EinschrĂ€nkungen. «Bisher sind keine gröĂeren VerspĂ€tungen mehr feststellbar. Hoffen wir, dass es so bleibt», teilte das Unternehmen auf X mit. An der Haltestelle Zoologischer Garten und am Berliner Hauptbahnhof ging es am frĂŒhen Morgen ruhig zu.Â
Kaum AuskĂŒnfte fĂŒr Reisende
In der Nacht waren zahlreiche Reisende auf Bahnhöfen gestrandet, vor Bahnhofsinformationen hatten sich sehr lange Warteschlangen gebildet. Viele Reisende saĂen durch den Ausfall fest. Zwar wurden laut einem Bahnsprecher Taxi- und Hotelgutscheine ausgegeben - teils konnten Menschen aber keine freien Hotelzimmer mehr buchen, etwa in Frankfurt. Ein ICE nach Mannheim und Stuttgart fuhr dort nahezu ohne Passagiere los. Niemand hatte den vielen Wartenden vor der Abfahrt Bescheid gegeben. Unter anderem am Berliner Hauptbahnhof beklagten FahrgĂ€ste, dass es keine AuskĂŒnfte gab.Â
Die Ursache der Störung des Bahnfunks GSM-R hatte die DB noch in der Nacht identifiziert. IT-Experten der Bahn hĂ€tten pausenlos an der Entstörung gearbeitet, mit Erfolg. «Die Störung konnte so innerhalb kurzer Zeit behoben werden», hieĂ es weiter. Man danke allen FahrgĂ€sten fĂŒr die Geduld. Bahn-Chefin Evelyn Palla sagte der «Bild»-Zeitung, die Lage sei mit einem Notfallsystem stabilisiert worden.Â
GSM-R steht fĂŒr «Global System for Mobile Communications - Railway». «Das GSM-R Mobilfunknetz ersetzt nahezu alle analogen Funksysteme der Deutschen Bahn AG», heiĂt es auf der Webseite der DB InfraGo, der Betreiberin der Infrastruktur der Deutschen Bahn. Demnach bietet es Vorteile wie etwa hohe Sicherheit in der betrieblichen Kommunikation, die Möglichkeit spezieller Gruppenanrufe und die Option zur gezielten Kontaktaufnahme mit den Fahrdienstleitern.
Auch S-Bahnen, Privatbahnen und GĂŒterverkehr betroffen
Von der Störung betroffen waren nicht nur Fern- und RegionalverkehrszĂŒge, sondern auch S-Bahnen, die von der DB betrieben werden, und Privatbahnen. In Berlin etwa war der Verkehr im gesamten S-Bahn-Netz eingestellt, ebenso in Stuttgart. Still stand auĂerdem der GĂŒterverkehr, der vor allem abends und nachts unterwegs ist.Â
Der Verband der privaten GĂŒterbahnen forderte deshalb eine genaue Aufarbeitung des zweistĂŒndigen Ausfalls. Die Ursache fĂŒr den Ausfall am spĂ€ten Dienstagabend dĂŒrfe «nicht allein durch eine "Selbstauskunft" der DB InfraGo als Betreiberin beantwortet werden», sagte VerbandsgeschĂ€ftsfĂŒhrer Peter Westenberger der dpa. Es brauche eine bessere Ăberwachung und Steuerung des Schieneninfrastrukturbetriebs.
