Geiselnahme in Kiel: Massive VorwĂŒrfe gegen TatverdĂ€chtigen
13.09.2023 - 18:47:30Nach der Befreiung einer in einem HangargebÀude in Kiel festgehaltenen 29-JÀhrigen durch SpezialkrÀfte kommen immer mehr Details ans Licht. Der 27 Jahre alte TatverdÀchtige, gegen den Haftbefehl erlassen wurde, und die Frau kannten sich nach Erkenntnissen der Ermittler seit mehreren Monaten.
Der in Kiel lebende Mann soll die Frau im April mit einem Cricket-SchlÀger erheblich verletzt und danach eine Zeit lang ein AnnÀherungsverbot auferlegt bekommen haben, wie die Ermittler am Mittwoch mitteilten. Zudem soll er die 29-JÀhrige vor einiger Zeit vergewaltigt haben.
Das Kieler Amtsgericht erlieĂ Haftbefehl, unter anderem wegen des Vorwurfs der Geiselnahme. Der TatverdĂ€chtige schweigt bislang zu den VorwĂŒrfen. Das Opfer befindet sich noch im Krankenhaus. Ermittler haben damit begonnen, die Frau dort umfassend zu den Geschehnissen seit ihrem Verschwinden am Sonntag und ihrer Befreiung aus dem HangargebĂ€ude auf dem GelĂ€nde des ehemaligen Marinefliegergeschwaders 5 zu befragen.
Im Fall des mutmaĂlichen Cricket-SchlĂ€ger-Angriffs im April hatte die Kieler Staatsanwaltschaft im Juli die Ermittlungen ĂŒbernommen. Bei ihr lĂ€uft zudem seit Mai ein weiteres Ermittlungsverfahren gegen den Mann. Er soll die 29-JĂ€hrige demnach vergewaltigt haben.
«Wegen fehlender rechtlicher Voraussetzungen ist Haftbefehl gegen den Beschuldigten bisher nicht beantragt worden», teilten die Behörden nun mit. Zudem wurde bekannt, dass das Kieler Amtsgericht nach der mutmaĂlichen Körperverletzung mit dem Cricket-SchlĂ€ger ein AnnĂ€herungs- und Kontaktverbot fĂŒr den Mann erlassen hatte. Es war bis November befristet.
Polizisten befreiten die Geisel nach stundenlanger Suche
Am Dienstag hatten EinsatzkrĂ€fte stundenlang in Kiel nach der Mutter aus Rendsburg gesucht; auch mit Hunden. Am Abend befreiten Polizisten sie schlieĂlich aus einem HangargebĂ€ude. «Sie hatte mit dem Handy den Notruf gewĂ€hlt und dadurch war es uns dann möglich, sie nicht auf den Punkt genau, aber doch so in einem Bereich zu orten», sagte ein Polizeisprecher. Der Mann habe keine Gegenwehr geleistet. Auf dem seit 2013 nicht mehr von der Marine genutzten GelĂ€nde gibt es mehr als 100 GebĂ€ude.
Am Sonntag, dem Tag des Verschwindens der Frau, sei auf deren Instagram-Seite vorĂŒbergehend ein Foto hochgeladen worden, sagte ein Polizeisprecher. Es zeigte die 29-JĂ€hrige vor einer Heizung hockend, mit den HĂ€nden auf dem RĂŒcken und mit zugeklebtem Mund. Inwieweit der in Kiel lebende TatverdĂ€chtige die Frau in den zweieinhalb Tagen körperlich traktierte, ist noch unklar.
Das gilt auch fĂŒr den Beginn der Freiheitsberaubung. «Wie ist es dazu gekommen? Wie ist er ihrer habhaft geworden und wo hat das Ganze stattgefunden», sagte der Polizeisprecher. Es werde auch ermittelt, ob es sich um Stalking handelte. Die Ermittler analysieren die sozialen Netzwerke, um die Beziehung von TatverdĂ€chtigem und Opfer zu klĂ€ren und untersuchen Spuren aus dem HangargebĂ€ude.


