Frankreich: Regierung erlÀsst BeschrÀnkungen nach Krawallen
30.06.2023 - 18:12:48Mit EinschrĂ€nkungen des öffentlichen Lebens will die Regierung in Frankreich die schweren Krawalle nach dem Tod eines Jugendlichen durch einen Polizeischuss eindĂ€mmen. Landesweit sollte der Nahverkehr mit Bussen und StraĂenbahnen am Freitagabend nach einer Anweisung von Innenminister GĂ©rald Darmanin um 21.00 Uhr eingestellt werden, berichtete der Sender BFMTV. GroĂereignisse wie Konzerte wurden abgesagt, der Verkauf und das MitfĂŒhren von Feuerwerkskörpern und brennbaren Stoffen wurden verboten. Den nationale Notstand rief die Regierung allerdings bislang nicht aus.
Nach der dritten Nacht mit Unruhen in ganz Frankreich appellierte PrĂ€sident Emmanuel Macron am Freitag an das Verantwortungsbewusstsein von Eltern. Sie mĂŒssten ihre jugendlichen Kinder von der Teilnahme an Krawallen abhalten. Der PrĂ€sident machte auch die sozialen Netzwerke fĂŒr die Gewalteskalation der vergangenen Tage verantwortlich. Dort seien gewalttĂ€tige Versammlungen organisiert worden. AuĂerdem habe er das GefĂŒhl, dass einige Jugendliche auf der StraĂe Videospiele nachahmten. Macron kĂŒndigte an, dass die Behörden gegen Menschen vorgehen werden, die ĂŒber die sozialen Netzwerke zu Krawallen aufrufen.
ZurĂŒck zur «republikanischen Ordnung»
Premierministerin Ălisabeth Borne hatte zuvor angekĂŒndigt, «alle Hypothesen» zu prĂŒfen, um schnell wieder zur «republikanischen Ordnung» zurĂŒckzukehren - auch die Ausrufung des landesweiten Notstands hatte sie nicht ausgeschlossen. Die französische Regierung entschied sich zunĂ€chst jedoch dafĂŒr, den EinsatzkrĂ€ften den RĂŒcken zu stĂ€rken und dem Innenministerium «zusĂ€tzliche Mittel» zur VerfĂŒgung zu stellen. Was das konkret bedeutet, blieb zunĂ€chst unklar.
Auslöser der Unruhen war der Tod eines Jugendlichen. Eine Motorradstreife in Nanterre bei Paris hatte den 17-jÀhrigen Nahel am Dienstagmorgen am Steuer eines Autos gestoppt. Als der junge Mann plötzlich anfuhr, fiel ein tödlicher Schuss aus der Dienstwaffe des Polizisten. Gegen den Beamten wurde ein Ermittlungsverfahren wegen Totschlags eingeleitet, er kam in Untersuchungshaft. Der Einsatz der Waffe bei der Kontrolle war nach EinschÀtzung der Staatsanwaltschaft nicht gerechtfertigt.
Seitdem wird Frankreich von heftigen Unruhen erschĂŒttert. Im GroĂraum Paris und in weiteren StĂ€dten gab es von Donnerstag auf Freitag in der dritten Nacht in Folge Ausschreitungen. Knapp 2000 Autos gingen in Flammen auf und an rund 500 öffentlichen GebĂ€uden wie Polizeiwachen und RathĂ€usern wurde Feuer gelegt und Polizisten wurden mit Feuerwerkskörpern angegriffen. Mehrere Hundert Menschen wurden nach Angaben des Innenministeriums festgenommen und ĂŒber 200 Polizeibeamte verletzt. Landesweit waren in der Nacht 40.000 Polizisten im Einsatz, um sich den Ausschreitungen entgegenzustellen, 5000 davon in Paris.
Steht geplanter Deutschland-Besuch auf der Kippe?
Ob Macron seinen fĂŒr kommende Woche geplanten Staatsbesuch in Deutschland absagen wird, ist offen. Regierungssprecher Steffen Hebestreit sagte, er habe dazu im Augenblick keine Informationen. Die Bundesregierung blicke mit einer «gewissen Sorge» auf die aktuellen Ereignisse in Frankreich.
Das UN-MenschenrechtsbĂŒro in Genf rief die französische Polizei angesichts der Unruhen auf, sich mit Rassismus in den eigenen Reihen auseinanderzusetzen. «Dies ist der Zeitpunkt fĂŒr das Land, sich ernsthaft mit den tiefgreifenden Problemen von Rassismus und Diskriminierung in den Strafverfolgungsbehörden auseinanderzusetzen», sagte eine Sprecherin am Freitag in Genf. Das Pariser AuĂenministerium wies den Vorwurf zurĂŒck. «Jegliche Anschuldigungen, dass die Polizei in Frankreich systematisch Rassismus oder Diskriminierung betreibt, sind völlig unbegrĂŒndet», hieĂ es. «Frankreich und seine OrdnungskrĂ€fte kĂ€mpfen entschlossen gegen Rassismus und alle Formen der Diskriminierung.»









