Italien, NotfÀlle

Norditalienische BÀrin JJ4 darf weiter nicht getötet werden

26.05.2023 - 11:25:54

Nach der tödlichen BÀrenattacke auf einen jungen Jogger in Norditalien geht der Streit um die Zukunft des BÀrenweibchens JJ4 weiter. Nun hat wieder ein Gericht entschieden.

Die BĂ€rin JJ4 in der norditalienischen Region Trentino-SĂŒdtirol darf weiterhin nicht getötet werden. Ein Gericht in Trient hat den Abschussbefehl der Provinzregierung fĂŒr das Tier - das einen Menschen getötet haben soll - erneut ausgesetzt, vorerst bis 27. Juni. Das teilte das Verwaltungsgericht in einem Beschluss am Freitag mit. Es gab damit den EinsprĂŒchen verschiedener TierschĂŒtzer - allen voran des Vereins LAV - statt. Die Entscheidung umfasst außerdem den Tötungsbefehl fĂŒr einen weiteren «ProblembĂ€ren», MJ5, der nach dem Willen der Provinz ebenso erlegt werden soll.

Die Richter begrĂŒndeten ihre Entscheidung unter anderem damit, dass die von der Provinz und den Behörden unterstellte GefĂ€hrlichkeit der beiden Tiere - aber vor allem von JJ4 - nicht ausreichend genug belegt sei. Es seien keine «ausreichenden Untersuchungen» in dem Zusammenhang durchgefĂŒhrt worden. Die Aussetzung des Befehls zur Tötung gilt bis Ende Juni. Bis dahin können die beteiligten Parteien zusĂ€tzliche ErklĂ€rungen, GrĂŒnde, Beweise oder EinsprĂŒche vorbringen. Eine endgĂŒltige Entscheidung in der Sache soll es Mitte Dezember geben. Dann ist eine weitere öffentliche Anhörung vorgesehen.

Das BĂ€renweibchen, das auch Gaia genannt wird, hatte laut offiziellen Angaben Anfang April einen 26-jĂ€hrigen Jogger an einem Forstweg in dem bei Wanderern und Touristen beliebten Val di Sole im Trentino angegriffen und getötet. Daraufhin erließ Maurizio Fugatti, der PrĂ€sident der Region Trentino-SĂŒdtirol, ein Dekret zur Tötung der BĂ€rin. Nach einer Klage von TierschĂŒtzern setzte ein Gericht diese Anweisung Mitte April bereits vorerst aus. Auch ein spĂ€terer zweiter Tötungsbefehl wurde von der Justiz schnell wieder einkassiert.

Proteste gegen die Tötung von JJ4

JJ4, eine Schwester des 2006 in Bayern getöteten «ProblembĂ€ren» Bruno, wurde eingefangen und in ein abgesichertes Wildgehege in der Region gebracht. TierschĂŒtzer hatten Anfang Mai ein Gutachten erstellen lassen, wonach der Jogger nicht von JJ4, sondern von einem ausgewachsenen BĂ€renmĂ€nnchen getötet worden sein soll. Dies sei etwa aus dem Abstand der EckzĂ€hne in den Bisswunden ersichtlich.

Der Tierschutzverein LAV zeigte sich zuversichtlich. «Ein neuer Sieg fĂŒr LAV! Das Leben der beiden BĂ€ren ist vorerst gesichert», hieß es in einer Mitteilung des Vereins. Die Chancen fĂŒr eine Umsiedlung der BĂ€ren sei nun «real und konkret». LAV werde sich fĂŒr die Unterbringung der Tiere in einem sicheren Schutzreservat einsetzen und den Behörden einen Projektplan vorlegen. Nach eigenen Angaben will LAV dafĂŒr die Kosten tragen. Zuletzt hatte sich ein sogenannter Gnadenhof in Niederbayern bereit erklĂ€rt, Gaia bei sich aufzunehmen.

In Italien hatte sich seit dem Tod des Trentiner Joggers die Debatte um das Zusammenleben von BĂ€r und Mensch zugespitzt. Viele Menschen protestierten gegen die Tötung von JJ4. Auch einige Prominente Ă€ußerten sich und forderten, dass die BĂ€rin weiterleben darf. TierschĂŒtzer fordern immer wieder, die BĂŒrger fĂŒr die wilden Tiere zu sensibilisieren oder Wildtierkorridore einzurichten.

@ dpa.de